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Der Baikalsee

Geographische Charakterisierung

Der Baikalsee befindet sich in Ostsibirien, inmitten des asiatischen Kontinentes, und hat die geographischen Eckpunkte von 51° 27,5´ und 55° 46,2´ nördlicher Breite, sowie 103° 42,5´ und 109° 57,5´östlicher Länge. Die Länge beträgt 636 km, die Breite schwankt zwischen 27 km und 81 km. Die Küstenlinie hat eine Länge von etwa 2000 km. Mit einer Fläche von 31500 km2 belegt der Baikal derzeit Platz 7 in der Liste der weltgrößten Binnengewässer. Der Baikal beherbergt mit 23000 km3 circa ein fünftel der nicht gefrorenen Süßwasserreserven der Erde. Die Oberfläche des Baikal liegt 456 m über dem Meeresspiegel. Er hat eine maximal Tiefe von 1642 m und eine mittlere Tiefe von 730 m, und ist damit der tiefste See der Welt. Die Sedimenthöhe in dem See beträgt durchschnittlich bis etwa 7000 m. Das Wassereinzugsgebiet beläuft sich auf eine Fläche von 571000 km2. Dabei gibt es 544 Zuflüsse. Diese Wassermenge verteilt sich auf 57,8 km3/a an oberirdischem Zufluss, 2,6 km3/a an unterirdischem Zufluss und 9,8 km3/a an Niederschlag. Der größte Zufluss ist die Selenga. Trotz der vielen Zuflüsse in den Baikal, gibt es aber nur einen Abfluss, die Angara, mit einer Wassermenge von 60,9 km3/a. Über Evaporation entweichen jährlich 9,3 km3. Der pH-Wert an der Oberfläche schwankt zwischen 7,6 und 8,6, in tieferen Schichten liegt er bei etwa 7,2. Eine weitere Besonderheit des Baikal ist die durchgehend hohe Sauerstoffsättigung. In oberen Schichten liegt sie bei 100-120 %, in tieferen Schichten bei 75%. Der See ist dimiktisch mit einer Zirkulation im Frühling und Herbst. Die Jahresdurchschnittstemperatur des Wassers beträgt 7°C (0-50 m), unterhalb 200 m liegt sie konstant bei 3,6°C. Ein Maximum wird im August-September mit 10°C erreicht. Die mittleren Jahresniederschläge liegen bei 300-400 mm, mit einem Maximum von 1400 mm und einem Minimum von 200 mm. Die mittlere Jahreslufttemperatur beträgt -0,6°C (-24,6°C bis +14,4°C). Ab Mitte Januar ist der Baikal jährlich vollständig zugefroren und dient als Verkehrsweg. Die Flora und Fauna dieser Region ist sehr vielfältig und beherbergt viele endemische Arten. Derzeit geht man von 2600 Arten im See aus. Davon sind etwa 60% der Tierarten und 15% der Pflanzenarten endemisch. Das heißt sie kommen nur hier am Baikal und sonst nirgends auf der Welt vor. Ein Beispiel hierfür ist der Fisch Omul. Ein bekanntes und geschätztes Nahrungsmittel am Baikal. Erwähnenswert ist auch die außerordentliche Leistung des Zooplanktons. Verschiedene Gammarus und Epischura-Arten sind durch ihre große Filterleistung dafür verantwortlich, dass der Baikal das sauberste Süßgewässer der Erde ist. Lokal ist jedoch bereits durch die Umweltverschmutzung eine Veränderung der Natur zu erkennen, besonders im Bereich des Selenga-Deltas und um das Zellulosewerk im Süden in der Stadt Baikalsk. Der Dammbau des Irkutsker Wasserkraftwerkes hatte ebenfalls große Auswirkungen auf die Ökologie des Sees. Vor dem Bau des Staudammes schwankte der durchschnittlicher Jahreswasserstand um etwa 80 cm. Nach dem Bau des Staudamms betrugen die durchschnittlichen Wasserschwankungen von 1956-2006 bis zu 113 cm. Zwischen 1994 und 2006 betrugen die durchschnittlichen Wasserstandsschwankungen 136 cm. Im Jahr 2001 wurde in einer Verordnung der Wasserstand auf 456 bis 457 m ü. NN ( nach dem pazifischen Pegel) für den Baikalsee festgelegt. Seit dem betrugen die durchschnittlichen Jahresschwankungen des Wasserstanden 88 cm (max. 456,92 cm im September 2001 und min. 456,04 cm im Mai 2003, Angaben nach Staatlicher Umweltschutzbericht zur ökologischen Situation des Baikalsees 2006).

Irkutsk

Irkutsk wurde nach seiner Lage an der Mündung des Flusses Irkut in die Angara benannt. Mit rund 596.000 Einwohnern ist es die größte Stadt am Baikalsee (Stand 1999). Die Stadtfläche umfasst 30.637 ha (1997). Etwa 90% der Bevölkerung sind Russen. Daneben wohnen Ukrainer, Burjaten, Tataren und andere Volksgruppe in der Stadt. Die mittlere Lebenserwartung beträgt bei Frauen 68,7 Jahre und bei Männern 54,4 Jahre. Irkutsk ist als Hauptstadt der Irkutsker Oblast ein wichtiges administratives Zentrum, große Unternehmen haben hier ihren Verwaltungssitz. Als kultureles und wissenschaftliches Zentrum befinden sich hier mehrere Theater, Museen, Universitäten, im Akademgorodok (Wissenschaftsstadtteil 1954 gegründet und als sibirische Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften) sind große Forschungsinstitute angesiedelt (Volkov, S.N. 2001: Vokrug Baikala. Irkutsk; www.irk.ru). Fotogalerie

Angara

Einer Legende nach hatte der Vater Baikal 336 Söhne und nur eine Tochter - die Angara. Eines Tages verliebte sich Angara in Jenisei und verließ den Vater um mit ihrem Geliebten zusammen sein zu können. Aus Wut vor Angaras Flucht warf Baikal einen großen Stein nach ihr. Dieser Stein ragt bei Listvjanka aus dem Fluss und wird heute "Schamanenstein" genannt. Die Angara ist der einzige Abfluss des Baikals, der viele Zuflüsse hat, die in der Sage durch die Söhne dargestellt werden. Sie hat eine Länge von 1779 km und mündet in den Jenisei. Bevor die Angara den Baikal verlässt, fließt sie aber erst durch ihn hindurch. Sie entspringt 300 km nördlich der Nordspitze als Große Angara und mündet in den Baikal. Im Süden der Westseite verlässt sie zwischen den Orten Listvjanka und Baikal den See zusammen mit dem Wasser der Selenga, die am Ostufer in den See mündet. Noch vor Irkutsk wird der Fluss bis in die Stadt hinein aufgestaut. Hier befindet sich das erste Wasserkraftwerk von einer Abfolge vieler Stauseen entlang des Flusses. Weitere große Kraftwerke liegen bei Angarsk und Bratsk. Der Staudamm am Bratsker Stausee gehört zu den größten der Welt. Das Bratsker Kraftwerk liefert durchschnittlich 7,1 Milliarden KW/h an jährliche Leistung. Auf Luftaufnahmen ist der aufgestaute See deutlich zu erkennen. Das erste Kraftwerk wurde in Irkutsk im Jahr 1956 in Betrieb genommen. Hierbei wurde die Strecke des ehemaligen Abschnittes der Transsibirischen Eisenbahn überflutet. Der Ausbau der Angara-Kaskade sollte die Energieversorgung für den geplanten Ausbau der Industrie in dieser Region sichern. Im Zuge dieser Kraftwerke wurde die energieintensive Aluminium- und Papierindustrie in der Baikalregion angesiedelt. Die ökologischen Folgen waren eine Wasserspiegelerhöhung des Baikals um ca 50cm und Auenüberschwemmungen, die Laichplätze für Fische zerstörte.

Angara-Stausee bei Irkutsk

Geologie

Der Baikalsee liegt in der Baikal-Sajan Faltungszone, die zwischen Präkambrium und Unteren Kambrium durch Kollisionen von Terrains und kleineren Kontinenten mit dem Sibirischem Kraton gebildet wurde. Das Baikalbecken selbst ist eine Folge der Kollision der Indischen Platte mit der Sibirischen Platte im Känozoikum, bei der das Himalaya-Gebirge entstanden ist und was zu tektonischen Prozessen bis weit nordöstlich der Kollisionszone führte. Der Druck der Indischen Platte wirkt wie ein Keil und treibt die Amurplatte auch jetzt noch von der Sibirischen Platte nach Südosten weg. Im Baikalgebiet kam es dadurch ab dem Oligozän zur Ausbildung von insgesamt 15 Grabenbrüchen. Ein Grabenbruch, auch Rift genannt, bildet sich beim Auseinanderdriften von Platten. Dabei senkt sich entlang von Schwäche- und Dehnungszonen der zentrale Bereich zwischen den sich voneinander weg bewegenden Platten ab.

An solchen Grabenrändern können Schollen abbrechen, die sich entweder absenken, oder heben, wenn sie eingekeilt werden. Im rechten Winkel zu den Grabenbrüchen bilden sich weitere Verwerfungen Äon Ära Periode Beginn in Mio Jahren Phanerozoikum Känozoikum Neogen Holozän 23,03 Pleistozän Pliozän Miozän Paläogen Oligozän 65,5 Eozän Paläozän Mesozoikum Kreide 145,5 Jura 199,6 Trias 251,0 Paläozoikum Perm 299,0 Karbon 359,2 Devon 416,0 Silur 443,7 Ordoviz 488,3 Kambrium 542,0 Präkambrium.

Der Komplex der Grabenbrüche am Baikal wird unter der Bezeichnung Baikal-Rift-Zone zusammengefasst. Die tektonischen Prozesse halten noch an: jährlich weitet sich der Baikal durch die Drift der Amurplatte um 0,7-2 cm und senkt sich um 0,3mm. Die Vertiefung wird allerdings durch die beständige, jedoch geringe Sedimentation, kompensiert (Sedimentationsrate 4cm / a). Am Grund des Baikals lagert bereits eine 6 km hohe Sedimentschicht. Weitere Zeugnisse der noch anhaltenden Prozesse sind die immer wieder vorkommenden Erdbeben. Von den 15 Brüchen bilden drei die Becken des Baikalsees. Das zentrale und tiefste Becken, in welchem sich die Insel Olkhon befindet, und das südliche Becken waren ab dem späten Oligozän / frühen Pliozän wassererfüllt. Das nördliche, flachste Becken senkte sich erst später und füllte sich dann mit Wasser. Das nördliche und das zentrale Becken sind durch den Akademiker-Rücken getrennt, der von Olkhon zur Halbinsel Svjatoi Nos reicht und nur bei den Uzhkanij Inseln aus dem Wasser ragt. Das südliche und das zentrale Becken werden durch den Sedimentfächer der Selenga getrennt. Andere bekannte Grabenbrüche in der Region sind das Barguzintal an der Ostseite des Baikal und das Tunkiski -Tal an der Südspitze des Baikals, die beide mit Sediment zwischen 2-3 km Mächtigkeit gefüllt sind. Senkrecht zu vorherrschender Verwerfungsrichtung NO-SW gibt es im Baikalgebiet eine Serie von Verwerfungen in NW-SO-Richtung. Entlang dieser fließen die Flüsse Angara, Sarma und Kyngyrga. An Kreuzungsstellen zweier Verwerfungen treten häufig mineralische oder thermischer Quellen aus, wie beispielsweise in Arshan, wo die Kyngyrga-Verwerfung die Tunka-Verwerfung kreuzt. Einige Verwerfungen der Baikal-Rift-Zone weisen auch eine Nord-Süd-Ausrichtung auf, so das Becken des Khupsugul-See in der Mongolei, der wegen seiner ähnlichen Entstehung auch der kleine Bruder des Baikals genannt wird.

In einer heute 6-8 km tiefen Grabenstruktur hat sich in über 25 Mio. Jahren das tiefste und älteste Süßgewässer unseres Planeten entwickelt. Die Ursache dafür liegt über 100 Mio. Jahre zurück, als die Platte des heutigen Indien sich auf die Eurasische Platte zu schieben begann . Der dabei entstandene Druck ließ an den Rändern das Himalaya-Gebirge entstehen und verursachte im Hinterland das Brechen weiterer tektonischer Platten.

Dabei kam es im Gebiet des heutigen Baikal zu einer Bruchstelle (Rift), wobei die Hügellandschaft von ca. 500 m auf Gebirgskämme bis über 2000 m angehoben wurde. Das Quell- und Flußsystem der Umgebung stellte sich um und begann die Öffnung zu füllen. Derzeit lassen sich im Untergrund des Baikal 3 Becken unterscheiden. Das flache nördliche Becken (mittlere Tiefe 576 m, max. Tiefe 889 m) entstand später als die beiden südlich liegenden Becken und wird durch den unterseeischen Akademiker-Gebirgsrücken begrenzt. Das ältere Becken ist durch den Sedimentkegel des größten Zuflusses (Selenga) in ein mittleres (mittlere Tiefe 854 m, max. Tiefe 1642 m) und südliches Becken (mittlere Tiefe 843 m, max. Tiefe 1432 m) unterteilt. Der Prozess der Riftzone Baikal ist noch nicht abgeschlossen, was durch die zahlreichen Erdbeben in dieser Region belegt ist. Rezent wird der Baikal pro Jahr etwa 2 cm breiter und tiefer. Das letzte große Erdbeben gab es im Jahr 1861, als am Ostufer die Tsagan-Steppe, eine Fläche von 200 km2, 7-8 m unter die Wasseroberfläche des Baikal abrutschte.

Klima

Das Klima des Baikal ist insofern besonders, da es vom typischen, ostsibirischen, kontinentalen Klima abweicht. Die große Wasserfläche inmitten dieser riesigen Landmasse führt zu einem abgemilderten Klima. Obwohl beispielsweise die Distanz zwischen Irkutsk und dem Baikal (Listvjanka Bucht) nur 70 km beträgt, ist die mittlere Temperatur im Dezember in Irkutsk - 17,8°C und in der Listvjanka Bucht -15 bis -20°C. Im Juli dagegen ist die Durchschnittstemperatur in Irkutsk 17,8 °C und am Baikal 15 °C. Im Vergleich zur Umgebung ist der Winter am Baikal also milder und der Sommer kälter. Die Durchschnittstemperatur in Irkutsk beträgt im Januar und Februar -17,5 bis -20,2 °C und im August +15,2°C. Der Baikal friert gewöhnlich von Januar bis März komplett zu. Beginnend von Nordosten friert der See Anfang Dezember zu, bevor er Mitte Januar eine geschlossene Eisdecke bildet. Das Eis kann 70-115 cm Mächtigkeit erreichen. Der durchschnittliche Jahresniederschlag liegt in der Mitte und im Norden des Baikal bei 200-350 mm und im Süden bei 500-900 mm (Quelle: N. Wein 2001). In Irkutsk fallen im Jahresdurchschnitt 471 mm Niederschlag.

Gleichzeitig ist das Wetter aber sowohl im Sommer wie auch im Winter durch eine hohe Anzahl an Sonnentagen gekennzeichnet (ca. 2500 Stunden). Das ist mehr als am Schwarzen Meer (2000 Stunden), das als die Sonnenbank Russlands angesehen wird. Das Wetter am Baikal aber durch seine Unbeständigkeit gekennzeichnet. Starker Nebel, viel Wind und Niederschläge können sich in kurzen Abständen abwechseln. Zu erwähnen sind auch die regionalen klimatischen Unterschiede. Die Westküste ist wärmer und hat weniger Niederschläge. Von Norden nach Süden nehmen die mittleren Jahrestemperaturen zu (3°C höher im Süden als im Norden), die frostfreie Zeit ist im Durchschnitt kürzer, dafür aber die Niederschläge im Süden deutlich höher als im Norden. Eine weitere Besonderheit stellen die Winde am Baikal dar. Dies spiegelt sich auch in der großen Anzahl an Namensgebungen wieder. Oft sind die Winde mit dem Namen der lokalen Region verbunden. "Gorny" zum Beispiel ist der stärkste Wind, der sehr gefährlich für die Schifffahrt ist. Dieser Wind kann zeitweilig höhe Stärke und eine Geschwindigkeit von mehr als 40 m/s erreichen. Plötzlichkeit, Hinterhältigkeit, Unvorhersagbarkeit in Kraft und Stärke sind die Charakteristika dieses Windes. "Shelonnik" dagegen ist ein weit verbreiteter Wind im südlichen Teil des Baikal. Aus der Mongolei über das Chamar-Daban-Gebirge kommend bringt er klares Tauwetter. Die bekanntesten Winde aber sind "Bargusin", "Kultuk" und "Sarma". Sie kommen schnell und heftig aus den gleichnamigen Flusstälern und verbreiten große Turbulenzen auf dem Baikal.

Vegetation

Großräumig gesehen zählt Sibirien und somit auch der Baikal zum Florenreich der Holarktis und zur borealen Florenregion der Taiga. Die zirkumpolare boreale Region ist gekennzeichnet durch immer- bzw. sommergrüne Nadelwälder. Es handelt sich dabei um das kalt-gemäßigte Zonobiom mit langen, kalten Wintern und kurzen, kühlen Sommern. In diesem kontinentalen Klima beträgt die Vegetationsperiode nur 3-4 Monate. Die meist geschlossenen Wälder werden polarwärts immer lichter. Die Nordgrenze zur Tundra wird erreicht, wenn die kalten Jahreszeiten von mehr als 8 Monaten auftreten.
Im nördlichen Asien ist im Hinblick auf das Klima eine zunehmende Kontinentalität von West nach Ost zu beobachten, mit einem Extrem in Ostsibirien. Dort stockt ein großer Teil der Nadelwälder auf Permafrostböden, die in tieferen Schichten ganzjährig gefroren sind. Die oberen Schichten tauen im Sommer auf und ermöglichen somit Waldwuchs. Weite Teile sind dann mit Sümpfen und Mooren bedeckt (Sumpf-Taiga).
Im westlichen Teil der borealen Nadelwaldzone Asiens herrscht Picea abies (Fichte) vor, die nur auf nährstoffarmen und trockenen Habitaten von der Waldkiefer (P. sylvestris) ergänzt oder verdrängt wird (Dunkle Taiga). Am Baikalsee wird die Fichte (Picea abies) Picea obovata abgelöst. In Gebieten mit höheren Niederschlägen kommt die Sibirische Kiefer (Pinus sibirica) vor. Große Flächen werden von Lärchenwäldern bedeckt. Im feuchten Chamar-Daban-Gebirge werden die Wälder von der Tanne (Abies sibirica), Fichte (Picea obovata) und der Sibirischen Kiefer (Pinus sibirica) bestimmt. Im trockeneren Sajan-Gebirge dominieren Lärchen (Larix dauurica), Waldkiefern (Pinus sibirica) und Sibirische Kiefern (Pinus sibirica) die Wälder. Eine grobe Verbreitung der unterschiedlichen Vegetationstypen in der Baikalsee-Region zeigt die Karte aus dem Baikal-Atlas (1993). Bei diesem Maßstab sind die kleinräumlichen Unterschiede nicht darstellbar. Allgemein kann man auch sagen, dass das Baikalgebiet die Grenze zwischen europäischen und asiatischen Arten darstellt. Im Gebirge ist die vertikale Vegetationsgliederung von großer Bedeutung. Die Vegetationsstufen der Gebirge unterscheiden sich nach Exposition, Windexposition, Böden, Niederschlagshöhen und Temperaturverteilung.

Höchenstufen Unterstufen
I. Steppe 1. Gebirgssteppe
II. Waldsteppe 2. Kiefern-Waldsteppe (Pinus sylvestris), im Vorgebirge 3. Lärchen-Gebirgssteppe (Larix sibirica)
III. Wald 4. Taiga-Kleinblatt-Kiefern-Grasreich (P. sylvestris, Betula platyphylla, Populus tremula) 5. Dunkler Nadelwald, Tannen-Kedr-Wald (Abies sibirica, Pinus sibirica) 6. Dunkler Nadelwald, Kedr mit Lärche (P. sibirica mit L. sibirica) 7. Lärchenwald, Gebirgstaiga (Larix sibirica, L. gmelinii)
IV. Hochgebirge 8. Sub-Felsenstufe mit Sträuchern (Pinus pumila =nicht im Sajan, Betula rotundifolia, Juniperus pdeudosabina, Salix lanata, Spiraea alpina) 9. Tundra-Felsenstufe (Dryas oxyodonta, Carex rupestris, Minuartia arctica, Saussurea schanginiana, Cetraria cucullata) 10. Subalpine Stufe (Kobresia myosuroides) 11. Alpine Stufe (Anthoxantum alpinum, Viola altaica, Polygonum bistorta)

Landschaften im Bilde

Steppe im Bargusintal
Steppe auf Olchon
Edelweiß
Ephedra monosperma
Zwerg-Lilie Lilium pumila
Salzsee im Bargusintal
Jungfernkraniche in der Steppe im Tunka-Tal
Ziesel
Wanderdüne auf Olchon
Kiefernwald am Baikalufer
Birkensekundärwald mit Rhododendron daurica
Lärchenwald
Bergwald
Bergbach im Chamar-Daban
Taiga im nördliche Baikalgebiet
Lärchenwald im nördlichen Baikalgebiet
Seidelbast als Laubwaldrelikt im Chamar-Daban
Gebirgstundra auf Svjatoi Nos
Sajan-Gebirge
Sajan-Gebirge
Viola altaica
Hochmoorsee
Sonnentau und Blumenbinse
Niedermoorsee
Niedermoor
Moorwiese
Moorwiese im Sarma-Delta

Die Steppen sind im Baikalsee-Gebiet nur inselhaft an in der Regel südlichen Berghängen, in Bergkesseln oder an Hängen in Flußtälern verbreitet. Erst südlich von Ulan-Ude in Richtung Mongolei werden die Steppenflächen größer. Solche Steppeninseln sind in den Gebirgstälern des Sajan-Gebirges und Altai verbreitet. Aufgrund ihrer guten Qualität als Nutztierweide werden die Steppen fast überall genutzt. Eine unbeinflußte Vegetationszusammensetzung ist nur an nicht nutzbaren Standorten kleinräumig erhalten geblieben. In der sowjetischen Zeit wurden auch große Steppenareale zu Ackerflächen umgebrochen, wie z.B. im Angara-Tal und in Ust-Ordinsk. Teile der Ackerflächen sind nach der Perestroika brachgefallen und werden erst langsam wieder in Weiden umgewandelt, wie man es schön auf der Fahrt von Irkutsk durch Ust-Ordinsk nach Elanzi entlang der Straße sehen kann.

 

Böden

Im Gegensatz zu unseren feuchten Mittelbreiten ist die boreale Zone durch ein ausgeprägtes Jahreszeitenklima geprägt. Dies wirkt sich auch auf die Bodenbildung aus. Auf Standorten mit hohem Grundwasserstand, in erster Linie in Niederungen, aber auch im Bergland mit hohen Niederschlägen und geringer Evapotranspiration, entwickeln sich Histosole H1/H2/Hf/Cf (DBG: Moore). Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass mehr Biomasse produziert als mineralisiert wird. Der verlangsamte mikrobiotische Streuabbau ist bedingt durch Nässe, Kälte, Luftmangel, Acidität und Nährstoffmangel des Pflanzenmaterials. Die Hälfte der Verbreitungsfläche der Histosole liegt in der borealen Nadelwaldzone Nord-Eurasiens und Kanadas. In Finnland und Russland wurde über lange Zeit ein extensiver Torfabbau betrieben.

Diese Gebiete stellen jedoch in floristischer Hinsicht ein einzigartiges Feuchtbiotop dar und sollten daher als Schutzgebiete ohne Nutzung ausgewiesen werden. In lokalen Depressionen (Täler, Senken) und an Fluss-, See- und Meerufern kommen vor allem Gleysole Ah/Go/Gr (DBG: Gley) vor. Das Ausgangsgestein ist in der Regel mittel- bis feinkörniges Sediment oder glazigene Ablagerungen in ehemals vergletscherten Gebieten. Der hohe Grundwasserspiegel hemmt die Entwicklung der Bodenfauna und erschwert den Streuabbau und die Durchwurzelung. Aus diesen Gründen sind Gleysole nicht gut zur Nutzung geeignet. Der dominante Bodentyp in der borealen Nadelwaldzone ist der Podzol Ahe/Ae/B(s)h/Bh(s)/C (DBG: Podsol). Er entwickelt sich vorwiegend aus sauren, quarzreichen und kalkarmen Gesteinen. Koniferen-Vegetation trägt zudem zur Versauerung bei. Podsole sind gekennzeichnet durch geringe biologische Aktivität, geringer Anzahl an Bodenwühlern und eine gehemmte C-, N-, S- und P-Mineralisation. Diese schlechte Nährstoffversorgung, die tiefen pH-Werte und häufig eine schlechte Wasserspeicherkapazität sind verantwortlich für eine erschwerte Nutzung als Ackerböden (Melioration durch Aufkalkung).

In Gebieten mit Lockersedimenten wie Löss und lössartigen Sedimenten, wie auch auf kalkreichen Geschiebemergeln können sich bei niedrigen Jahresniederschlägen (250-350 mm) Kastanozeme Ah (> 4 dm)/C (DBG: Kastanosem) entwickeln (Zech&Hintermaier-Erhard 2002). Sie zeichnen sich durch eine hohe biologische Aktivität aus und sind potenziell fruchtbare Ackerböden mit hohen Nährstoffvorräten. Die geringen Niederschläge führen jedoch während der Vegetationsperiode zu Wasserstress und machen eine Bewässerung notwendig.

Kastanozem in der Orongoisteppe

Physikalisch-chemische Kennziffern von typischen leichtlehmigen Kastanienböden burjatischer Steppen

(nach Ts.Kh.Tsybzhitov, Ts.Ts. Tsybikdorzhiyev, A. Ts. Tsybzhitov 1999)

Boden
Horizonte
Tiefe, cm
Humus, %
N, %
C/N
pH in Wasser
CO2, %
1
A1
0-10
2,6
0,23
7
7,1
-
A1
10-20
2,6
0,23
7
7,4
-
A1k
20-30
2,2
0,21
6
7,7
-
Bk
30-47
0,4
-
-
7,8
-
2
A1
0-10
3,0
0,21
8
6,5
A1
10-20
2,3
0,17
8
6,4
A1
20-30
1,7
0,13
8
6,5
A1B
30-40
1,1
-
-
6,6
A1B
40-50
1,0
-
-
6,7
Bk
60-70
-
-
-
7,8
1,4
Bk
80-90
-
-
-
8,5
17,4
Ck
100-110
-
-
-
8,2
9,0
Ck
130-140
-
-
-
7,6
3,0
Ck
150-160
-
-
-
7,6
2,0

Im Gebiet des Baikal kommen ebenfalls häufig Solonchake vor. Solonchake gehören neben Solonetz und Solod zu den Salzböden. Diese Böden zeichnen sich durch eine Anreicherung von wasserlöslichen Salzen (bes. Nitrate, Carbonate, Chloride, Sulfate der Alkali- und Erdalkalimetalle) auf der Erdoberfläche bzw. im Ober- oder Unterboden aus. Sie kommen vor allem im Bereich der Meeresküste oder in Senken und Depressionen semiarider bis arider Binnenländer vor. Die Salze entstammen der Atmosphäre (als Staub oder im Regenwasser gelöst), dem Meer oder einem Salzgestein. Sie akkumulieren durch Grund- oder Hangwasser oft in Senken. An der Bodenoberfläche können sich regelrechte Salzkrusten ausbilden. Oft sind die Salzböden im Unterboden grundwasserbeeinflußt (Zech&Hintermaier-Erhard 2002). Der hohe Gehalt an wasserlöslichen Salzen verursacht Wasserstress (Erhöhung des osmotischen Potentials) oder Nährstoffmangel (antagonistische Effekte). Dies führt auf natürlichen Standorten zu einer schlechten Nutzbarkeit und zu einer sehr eingeschränkten, artenarmen Vegetation aus Halophyten. Nur durch Meliorationsmaßnahmen können diese Böden nutzbar gemacht werden. Solonchake (FAO) werden in der US-Systematik vor allem den Salorthids zugeordnet.

Solonchak im Bargusintal

Schutzgebiete

Das größte Land der Erde, Russland, besitzt ein komplexes Schutzgebietssystem mit jahrzehntelanger Tradition. Zu klassischen nationalen Schutzgebietskategorien wie den streng geschützten Zapovedniki oder den Zakazniki kammen seit den 1980er Jahren Nationalparke nach internationalen Kriterien errichtet und andere internationale Schutzgebietskategorien hinzu. Auch wenn bisher noch deutlich weniger als zehn Prozent der gesamten Landesfläche Russlands unter den verschiedenen Schutzregimen stehen, handelt es sich hierbei doch flächenmäßig schon um eines der größten Schutzgebietssysteme der Welt. Und auch wenn sich die Weiten Russlands über die insgesamt eher artenarmen polaren, borealen und gemäßigten Breiten erstrecken, so finden sich hier doch auch relativ bedeutende Zentren der Biodiversität, so z.B. die "Altai-Sayansky Bioregion" im Süden und die "Amur-Sakhalin Bioregion" im Osten Russlands (Bomhard, B. http://sibirien.csiewert.de/; Bundesamt für Naturschutz: Deutsch-Russisches Handbuch zum Naturschutz. Bonn/Moskau 2002).

Am Baikal selbst sind derzeit folgende Schutzgebiete ausgewiesen Baikalo-Lenskiy Zapovednik Ia (Strict Nature Reserve) Baikalsky Zapovednik Ia (Strict Nature Reserve) Barguzinsky Zapovednik Ia (Strict Nature Reserve) Zabaikalsky National Park II (National Park) Pribaikalsky National Park II (National Park) Tunkinsky National Park II (National Park) Frolikhinskiy Zakaznik IV (Habitat\Species Management Area) Kabansky Zakaznik IV (Habitat\Species Management Area) Natural World Heritage criteria (i), (ii), (iii) and (iv) IUCN management category http://www.wcmc.org.uk /protected_areas/data/wh/baikal.htm

Zapovedniki

Die wichtigste nationale Schutzgebietskategorie in Russland ist die der Zapovedniki (im Englischen "strictly protected areas"), die international zur höchstmöglichen Schutzgebietskategorie der World Conservation Union (IUCN) gehört (IUCN Kategorie I = wissenschaftliches Reservat). In ihnen darf keinerlei Nutzung und keine menschliche Beeinflussung der natürlichen Prozesse erfolgen. Daher ist das Betreten der total geschützten Kernzone eines Zapovedniks durch Besucher auch generell verboten, wobei es für Wissenschaftler sowie betuchte Touristen, die sich dann jedoch offiziell auch an wissenschaftlichen Studien beteiligen, in sehr beschränktem Umfang Ausnahmegenehmigungen gibt. Die Kernzone eines Zapovedniks wird in der Regel von einer Pufferzone umgeben, in der eine eingeschränkte Landnutzung gestattet ist. Die einzelnen Zapovedniki verfügen über einen eigenen Geldtopf und eine eigene Infrastruktur, zu der auch ein fester administrativer und exekutiver Personalstamm gehört (u.a. ein Direktor, mehrere Ranger sowie wissenschaftliche Berater), der für das Management des Zapovedniks verantwortlich ist. Derzeit gibt es 100 von diesen Totalreservaten in Russland, die in ihrer Fläche von 231 ha bis 4,169 Mio. ha reichen und insgesamt 27 Mio. ha oder etwa 1-2 Prozent des gesamten Staatsgebietes umfassen.

Zakazniki

Neben den Zapovedniki gibt es in Russland als nationale Schutzgebietskategorie des weiteren noch die Zakazniki (im Englischen oft mit "wildlife refuges" übersetzt), deren Name sich vom russischen Wort "zakaz" für "zeitweiliges Verbot" ableitet (IUCN Kategorie III oder IV). Dabei handelt es sich um Gebiete von 0,5 ha bis 6,0 Mio. ha Fläche, in denen bestimmte temporäre (selten permanente) Beschränkungen für die wirtschaftliche Nutzung gelten. Sie können als komplexe Landschaftsreservate dem Schutz und der Regeneration natürlicher Ökosysteme oder aber dem Schutz von seltenen bzw. gefährdeten Tier- und Pflanzenarten sowie von Fossilienfundstellen oder auch dem Schutz hydrologisch, bzw. geologisch bedeutender Stätten dienen. Insgesamt gibt es etwa 3000 Zakazniki in Russland mit einer Gesamtfläche von etwa 780.000 km². Diese Schutzgebiete besitzen im Gegensatz zu den Zapovedniki keine eigene Administration, sondern werden von verschiedenen föderalen oder regionalen Behörden verwaltet. Zudem besteht die Möglichkeit, dass die Betreuung eines Zakazniks einem wissenschaftlichen Institut oder einer Organisation übertragen wird. Traditionell dienten die Zakazniki v.a. dem Management von bejagten Arten. In den meisten Zakazniki ist es heute verboten, bestimmte in ihrem Bestand gefährdete Säugetiere oder Vögel zu bejagen. Ein solches Verbot kann auch dazu dienen, dem Bestand einer vom Menschen dort wiederangesiedelten Art (z.B. dem Biber) die erneute Etablierung zu ermöglichen. Im Gegensatz zu Zapovedniki können Zakazniki ebenso zum Schutz von erst vom Menschen dort eingeführten bzw. eingebürgerten Arten eingerichtet werden. In einem Zakaznik ist die Jagd auf andere als die dort unter Schutz stehenden Tierarten dabei nicht unbedingt verboten. Aufgrund des fehlenden wissenschaftlichen Begleitprogramms liegen für die meisten Zakazniki leider weit weniger Informationen vor als für die Zapovedniki.

Naturdenkmäler und Naturparke

Naturdenkmäler sind einmalige Naturbildungen mit hoher Bedeutung für die Wissenschaft, Kultur und die Ästhetik. Eine relativ neue Schutzkategorie von regionaler Bedeutung stellen die Naturparke dar. Sie dienen neben dem Naturschutz auch der Erholung.

Wälder

Der Schutz und die Nutzung der Wälder ist im Waldgesetz geregelt. Das Waldgesetz teilt die Wälder des Staatlichen Waldfonds nach ihrer ökologischen, sozialen und ökonomischen Bedeutung in 3 Gruppen ein. Zum Waldfond gehören alle Wälder - mit Ausnahme des Waldes auf Militär- und Siedlungsflächen - sowie unbewaldete Flächen. Die Grenzen des Waldfonds sollen so abgesteckt werden, dass der Schutz und die Regenerationsfähigkeit des Waldes gewährleistet ist (Christian Meissner 2002: Rechtliche Grundlagen des Umwelt- und Naturschutzes in Russland). Zur 1. Gruppe gehören die Schutzwälder: Wälder zum Schutz von Gewässern, Grundwasserschutz, Wälder in Schutzgebieten, Erosionsschutzwälder u.a.m. Die Nutzung dieser Wälder darf nur in Vereinbarung mit den Schutzzielen erfolgen. Zur 2. Gruppe gehören alle Nutzwälder, die nicht zur 1. und 3. Gruppe gehören. Ihre Nutzung soll nach ökologischen Kriterien erfolgen Zur 3. Gruppe gehören Reservewälder, die in den nächsten 20 Jahren nicht genutzt werden sollen. In der Realität werden legal und illegal viele ökologisch wertvolle Wälder gefällt. Da die Überwachung und Kontrolle der Wälder mangelhaft ist und oft die lokale Bevölkerung einfach um zu überleben den Wald nutzen muß. Andererseits gibt es auch einen großen illegalen Holzmark in Rußland. Zur "Pflege" dürfen auch Wälder in Schutzgebieten genutzt werden. Oft sind den Behörden und auch der Bevölkerung die Grenzen der Schutzgebiete nicht bekannt. Es gibt keine Beschilderung vor Ort. Bisher ist der Wald in Russland, bis auf kleine Ausnahmen, Staatseigentum. Im neuen Waldgesetz soll der Wald auf bis zu 99 Jahre verpachtet werden können.

Das Baikalgesetz

Nach langer Debatte wurde 1999 das Baikalgesetz verabschiedet. Danach ist die Region am Baikalsee in 3 Zonen unterteilt. Die Zentrale Zone schließt die Wasserfläche des Sees und die Inseln sowie die seenahen Wasserschutzgebiete und die an den See angrenzenden besonders geschützten Naturräume (Nationalparks, Naturschutzgebiete) ein. Die Pufferzone umfaßt das Wassereinzugsgebiet des Baikal. Die Einflußzone ist die außerhalb des Wassersammelbeckens liegende Zone in einem 200 km großen Bereich rund um die Uferlinie des Sees. Das Baikalgesetz umreißt Konzeption und Grenzen der gesetzlichen Möglichkeiten für eine einheitliche Politik und ein einheitliches Handeln zum Schutz dieses einmaligen Naturschatzes, sowohl durch die Föderation als auch durch die regionale Verwaltung. Ein wichtiges Ziel dabei ist eine ausgewogene Beziehung zwischen Umweltschutz und wirtschaftlicher Entwicklung um eine nachhaltige Entwicklungen in der Region zu fördern. Das wichtigste am Baikal-Gesetz ist vor allem die Einschränkung der anthropogenen Belastung auf das Ökosystem des Sees. Auch sind chemische Verschmutzung, Eingriffe in die Landschaft um den See, biologische Einwirkungen und die Einleitung artfremder Stoffe in den Baikalsee und seine Zuflüsse untersagt, die eine besondere Gefahr für das Funktionieren des Ökosystems des Sees darstellen, desweiteren ist die Einrichtung und der Ausbau von Industrie und Handwerk ohne Zustimmung und positives Gutachten der Experten verboten. Leider hat sich die ökologische Situation durch das Gesetz kaum verbessert. Kleine Verbesserungen sind vor allem durch das Schließen vieler Industriebetriebe zu verzeichnen. Die weiterhin bedrohliche Umweltsituation in der Baikalregion ist vor allem auf die schlechte finanzielle und ökonomische Entwicklung des Landes zurück zu führen. Das Baikalgesetz ist wie viele andere Gesetze in Rußland nicht durch staatliche Mittel finanzierbar und funktioniert deshalb eigentlich nicht (Baikal Information Center GRAN ).

Welterbestätten

Im Jahr 1972 wurde von der Generalversammlung der United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO) in Paris die "Konvention zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt" verabschiedet, der mittlerweile 167 Länder (darunter Russland im Jahr 1988) beigetreten sind. Als Kulturerbe gelten Denkmäler, Gebäudeensembles und Stätten, die einen besonderen historischen, ästhetischen, archäologischen, wissenschaftlichen, ethnologischen oder anthropologischen Wert haben. Als Naturerbe gelten dagegen einzigartige physikalische, biologische und geologische Formationen, Gebiete, deren Erhaltung für die Wissenschaft oder wegen ihrer natürlichen Schönheit von außergewöhnlichem Wert sind, sowie Lebensräume bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Verteilt über insgesamt 122 Länder gibt es bislang weltweit insgesamt 690 World Heritage Sites, davon 529 Kulturstätten, 138 Naturstätten und 23 Stätten mit bedeutendem Kultur- und Naturerbe. Der Baikalsee wurde im Dezember 1996 in die UNESCO-Liste der Weltnaturerbe aufgenommen. Im Protokoll des Beschlusses heißt es: "Der Ausschuss erklärt den Baikalsee als das hervorragendste Beispiel eines Süßwasserökosystems auf der Basis von natürlichen Kriterien. Es ist der älteste und tiefste See der Welt, der nahezu 20 % des nicht gefrorenen Süßwassers der Welt beinhaltet. Der See enthält eine bemerkenswerte Vielfalt endemischer Flora und Fauna, die von außergewöhnlicher Bedeutung ist für die evolutionäre Wissenschaft. Er ist umgeben von einem System geschützter Gebiete, die einen hohen landschaftlichen und natürlichen Nutzen haben" (WCMC ).

Biosphärenreservate

Das Konzept der Biosphärenreservate geht auf eine internationale Konferenz im Jahr 1968 zurück. Danach sollen Biosphärenreservate drei Basisfunktionen erfüllen: Erstens sollen sie zum Schutz von Biodiversität und Ökosystemen beitragen, zweitens sollen sie eine ökologisch nachhaltige Entwicklung fördern und drittens sollen sie der Forschung, Bildung und dem Monitoring dienen. Zu diesem Zweck beinhalten sie in der Regel drei verschiedene Arten von Landnutzungszonen: Eine streng geschützte Kernzone, eine Pufferzone, wo Forschung, Bildung und Erholung gestattet ist, sowie eine "Transitional Zone", wo die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen gefördert wird. Bereits am 9. November 1971 fand das erste Treffen des International Co-ordinating Council des neu geschaffenen Man and the Biosphere Programme (MAB) der UNESCO in Paris statt. Die russischen Biosphärenreservate, bei denen es sich ausschließlich um Zapovedniki handelt, denen zusätzlich der Status eines Biosphärenreservates verliehen wurde, leiden jedoch nicht nur unter den allgemeinen Problemen vieler russischer Schutzgebiete, sondern insbesondere auch unter einer nur sehr schwierigen Vereinbarkeit dieser internationalen Schutzgebietskategorie und ihren Anforderungen mit der nationalen Schutzgebietskategorie der Zapovedniki und ihren Bedingungen in Russland. So erfüllen einige der russischen Reservate Zapovedniki bei einer näheren Betrachtung die internationalen Kriterien insbesondere in Bezug auf ihre Zonierung, das Monitoring und die Förderung nachhaltiger Entwicklung in ihrer Umgebung nicht. Nur die von 1978 bis 1988 vom nationalen MAB-Komitee der Russischen Akademie der Wissenschaften (RAS) in Russland ausgewiesenen Biosphärenreservate unterscheiden sich wohl wirklich von anderen Zapovedniki und verwirklichen das eigentliche Konzept der Biosphärenreservate.

Nationalparke

Erst seit Anfang der 1980er Jahre gibt es in Russland auch die in anderen Ländern schon länger bekannte Schutzgebietskategorie der Nationalparke (IUCN Kategorie II). Diese besitzen einen geringeren Schutzstatus als die Zapovedniki und dienen außer dem Schutz von Natur- und Kulturschätzen auch der Forschung und Bildung sowie dem kontrollierten Tourismus. Zudem sind gewisse Landnutzungen, v.a. die traditionellen Nutzungen (z.B. Fischfang) auch innerhalb der Schutzgebietsgrenzen erlaubt. Entsprechend der Schutzwürdigkeit einzelner Teile eines Nationalparks werden unterschiedlich stark geschützte Zonen eingerichtet: Diese reichen von streng geschützten Bereichen mit Totalschutz über Bereiche, die für die allgemeine Erholung zur Verfügung stehen, bis hin zu Bereichen, in denen sogar gewirtschaftet werden darf. Mehr als die Hälfte aller russischen Nationalparke umfassen dabei mit ihrem Gebiet auch Teilgebiete, die im Besitz von Fremdbesitzern, -pächtern oder -nutzern sind. Das Nationalparksystem wird vom russischen Forest Service geleitet, wobei jeder Nationalpark wiederum seine eigene Verwaltung und sein eigenes, vom Staat finanziertes Budget hat, in das aber auch ein Teil der Einnahmen aus Eintritten von Touristen fließt. Derzeit gibt es 35 Nationalparke in Russland, die in ihrer Fläche von 7000 ha bis 1,89 Mio. ha reichen und insgesamt 6,9 Mio. ha des gesamten Staatsgebietes umfassen.

Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung

Im Jahr 1971 wurde in Ramsar, Iran, das "Übereinkommen über den Schutz von Feuchtgebieten, insbesondere als Lebensraum für Wat- und Wasservögel, von inter- nationaler Bedeutung", kurz die Ramsar-Konvention, von 18 Ländern unterzeichnet. Bis heute sind diesem Abkommen 120 Länder (darunter Russland im Jahr 1976) beigetreten, die nun insgesamt über 1100 sogenannte Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung ausgewiesen haben. Längst steht dabei nicht mehr nur der Schutz von Wat- und Wasservögeln im Mittelpunkt des Interesses der Ramsar-Stätten, sondern die Erhaltung, Entwicklung und nachhaltige Nutzung von Feuchtgebieten als komplexe Ökosysteme. Da die Ramsar-Konvention an sich jedoch keine verbindlichen Schutzvorschriften enthält, erfolgt die Unterschutzstellung der Gebiete auf der Grundlage des Naturschutzrechts der einzelnen Länder und damit mitunter sehr uneinheitlich. Ein Teil des Selenga-Delta, der Kabansky Zakaznik, ist seit 1994 als Feuchtgebiet internationaler Bedeutung ausgewiesen (WCMC ).

Grundlegende Probleme der russischen Schutzgebiete

Das russische Schutzgebietssystem leidet derzeit unter einer ganzen Reihe grundlegender Probleme, wie z.B. geringem politischem und öffentlichem Interesse. Dazu kommen Entscheidungsunfähigkeit der Legislative und Exekutive bei der Ausweisung neuer Schutzgebiete, Undurchsichtigkeit der Administrative, insbesondere im Hinblick auf Zuständigkeiten, ungeklärte Eigentumsfragen, fehlende oder mangelhafte Managementplanung, illegale Nutzungen und eine mangelhafte Finanzsituation. Eine Veränderung bzw. Verbesserung der Situation vieler Schutzgebiete wird in Russland insbesondere dadurch behindert, dass die Regierenden im Land oftmals kein Interesse an der Aufstellung und Durchsetzung von Schutzvorschriften haben. Das fehlende Interesse weiter Teile der russischen Bevölkerung, die zur Zeit wahrlich andere Sorgen als den effektiven Schutz der Natur hat, trägt weiter dazu bei, dass der Naturschutz derzeit nur wenig Rückhalt in Russland findet. Erst in letzter Zeit hat man sich jedoch auch von Seiten verschiedener, vorwiegend nicht staatlicher Organisationen verstärkt um die so wichtige Öffentlichkeitsarbeit bemüht, so z.B. am 1996 vom WWF gegründeten Zapovednik Environmental Education Center und am russischen Biodiversity Conservation Center, das den mittlerweile sehr erfolgreichen, jährlichen Marsch der Parke organisiert. Dennoch besteht v.a. vor Ort in den einzelnen Schutzgebieten und deren Umgebung noch erheblicher Nachholbedarf bezüglich der Aufklärung und Einbeziehung der lokalen Bevölkerung. Je nach Schutzgebietskategorie sind für das Management von Schutzgebieten in Russland sehr unterschiedliche Behörden zuständig. Ein großes Hindernis auf dem Weg zur Ausweisung neuer Schutzgebiete bzw. zur Erweiterung bestehender Schutzgebiete und zur erfolgreichen Bekämpfung der Verstöße gegen existierende Schutzvorschriften ist die seit der politischen Wende bis heute immer noch weitestgehend ungeklärte Eigentumsfrage in großen Teilen des Landes. Nach Meinung von Experten würde erst eine Klärung der Eigentumsfrage und eine Übertragung der Zuständigkeiten an unabhängige Organisationen die illegale Nutzungen wirkungsvoll eindämmen. Die aktuelle Situation in den einzelnen Zapovedniki Russlands in Bezug auf illegale Nutzungen stellt sich dabei sehr unterschiedlich dar. Einen erheblicheren Schaden verursacht das durch die weit verbreitete Armut der Bevölkerung verursachte illegale Betreten, Abholzen, Jagen, Fischen und Sammeln (von Pilzen, Pflanzen und Pflanzenteilen). Dabei kann in Bezug auf das jeweilige Motiv zwischen der Deckung des Eigenbedarfs und der Vermarktung der entsprechenden Produkte auf lokalen, regionalen und überregionalen Märkten unterschieden werden. Insbesondere China kommt bei letzterem eine führende Abnehmerrolle für nahezu alle erdenklichen Naturprodukte aus Sibirien und Ussurien zu. Die sehr große Nachfrage in diesem Land übt einen erheblichen Druck auf die natürlichen Ressourcen russischer Schutzgebiete aus. Die bedeutendsten Probleme für das Management sowie den Bildungs- und Forschungsauftrag der Schutzgebiete wirft aber deren Finanzmisere auf. Schließlich ergibt sich im Zusammenhang mit der Ausweisung und Anerkennung von Schutzgebieten aufgrund internationaler Initiativen und Kriterien derzeit in Russland v.a. das Problem, dass sich nationales und internationales Recht oft nicht ohne weiteres vereinbaren lässt und die russische Regierung zudem nur bedingt Interesse daran hat, die natürlichen Schätze des Landes internationalem Naturschutzrecht unterzuordnen. Internationale Organisationen brauchen wiederum die Sicherheit einer konsequenten Durchsetzung von Schutzvorschriften in den von ihnen geförderten Schutzgebieten, auch nach internationalen Richtlinien, um den Einsatz ihrer Mittel gegenüber Spendern und Sponsoren zu rechtfertigen. Der Spagat zwischen dem Wunsch nach internationaler Anerkennung von russischen Schutzgebieten bei gleichzeitig möglichst geringem Einsatz von russischer Seite hat in den letzten Jahren leider oft dazu geführt, dass entsprechende Schutzgebietskategorien in Russland internationale Kriterien doch nur in sehr aufgeweichter oder abgeschwächter Form erfüllen (Bomhard, B. http://sibirien.csiewert.de/; Bundesamt für Naturschutz: Deutsch-Russisches Handbuch zum Naturschutz. Bonn/Moskau 2002).

Völker Sibiriens

Sibirien gilt seit langer Zeit als ein geheimnisumwobenes Land, das bis zum 17. Jh. nahezu unerforscht blieb. Nicht einmal eine genaue geografische Begrenzung gab es für die Gebiete jenseits des Urals. Seit dem 17. Jh. existiert der Begriff Sibirien und bezeichnet die riesige Landmasse zwischen Ural und der Wasserscheide des nördlichen Eismeeres und Pazifik. Als Sibirien wird heute im physisch- geographischen Sinn eine Großlandschaft in Nordasien mit einer Ausdehnung von fast 10 Millionen km2 bezeichnet, die im Westen durch den Ural, im Osten durch den Fernen Osten, im Norden durch das Polarmeer und im Süden durch die Kasachische Schwelle und die Mongolei begrenzt wird. Heute wird dieses Gebiet von etwa 25 Millionen Menschen besiedelt, deren Siedlungen sich hauptsächlich entlang der Transsibirischen Eisenbahn befinden. Das entspricht einem Anteil von 17 % im Jahre 1995 der Gesamtbevölkerung Russlands auf 56% der Gesamtfläche. Dahinter verbergen sich neben den zugewanderten Nationalitäten (z.B. Russen, Deutschen) eine Vielzahl größerer und kleinerer Volksgruppen, die sechs verschiedenen indigenen Sprachfamilien angehören. Trotz unterschiedlicher geschichtlicher und sprachlicher Hintergründe gibt es unter den indigenen Völkern eine Vielzahl von kulturellen Gemeinsamkeiten, die vor allem auf den geographischen und klimatischen Gegebenheiten basieren. So weisen sie in ihren Ursprüngen eine Wirtschafts- und Lebensweise als Nomaden (Haltung von Schafen, Pferden und im Norden vor allem Rentieren), Jäger oder Fischer auf. Nach dem Zusammentreffen mit russischen Eroberern im 16.Jh. setzte eine schrittweise Auslöschung ihrer Kulturen ein, die einen Höhepunkt unter der Diktatur Stalins fand. Viele sind trotz allem in ihrem Kern erhalten geblieben und für einige dürfte es keineswegs zu spät sein für ihre Rückbesinnung und Weiterentwicklung, sofern ihnen von der russischen Gesellschaft genügend Freiraum gegeben wird (Resagk, K. 2002: Völker Sibiriens. Exkursionsbericht TU Berlin http://sibirien.csiewert.de/; Wein, N. 1999).

Allgemeiner geschichtlicher Abriss

Die ältesten Völker Sibiriens, die aus allen Teilen Asiens einwanderten, existierten schon vor 200.000 Jahren. Erste Siedlungen gab es seit der Voreiszeit im Altai. Von dort aus erfolgte die weitere Besiedlung Sibiriens. Eiszungen der Eiszeit reichten bis zum Altaigebirges. Am Eisrand lebten während des Paläolithium Mammuts, Bison und Nashörner. Bei archäologischen Arbeiten 1967 entdeckte man Mammutknochen. Die Archäologen rekonstruierten, dass sie auch zum Bau von Häusern verwendet wurden. Diese hatten, ähnlich einer Jurte, eine ovale oder halbkreisartige Form und waren zur Hälfte in der Erde versenkt.

Etwa im 12. Jh. v.Chr.. endete die Eiszeit und das Neolithium begann mit ähnlichen klimatischen Bedingungen wie heute. Mit dem Aussterben der Großsäugetiere stellten sich veränderte Jagdweisen ein: der Fischfang nahm zu, Pfeil und Bogen und ebenso Tongeschirr wurden erfunden. Schon damals spielten die Frauen eine große Rolle in der Wirtschaft. Wohnstätten bestanden zur damaligen Zeit aus einem Raum mit zentraler Feuerstelle und darum angeordneten Schlafplätzen. Während der Bronzezeit erfolgte eine Migration der Stämme und territoriale Auseinandersetzungen setzen ein. Die Siedlungen wurden größer und waren zur besseren Verteidigung meist kreisförmig angelegt. Die Gebäude befanden sich immer noch halb unter der Erde und boten etwa 12- 20 Personen (einer Großfamilie) Platz. Sie bestanden nun aus mehreren Räumen, die kreisförmig um den zentral liegenden Stall angeordnet waren. Während dieser Zeit kam es auch zur Einwanderung von Turkvölkern über den Altai. Typisch für die Turkvölker ist der hohe Stellenwert des Pferdes als ständigen Begleiter für das ganze Leben und auch nach dem Tod. Nach der Einwanderung kam es zu Migrationen, aber auch zu Vermischungen mit bereits ansässigen Völkern. In Folge entwickelte sich im 1. Jh. v.Chr. die sibirische Urbevölkerung mit einer Turksprache. Überlieferungen des griechischen Historikers Herodot (etwa 485- 424 v. Chr.) berichten vom Volk der Skythen, die im 5. Jh. nördlich des Schwarzen Meeres sowie in Südrussland siedelten. Ursprünglich sollen die Skythen aus Sibirien stammen, wo sie als Nomaden der frühen Eiszeit eine Kultur der Reiterkrieger ausgebildet hatten, um große Viehherden und Weidegebiete zu verteidigen. Streitigkeiten unter verschiedenen Nomadengruppen lösten eine Völkerwanderung aus, in folge dessen die Skythen aus Sibirien vertrieben wurden. Im 13. Jh. herrschte das kriegerische Volk der Mongolen im heutigen Sibirien. Es kam zu Kämpfen im Jenissej Becken und am Ob, die Bevölkerung musste Steuern zahlen und wehrfähige Männer in den Dienst der mongolischen Armee treten. Nach dem Zerfall des mongolischen Reiches bildete sich das sibirische Khanat, welches 1552 wiederum durch Kasan erobert wurde. Seit dem 11. Jh. bestehen durch den Pelzhandel Kontakte zu Russland. Im 16. Jh. kam es zur militärischen Eroberung Sibiriens durch die Russen. Die Expansion erfolgte vor allem entlang der Wasserläufe. Im Jahre 1639 wurde der Nordpazifik und 1645 die Amurmündung erreicht. Zu dieser Zeit lebten etwa ein Viertel Million Menschen jenseits des Urals. Bis dahin hatten endlose kleine und große Kämpfe zwischen Stämmen und Sippen in der Geschichte Sibiriens dominiert, bei denen zum Teil ganze Stammesgruppen vernichtet wurden. Die dadurch gehemmte Ausbreitung und das verlangsamte Bevölkerungswachstum der indigenen Bevölkerung führten zu einem erleichterten Eindringen der Russen. Mit den Russen kamen neue landwirtschaftliche Anbaumethoden (auch die Viehzucht), neue Bauweisen und Jagdmethoden nach Sibirien. Erste sibirische Städte trugen einen Festungscharakter und entstanden an strategisch und administrativ wichtigen Plätzen. Besiedelt wurden sie überwiegend vom Militär und Geistlichen. Ansonsten erhielten sich dörfliche Strukturen um Markt- und Handelszentren, meist ohne Kirchen und administrative Einrichtungen. Ende des 16. /17. Jh. lebten etwa 300.000 Menschen in Sibirien, wobei die Urbevölkerung schon weit in den Norden oder nach Süden verdrängt wurde.

Geschichte der Urvölker

Seit der Bronzezeit ist der Süden Sibiriens besiedelt und zeichnet sich durch hochentwickelte Kulturen aus (z.B. Minussinker Becken am oberen Jenissej oder im Altai). Es erfolgte eine Migration der Stämme und territoriale Auseinandersetzungen setzen ein. Die aus diesen Siedlungsinseln ausgeschwärmten Gruppen entwickelten sich zu eigenen Völkern. Diese Völker wiesen keine ethnische Einheitlichkeit auf, sondern unterschieden sich hinsichtlich ihrer Herkunft, sowie ihrer Sprachfamilien, zu denen die folgenden gehören: 1. Finnisch- Ugrische 2. Samojedische 3. Jenissej 4. Tungusische 5. Mongolische 6. Turksprachen Überprägt und assimiliert wurden die Urvölker von einwandernden Volksgruppen wie die Finno-Ugrier, die Samojeden, die Mandschu-Tungusen und später von türkischen und mongolischen Völkern. (Zum Beispiel haben mongolische Burjaten die Tuwiner, ein Turkvolk in der Baikalregion assimiliert.) Diese Einwanderer werden auch als Neosibirier genannt (i.d.R. mongolid geprägt). Diesen stehen die Paläosibirier gegenüber, die sich durch kleine, tiefliegende Augen und einen gedrungenen, stämmigen Wuchs auszeichnen. Während der ersten Einwanderungswelle, v.a. durch tungische Ewenken und Ewenen, wurde der Taigagürtel besetzt. Später wurden diese Völker bis an den Polarkreis verdrängt. Zusammen mit den Paläosibiriern (Tschuktschen, Jukagirier u.a.) bilden sie heute die "kleinen Nordvölker". Jüngste Einwanderer kommen aus dem mongolischen Becken (= Völker mongolischer und türkischer Herkunft) und siedeln vor allem in der Steppe und Waldsteppe.

Völker

Die Völker Sibiriens werden zum einen unterteilt in die Großvölker, dazu gehören die Burjaten, die Altaier, die Jakuten und die Tuwa und die "Nördlichen Kleinvölker", im äußersten Norden Sibiriens. Die Großvölker haben in den letzen Jahrzehnten zahlenmäßig zugenommen und verfügen über eigene Republiken, in denen sie aber meist in der Minderheit leben (zu 24% in Burjatien, zu 31% im Altai, zu 33% in Jakutien und zu 64% in Tuwa). Die Großvölker waren in der Lage den eindringenden Russen größeren Widerstand zu leisten und waren auch der Russifizierierung weniger ausgesetzt. Die Mehrzahl von ihnen spricht zu Hause die Nationalsprache. Der Begriff "Nördlichen Kleinvölker" wurde 1926 geprägt und bezeichnet Völker, deren Umfang weniger als 30.000 Menschen umfasst, die eine nomadisierende Lebensweise - basierend auf Rentierzucht, Fischerei und Jagd praktizieren - und einen niedrigen Lebensstandart aufweisen. Nach Angaben der Bevölkerungszählung von 2002 gehören nur 0,2 % der Bevölkerung Russlands zu den sogenannten indigenen "Nördlichen Kleinvölkern" des Nordens, Sibiriens und des Fernen Ostens. Insgesamt wurden 243982 indigenen Personen erfasst. In der Irkutsker Oblast und Republik Burjatien sind es die Ewenken. Von ihnen leben 2154 Personen, das ist 0,1 % der Gesamtbevölkerung, in der Irkutsker Oblast und 5073 Personen in der Republik Burjatien, hier erreichen sie 0,5 % der Bevölkerung. In der Irkutsker Oblast lebt noch das kleine Volk der Tovalar (723 Personen) und in der Republik Burjatien die Soioti (2739 Personen) (Volkszählung 2002, www.raipon.org/russian_site/ ).

Großvölker Burjaten

Diese Nachfahren mongolischer Stämme bilden heute mit etwa 420.000 Angehörigen die größte Gruppe der Großvölker, die auf einer Fläche von der Größe Deutschlands siedeln. Die Hälfte von ihnen lebt in der Republik Burjatien, der Rest in autonomen Gebieten in der Nähe von Irkutsk, in der Mongolei und in Nordchina. Traditioneller Lebensraum ist die Insel Olchon im Baikalsee, auf der noch heute eine extensive Schafwirtschaft betrieben wird. Traditionelle burjatische Tracht ist der Chalat- ein weiter, bunt bedruckter Mantel aus Seide oder leichter Baumwolle. Dazu trägt man weiche Schafstiefel und einen spitzen, kegelförmigen Filzhut. Nationalspeise ist noch heute ein Gericht namens Posy, mit Hackfleisch gefüllte Teigtaschen. Im 18. Jh. erfolgte ein weitgehender Übergang zum Buddhismus. Bis dahin war der Schamanismus weit verbreitet. Viele westliche Burjaten hängen aber auch der christlich- orthodoxen Kirche an. Die Burjaten konnten sich lange den Russen widersetzen, wurden aber im 17. Jh. schließlich auch ins Russische Reich eingegliedert. Neben der Bekämpfung des buddhistischen Glaubens v.a. unter Stalin war die Zwangssesshaftmachung (aller nomadisierenden Völker) ein weiteres Ziel der Russen. Erste feste Unterkünfte der Burjaten waren 6- 8eckige Einraum-Blockhäuser, die einer Jurte nachempfunden waren.

Jakuten

Zweitstärkste Bevölkerungsgruppe sind mit 400.000 Menschen die Jakuten, die zuerst in der Baikalregion lebten, dann aber von anderen Völkern in die Steppeninseln der mittleren Lena verdrängt wurden. Dabei wurden die dort ansässigen Ewenen zum Teil assimiliert. Die Jakuten sind Nachfahren von Türkengruppen, die im 13. Jh. einwanderten und weisen eine reiche nationale Kultur auf und brachten z.B. die Töpferei und die Schmiedekunst in den Norden. Mit dem Vorstoß russischer Truppen Ende des 18. Jh. wanderten kleine Jakutengruppen nach Norden ab und siedelten an den Flüssen Kolyma, Indigirka und Alaseja. Diese Gebiete stellen heute das nördlichste Verbreitungsgebiet der Turkvölker dar. Ursprüngliche Lebensform ist der Pferdenomadismus. Die jakutischen Pferde sind winterfest und die Wirtschaftsform gleicht der Rentierhaltung. Mit den Russen wurde im 17. Jh., wo es edaphisch möglich war, der Ackerbau, sowie die Rinderhaltung eingeführt, die aber wegen der Notwendigkeit der Heuwirtschaft und den Bau von Winterstallungen sehr aufwendig war. Der Übergang zur Sesshaftigkeit erfolgte auch hier in Einraum- Blockhäusern, die mit einem Erddach versehen, und außen zur Wärmeisolierung mit Dung und Lehm verschmiert waren. Eine solche Bauweise findet man heute noch bei den Rinderställen. Die jakutische Kultur weist sowohl südliche Steppenelemente wie z.B. Koumys vergorene Stutenmilch, aber auch nördliche Taigaelemente auf. Auch heute sind die Jakuten noch ein kulturschaffendes Volk mit reicher nationaler Literatur, Theater und Musik. Die selbstbewusste Volksgruppe wurde nicht tiefgreifend russifiziert, und so sprechen 92% der Bevölkerung zu Hause ihre Nationalsprache (Wein,N. 1999).

Tuwa

Das Volk der turksprachigen Tuwa umfasst etwa 200.000 Menschen, die das obere Jenissej- Becken besiedeln. Die traditionellen Jäger und Viehzüchter (Schafe, Kühe, Pferde und Yaks) stammen aus der Mongolei und hängen dem buddhistischen Glauben und dem Schamanismus an. Im 18./19.Jh. war Tuwa ein Teil des Chinesischen Reiches, von 1921- 1944 unabhängige, kommunistische Republik. Ihre Unabhängigkeit konnten die Tuwa in der heutigen autonomen Republik zurückerhalten. Viele Tuwa leben heute auch in der Mongolei. Chakassen Nördlich der Republik Tuwa lebt das etwa 80.000 Menschen umfassende Volk der Chakassen. Dabei handelt es sich um Nomaden türkischer Abstammung, die sich mit der samojedischen Urbevölkerung vermischt hat. Sie hängen zum Teil dem Schamanismus, zum Teil der christlichen Religion an.

Altaier

Die turksprachigen Altaier umfassen etwa 70.000 Menschen und gelangten im 19. Jh. unter russische Kontrolle (Wein, N. 1999).

Nördliche Kleinvölker

In Sibirien und dem fernen Osten gibt es 40 Kleinvölker. Die größten von ihnen sind die Ewenken etwa 35000 Personen und Nenzen mit etwa 40 000 Zugehörigen. Die kleinsten, die Enzen und Orotschen, umfassen gerade einmal 200 Menschen. Die Kereki zählten nur 8 Personen im Jahre 2002. Bei den nördlichen Kleinvölkern handelt es sich ausschließlich um nomadisierende Gruppen. Die geringe Menschenzahl begründet sich mit der geringen Tragfähigkeit der Taiga und Tundra. Ein Jäger braucht in der Taiga ein Areal von 150 km2 zur Ernährung seiner Familie. Bei den Rentiernomaden ist der Flächeverbrauch ähnlich hoch, da ein Tier mehr als100 ha Weidefläche pro Jahr benötigt. Eine Gruppe von 216 Personen nutzt mit 7.000 Rentieren z.B. ein Areal von 37 000 km2, was der Fläche von Baden- Württemberg entspricht. Größer ist die Tragfähigkeit der Tundra, wo nur noch ein Sechstel der in der Taiga benötigten Fläche als Weide genutzt wird (Wein, N. 1999). Die nomadisierenden Gruppen leben heute noch in Wohnzelten, Jarangas genannt, die mit Rentierfellen bedeckt sind. Die Fortbewegung erfolgt mit breitkufigen Schlitten, dem Narty, der auch im Sommer über den feuchten Tundraboden gezogen werden kann. Heute verfügen die Gruppen aber auch über Motorschlitten, die aus der Auflösung der Kolchosen stammen. Die Glaubenswelt wird vom Schamanismus bestimmt mit einer Vielzahl von mystischen und kultischen Handlungen. Das Verbot des Schamanismus zu Zeiten des Sozialismus führte zur geistigen Entwurzelung und Verunsicherung der Menschen. Die nordischen Kleinvölker gehören verschieden Sprachfamilien an: Zur finno- ugrischen: Chanten und Mansen Zur samojedischen: Nenzen und Ngassanen Zur mandschu- tungusischen: Ewenen und Ewenken Zur palöosibirischen: Keten, Tschukschen, Jukagirier und andere im fernen Osten. Alle Völker waren ursprünglich weiter südlich beheimatet: Die Nenzen stammen aus dem Altai- Sajan- Gebirgsraum und vermischten sich, nachdem sie am Ob abwärts gewandert sind, mit den dortigen Fischern und Jägern. Sie machen mit 35.000 Menschen das größte der nördlichen Kleinvölker aus. Die Nenzen leben noch als Jäger und Viehzüchter entlang der arktischen Küste östlich und westlich des Urals. Eine große Bedrohung erleben die Nenzen durch die Erdöl- und Erdgasförderindustrie, die eine großflächige Zerstörung der Rentierweiden verantwortlich ist. Die Chanten und Mansen (früher "Ob- Ugrier") entstanden durch die Vermischung autochtoner Fischer- und Jägerstämme mit Pferdezüchtern aus dem zentralasiatischen Raum, die Mitte des 1. Jh. nach Norden rückten (LINDIG, 1981). Durch ihre finno- ugrische Abstammung sind die rund 20.000 Chanten verwandt mit den Finnen, Kareliern und Esten. Entdeckt wurden die Fischer und Jäger im 11. Jh. durch norwegische Forscher. Das 800 Menschen umfassende Volk der Mansen ist in einem autonomen Distrikt am mittleren Ob angesiedelt. Auch ihre Lebensweise ist durch die Erdölförderung gefährdet (Ölfeld bei Samotlor). Die Ethnogenese der Ewenken und Ewenen geschah vermutlich im Baikalgebiet mit der Vermischung mandschurischer, mongolischer und türkischer Stämme. Die Ewenken sind vermutlich das älteste Volk Sibiriens. Etwa 30.000 Ewenken siedeln in den Gebieten vom mittleren Jenissej bis zum Baikal und Armur. Obwohl ihre Sprache dem Chinesischen ähnelt, sind sie kulturell eher mit den Mongolen verwandt. Nahe verwandte Gruppen sind die Nani mit 12.000 Menschen am niederen Armur und die Even mit 17.000 Menschen . Paläosibirische Tschuktschen wurden aus dem Süden nach Norden abgedrängt und existieren heute in zwei verschiedenen Kulturformen: die Tundren-Tschuktschen mit Rentierwirtschaft und die Küsten-Tschuktschen, die sich auf die Jagd auf Wale und Seehunde spezialisiert haben. Notizen von KOLESOV, 1991 berichten über die Lebensgewohnheiten dieses Volkes. Als Behausung dient ein vieleckiges, geräumiges Zelt, das mit Rentierfellen überdeckt ist und leicht transportiert werden kann. In der Mitte brennt fast ununterbrochen ein Feuer, das zum Kochen dient, aber auch die unzählig vielen Mücken vertreiben soll. Der Rauch entweicht durch eine Öffnung im Dach. Auch auf dem Boden liegen Rentierfelle in mehreren Schichten aus, die als Sitzgelegenheiten dienen. Vor dem Zelt stehen Schlitten, Narty, die mit allerlei Wirtschaftsgerät beladen sind. Neben dem zentralen Hauptzelt gibt es mehrere vieleckige Zelte zum Schlafen. Die Frauen tragen die Hauptlast der Arbeit. Ihre Aufgabe ist es, das Essen zuzubereiten, Kleidung zu nähen, die Zelte aufzustellen, Holz zu holen und den Männern auf der Weide zu helfen. Ab September wird ein Overall aus Fell getragen, der von den Frauen genäht wird. Im Winter werden zwei von ihnen übereinander getragen, der untere mit dem Fell nach innen und der äußere mit dem Fell nach außen. Alle 8- 19 Tage ziehen die Gruppen weiter und verladen dazu alles auf ihre Schlitten. Dabei werden die Routen des vergangenen Jahres gemieden, um eine Überweidung zu verhindern. An jedem Standplatz werden zwei Tiere geschlachtet und der Fleischvorrat in einer 30 cm tiefen Permafrostgrube gelagert. Im Herbst erfolgt das Jahresschlachten, bei dem die Herde um ein Drittel reduziert wird, um der geringeren Kapazität der Winterweide gerecht zu werden. Das Fleisch, das früher von der Sowchose übernommen wurde, muss heute selbst vermarktet werden, was aber aufgrund der hohen Transportkosten (z.T. mit Hubschraubern) und der geringen Aufkaufpreise wenig lukrativ ist. Dennoch hat sich diese Lebensweise noch nahezu unverändert bis heute erhalten, v.a. im äußersten Nordosten. Zu Zarenzeiten mussten die Nordvölker eine Pelzsteuer, den sogenannten Jassak, entrichten, wegen dem sie viel Zeit und Energie für die eigene Lebensbewältigung in den ohnehin schon widrigen Bedingungen verloren. Die Folge waren Armut und schlechte Lebensverhältnisse. Die Lebenserwartung lag bei Männern zwischen 35 und 40 Jahren. Auffallend sind auch heute noch die vielen Krankheiten und eine hohe Selbstmordrate (Resagk, K. 2002: Völker Sibiriens. Exkursionsbericht TU Berlin http://sibirien.csiewert.de/; Wein, N. 1999).

Religionen

Buddhismus

Der Buddhismus wurde im 17./18. Jh. über die mongolische Grenze nach Russland gebracht. Dort fand er bis zu einer halben Millionen Anhänger, die allesamt Mitglieder der tibetischen Sekte mit dem Dalai Lama als geistlichen Führer waren. Religiöse Reformen im 18.Jh. unter Zarin Elisabeth befreiten die Klöster von Steuern und Abgaben und die Mönche vom Wehrdienst, der damals immerhin 25 Jahre betrug. Bis in die 30iger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts war der Buddhismus in Russland toleriert worden. Unter Stalin kam es zu einer gezielten Verfolgung aller Glaubensanhänger: 250 Tempel, 50 Klöster wurden zerstört und tausende von Mönchen ermordet. Die mongolische Schrift wurde verboten und 1931 durch die lateinische und 1939 durch die kyrillische Schrift ersetzt. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden zwei Klöster eröffnet: das 1946 neuerrichtete Ivolginski- Kloster bei Ulan-Ude und das Aginsk- Kloster bei Chita. Bemerkenswert ist, dass das Ivolginski Kloster mit ausdrücklicher Genehmigung Stalins gegründet wurde. Ob es sich dabei um ein Zeichen des Verbundes aller Religionsgemeinschaften gegen Hitler oder um einen politisch wichtigen Akt handelte, der dem Ausland die Glaubensfreiheit in der Sowjetunion demonstrieren sollte, bleibt ungewiss. Bis zur Zeit Gorbatschows durften allerdings keine weiteren Tempel oder Gebetshäuser gebaut werden. Die Verbreitung buddhistischer Schriften und die Ausbildung von Mönchen war verboten. Wer sich öffentlich zum Buddhismus bekannte, musste befürchten, damit seine berufliche und gesellschaftliche Existenz zu gefährden. Seit 1991 gibt es eine Wiedergeburt des Buddhismus in Burjatien. 20 Tempel und kleinere Gebetshäuser wurden errichtet. Seit kurzem sind die Mönche wieder vom Wehrdienst befreit. Andere traditionell buddhistische Gebiete sind Tuwa und Kalmückien, aber auch in allen anderen großen Städten Russland existieren buddhistische Gemeinden. Der Buddhismus als klassische ökologische Religion bestimmt auch das Verhältnis zur Umwelt. Die starke Naturverehrung führt zu einem nachhaltigen Umgang mit dieser. Vor allem der Baikalsee spielt eine große Rolle innerhalb dieser Religion. Viele Tiere und Pflanzen des Baikalssees sind Elemente tibetischer Medizin. So ist z.B. das Fett des Fisches Golomjanka Basis vieler Heilmittel (Wein, N. 1999).

Buddistisches Kloster in Arschan (Sajan-Gebirge, Burjatien)

Christentum

Anfänge einer Christianisierung gab es 1570. 1586 wurde die erste Kirche in Tjumen errichtet. Die Verbreitung des christlichen Glaubens beruhte nicht immer auf Freiwilligkeit. Es gab Zwangsbekehrungen und die Kirche wurde vom Staat als Instrument der Kolonisierung eingesetzt. 1653 kam es zur Kirchenspaltung, dem Raskol. Um den orthodoxen Glauben und den Staat zu festigen, hatten Zar Alexej Michailowitsch und Patriarch Nikon eine Kirchenreform durchgeführt, deren Grundlage eine Korrektur der Liturgie war, die angeblich fehlerhaft übersetzt war. Obwohl es sich äußerlich nur um Lappalien handelte (Kirchenprozession gegen und nicht nach der Sonne, dreimaliges anstelle zweimaligen Halleluja Singens, Bekreuzigung mit drei anstelle mit zwei Fingern), brachten die Korrekturen eine beträchtliche Opposition auf. Es bildete sich das Lager der Altgläubigen, die sich strikt gegen die Reformen wehrten und darüber hinaus meist auch Gegner der Zarenherrschaft an sich waren. In den folgenden Jahren wurden viele Altgläubige verfolgt und umgebracht. Es setzte eine Wanderungswelle der sogenannten "Raspolniki" nach Sibirien ein, die schließlich 10 % der Bevölkerung Westsibiriens ausmachten. Dort führten sie meist ein zurückgezogenes Einsiedlerleben

Kirche im Ethnographischen Freilichtmuseum Ulan-Ude

Erst in den 80iger Jahren wurde eine Siedlung von Altgläubigen in der Taiga entdeckt (Buchtip: Peskow, W.: Die Vergessenen der Taiga). 1971 wurde bei einem Treffen aller orthodoxen geistlichen die Kirche wiedervereinigt. Wie andere Religionen, wurde auch das Christentum während der kommunistischen Zeit unterdrückt. Viele Kirchen wurden zerstört oder zweckentfremdet, beispielsweise als Ställe genutzt.

Schamanismus

Eine wesentliche kulturelle Gemeinsamkeit der Urvölker Sibiriens ist die traditionelle Religion, die vor der russischen Kolonisierung ausschließlich aus Formen des Schamanismus bestand, dem Glauben an eine beseelte Natur, also an die Existenz von geistlichen Wesen in allen natürlichen Objekten und Kräften. Der Mensch kann mit diesen Wesen in Kontakt treten und sie mit ihm. Aufgabe des Schamanen ist es, Verbindung mit ihnen aufzunehmen, indem er seine Seele zu ihnen sendet oder aber ihnen Zutritt in seinen Körper gewährt. Dabei befindet er sich in einem Zustand der Ekstase, der durch rituellen Tanz, Trommelschläge oder berauschende Kräuter hervorgerufen wird (in jüngster Zeit wird dazu nicht selten Alkohol verwendet). Schamanen wurden innerhalb der Gruppe oft wie Heilige verehrt, nicht selten hatten sie einen größeren Einfluss als die Stammesführer (und später die Parteisekretäre). Eine wichtige Rolle spielten sie auch als Medizinmann und als Bewahrer wichtiger Stammestraditionen. In der Kosmologie der Schamanen werden eine Ober-, eine Mittel- und eine Unterwelt unterschieden, die durch den Weltenbaum in Gestalt einer Lärche und den Weltenfluß verbunden sind. Der Baum dient dem Schamanen bei seiner Reise in die Ober- oder Unterwelt. Die Seelen der Stammesmitglieder reisen von der Oberwelt, dem Ort des Ursprungs, entlang des Flusses in die Mittelwelt, das Diesseits (weiter flussabwärts liegt das Reich der Toten). Auch die Wurzel des Naturverständnisses der am Baikalsee lebenden Burjaten liegt im Schamanismus. Mensch und Natur waren für die Burjaten stets eine Einheit. Die Natur ist nicht nur Dach und Haus des Menschen und Grundlage seines Wohlergehens, sondern auch Ausgangspunkt seiner ethischen und moralischen Überzeugungen. Der Baikal war für alle Burjaten ein lebendiges, heiliges Wesen, das mit dem Kosmos in Berührung stand und alles, was man den Baikal antat, das tat man dem gesamten Kosmos an. Niemand hätte gewagt, an heiligen Schamanenplätzen zu jagen- ein Grund, weshalb heute noch viele Tier- und Pflanzenarten erhalten sind. Auch der vorsichtige Umgang mit Wald und Boden war sehr ausgeprägt. So stand "das Aufgraben der Erde und anderer Naturfrevel" unter Todesstrafe laut einer Gesetzessammlung des Dschingis Khan. Selbst in der Schuhform zeigt sich die Naturverehrung: die Stiefelspitzen zeigen nach oben, um die Erde nicht zu verletzen. Obwohl der Schamanismus heute eine Wiederbelebung erfährt, gibt es kaum noch echte Schamanen, aber einige Elemente des Schamanismus, wie Opferriten, sind noch lebendig. Oft werden die zeremoniellen Handlungen aber auch nur zu touristischen Zwecken zur Schau getragen .

Wald

Die romantische Vorstellung vom russischen Wald als einer grenzenlosen Wildnis ist ein Mythos. In Wirklichkeit besteht die Taiga aus Fragmenten von Wildnis unterbrochen durch anthropogen genutze Landflächen. Industrielle Waldnutzung und dem folgende Waldbrände, landwirtschaftliche Landnutzung und Straßen sind die wichtigsten Ursachen für Waldzerteilung und Umwandlung im europäischen Teil Russlands wie auch in südlichen Teilen Sibiriens und des Fernen Ostens. In West-Sibirien, im Norden Ost-Sibiriens und Fernen Ostens sind es vor allem die Rohstoffgewinnung (Erze, Erdöl, Ergas, Kohle) und die massiven vom Menschen verursachten Waldbrände, die zur Waldzerstörung und Fragmentation führen. Etwa 289 Millionen ha (26% der Waldzone) kann man noch als intakte Wälder bezeichnen. Nur etwa 5 % dieser intakten Wälder befinden sich in Schutzgebieten. Ost-Sibirien hat noch die meisten intakten Wälder, gefolgt vom Fernen Osten und West-Sibirien.

Intakte Wälder sind natürlich, unzerteilt durch Infrastruktur und vom Menschen unbeeinflußt. Sie sind groß genug um empfindlichen Population von Großsäugetieren einen Lebensraum zu bieten, frei von Randeinflüssen (Minimumareal von 50 000 ha). Sie bestehen in der Regel aus einem Mosaik von Ökosystemen und haben ein natürliches Feuerregime (Global Forest Watch 2002: Atlas of Russia's Intact Forest Landscapes. Moscow, www.forest .ru).

 

 

 

Intakte Waldflächen innerhalb der Waldzone, Millionen ha Quelle: Global Forest Watch 2002

 

Eine große Gefahr für die Wälder Russlands stellt das Abholzen dar. Die Karte zeigt wohin das Holz exportiert wird. Neben legalen Abholzungen findet auch eine illegale Abholzungen statt. Es sind vor allem kriminelle Machenschaften, ohne Genehmigung um schnell viel Geld zu verdienen. Aber auch arme Menschen auf dem Land benötigen zum Überleben Holz um ihre Grundbedürfnisse zu decken.

 

 

 

 

 

 

 

Im Frühjahr und Sommer kommt es in Sibirien oft zu ausgedehnten Waldbränden. Dadurch werden riesige Waldgebiete vernichtet.

 

Tierwelt

Die Zahl der Organismen, die im See selbst lebt, wird mit 2635 angegeben (Baikal in Numbers 2001). Die Artenzahl schwankt je nach Quelle, da nicht immer gleich zwischen Art und Unterart unterschieden wird. Nach russischer Schule wird nach morphologischen Unterschieden in Arten eingeteilt. Über 50 % der Tierarten sind endemisch, d.h. ihre Vorkommen beschränkt sich allein auf die Baikalregion.

Wirbellose Tiere (Invertebrata)

Die artenreichste Tiergruppe unter den Wirbellosen sind die Amphipoda, eine Ordnung der höheren Krebse. Mit 250-300 wird die Zahl ihrer Arten beziffert. 20% aller weltweit bekannten Bachflohkrebse (Gammaridae), eine Gattung der Amphipoda, ist hier im Baikal zu finden. Unter den Bachflohkrebsen gibt es Destruenten und räuberische Arten. Sie spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem als Detritusfresser und als Nahrung für die Fische Golumjanka, Omul, Groppen und für die Baikalrobbe. Die meisten Amphipoden leben in der Spritzwasserzone am Seegrund oder auf Schwämmen. Diese Arten haben gut entwickelte Augen und sind rötlich gefärbt. Es gibt aber Amphipodenarten im Pelagial (Freiwasserbereich). Diese Arten sind farblos, haben reduzierte Augen und bilden Schwärme. Eine weitere wichtige Art der Krebstiere ist der Ruderfußkrebs (Ordnung Copepoda) Epischura baicalensis. Diese Krebse haben, je nach Becken, einen Anteil von 78 - 97,6% an der Zoobiomasse und sind ein wichtiger Teil des Nahrungsnetzes im Baikal. Die Epischura selbst ernähren sich über Filtrieren des Wassers und nehmen damit Plakton und Detritus auf. Mit ihrer beträchtlichen Filtrierleistung sorgen sie so für die Klarheit des Wassers und einen oligotrophen, nährstoffarmen, Zustand. Zur Verdeutlichung ihres Filtriervermögens: die Gesamtheit der Epischura ist in der Lage, die obersten 50m des Baikals innerhalb eines Jahres dreimal durchzufiltern bzw. sie filtern jährlich die 10-15-fache Menge dessen, was von allen Zuflüssen in den See fließt. Diese Kleinkrebse können nur in sehr sauberem, sauerstoffreichem Wasser leben. Eine Verschmutzung des Baikals hätte enorme Folgen für den See. Die Zahl dieser leistungsstarken Filtrierer würde dadurch zurückgehen und die Trophie des Sees würde steigen. Dadurch würde das Wasser trüber und durch die verminderte Lichtdurchlässigkeit ginge die Sauerstoffproduktion durch Phytoplankton zurück. Die organische Substanz, die nicht mehr durch die Kleinkrebse filtriert werden könnte, würde unter Sauerstoffverbrauch abgebaut werden, wodurch der gesamte Sauerstoffgehalt abnehmen würde, was wiederum weiter die Lebensbedingungen für diese wichtigen Invertebraten verschlechtert würde.

Apollo Bachflohkrebs aus dem Baikalsee

Fischfauna (Ichthyofauna)

Insgesamt beherbergt der Baikal 53 Fischarten, die zu 13 Familien gehören. 31 Arten sind endemisch (Baikal in Numbers 2001). Der bekannteste unter allen Fischen des Baikals ist der Omul (Coregonus autumnalis migratorius (Georgii)), aus der Familie der Coregonidae (Renken). Zur gleichen Gattung gehört auch sein in Deutschland beheimatete naher Verwandter, das Felchen. Der Omul ist endemisch im Baikalsee und in einigen Gewässern der Umgebung. Der Artstatus des Omuls wird diskutiert, bislang jedoch wird er als Unterart des Coregonus autumnalis, der Kleinen Maräne, betrachtet. Eine weitere Unterteilung des Omuls innerhalb des Baikals kann aufgrund morphologischer Unterschiede zwischen drei bzw. fünf Formen gemacht werden. Drei verschiedene Formen entsprächen den drei Becken des Baikals, was bedeuten würde, das diese drei Populationen in geringem Austausch stehen. Anderer Meinung nach kann der Omulbestand aufgrund des Aussehens und ihrer Laichplätze in fünf Populationen entsprechend den fünf großen Zuflüssen des Baikals eingeteilt werden. Als Herkunft des Omuls wird, wie von anderen Baikalfischen auch, die Polarregion vermutet: über den Jenisej und die Angara soll der Omul während des Eiszeitalters bis zum Baikal gekommen sein. Der Omul hat eine Größe von 25-35 cm und kann bis zu 400 g schwer werden. Er ernährt sich von Plankton und kleineren Tieren und erreicht ein Alter von 18-20 Jahren. Zum Ablaichen schwimmt er zwischen August und Oktober die Zuflüsse des Baikals flussaufwärts, legt seinen Laich auf sandigem bis kiesigem Grund ab und kehrt dann wieder in den See zurück. Bis zum Schlüpfen der Omuls vergehen 6-7 Monate. Der Fang und Verkauf des Omuls ist von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Region; einerseits zum eigenen Konsum und andererseits auch als Exportgut bis ins europäische Russland. Ein weiterer endemischer Fisch ist der Golomjanka, der Ölfisch, der mit zwei Arten im Baikal vertreten ist: der große Ölfisch (Comephorus baikalensis) und der kleine Ölfisch (Comephorus dybowskii) Diese ungewöhnlichen Fische sind durchsichtig und schuppenlos und bestehen zu fast 40% aus Fett. Ihr vitamin-A-reiches Fett wurde früher zum Betreiben von Öllampen und auch zu Heilzwecken gegen Rheuma eingesetzt. Nach Stürmen sollen früher die an Land gespülten Tiere eingesammelt worden sein. Die Golmjanka haben ein sehr niedriges Temperaturoptimum. Sie halten sich bei Temperaturen von 3,5 - 5°C auf und sterben bei einer Umgebungstemperatur von 10°C. Deshalb halten sie sich tagsüber in größerer Tiefe auf, wo das Wasser eine gleichbleibende Temperatur um die 4°C hat. Nachts allerdings wandern sie zur Nahrungsaufnahme von 1000 - 1400 m Tiefe bis auf 40 m unter die Wasseroberfläche. Das Fehlen einer Schwimmblase ermöglicht ihnen diese Wanderung in der Vertikalen. Der Golmjanka bildet die Hauptnahrung der Nerpa, die deswegen auch nachtaktiv ist. In Fischernetzen ist er aber, trotz dem, dass er 67% der Fisch-Biomasse des Baikals ausmacht, nur selten im Fang, weil er einzeln lebt und nicht in Schwärmen. Außergewöhnlich für die Art ist, dass er lebendgebärend ist, wobei er in einem Gebärvorgang 2000-3000 Larven ins Wasser entlässt. Er kann bis zu drei mal gebären, stirbt jedoch meist nach der Geburt. Seine maximale Lebensdauer beträgt sechs Jahre.

Sibirische Schmerle (Barbatula toni)
Gelbflossen Groppe (Cottocomemphorus grewingki)
Äsche (Thymallus spec.) aus dem Irkut

Nerpa (Phoca sibirica)

Der bekannteste Endemit der Fauna des Baikals ist zweifellos die Baikalrobbe (Phoca sibirica), im russischen Nerpa genannt. Sie ist der einzige endemische Säuger im Baikal und der Baikal ist wiederum der einzige Lebensraum, an dem Robben ausschließlich im Süßwasser leben. Die sonst marinen Robben haben außer im Baikal nur noch im salzigen Kaspi-See einen Lebensraum im kontinentalen Raum. Die nächsten Verwandten der Nerpa sind die Ringelrobben (Phoca hispida) des arktischen Nordpolarmeeres. Für diese Behauptung spricht, dass im Fell der Robben des Nordmeeres die gleichen Parasiten zu finden sind, wie im Fell der Baikalrobben. Die große Entfernung zwischen Nordmeer und Baikal wirft die Frage auf, wie sie ihren Weg in den Baikal gefunden haben. Es gibt einige Theorien darüber: als eine Möglichkeit gilt die Wanderung über den Jenissei und die in ihn mündende Angara zur Zeit der Vereisung über das weit nach Süden reichende Eis. Als anderer Wanderungsweg wird die Lena diskutiert, die im Pliozän noch über mehrere Abflüsse mit dem Baikal verbunden war. Die Theorie solcher Wanderungen wird durch Beobachtungen gestützt, nach denen Nerpas durchaus weit in Flüsse vordringen und auch über Landwege die Flüsse wechseln. Die Nerpa wurden schon im gesamten Baikal gesichtet, doch ihre Hauptverbreitung haben sie im Norden des Baikalsees. Ihre Population wird auf 60.- 80.000 Individuen geschätzt. Die Baikalrobben vermögen bis zu 45 - 60 min unter Wasser zu bleiben, im Durchschnitt tauchen sie aber für 20-25 min unter. Auch den Winter verbringen sie im Wasser und kommen zum Atmen an Eislöcher, die sie selbst aufkratzen und offen halten. Sie gehen nachts auf die Jagd, weil ihre Hauptnahrung, die Groppenart Golomjanka, nachts aus großer Tiefe in Oberflächennähe schwimmt. Die Nerpas sind zwischen 120 und 165 cm lang, 30-50 kg schwer und werden im Schnitt 30 Jahre alt, können aber auch bis zu 56 Jahre alt werden. Die Paarung findet im Juli/August statt und im März bringen die Weibchen auf dem Eis in Schneehöhlen ein, selten auch zwei, Junge zur Welt, die anfangs ein grünlich-gelbes Fell haben, welches nach zwei Wochen schneeweiß wird. Bejagt werden die Nerpas wegen ihres Felles, dabei werden vor allem die Jungtiere bevorzugt. Daneben wird auch ihr Fett genutzt als mechanisches Fett. Das Fleisch der Robben schmeckt fischig, und wird daher vom Menschen kaum gegessen. Die Jagd findet wegen der Scheu der Nerpas aus großer Entfernung statt. Dabei werden viele Robben nur angeschossen und entkommen verletzt. So kann man annehmen, dass mehr Robben bei der Jagd umkommen, als die Jäger als Beute verbuchen. 1987 führte eine Epidemie durch den Hundestaupe-Virus zu einem großen Robbensterben von etwa 10.000 Tieren, ähnlich der Epidemie 1988 an der Nord- und an der Ostsee. Anhand genetischer Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass es sich zwar um die gleiche Virusfamilie, aber um unterschiedliche Arten handelte. Die Robbe ist ständiger Träger dieses Virus, welcher sich ständig verändert und nach Ausbruch solange letal wirkt, bis eine Immunität unter den Robben erreicht wird. Dass sich ein Ausbruch des Erregers zu einer derartigen Epidemie entwickelt, kann aber nur bei vorliegender Immunschwäche passieren. Als Ursache für die geschwächte Abwehr der Robben gegenüber dem Virus wurde die Verschmutzung des Baikals diskutiert. Robben sind in größerem Maß von einer Verschmutzung betroffen, da sie am Ende der Nahrungspyramide stehen und zudem mehr organische Schadstoffe und Schwermetalle in ihrer dicken Speckschicht akkumulieren. Es gibt Impfstoffe gegen den Virus, aber bereits aus praktischen Gründen ist es unmöglich, alle Nerpas zu impfen.

Baikalrobbe (Nerpa) auf ihrem Liegeplatz bei den Uschkani Inseln

In der Baikalseeregion leben Tierarten verschiedener Landschaftstypen (Wälder, Gewässer, Steppe, Moore, Hochgebirge). In anderen Ländern schon längst ausgestorbene Arten sind hier noch häufig verbreitet: Wolf, Braunbär, Luchs. Der Baikalsee selber beherbergt über 50 % endemische Tierarten. Es kommen sogar endemische Familien vor (Schäfer, A: Biographie der Binnengewässer. 1997).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Landschaftsplanung am Baikalsee

Das Geographische Institut der Akademie der Wissenschaften in Irkutsk wurde 1957 gegründet. Es beschäftigt sich mit zwei Hauptthemen: mit dem Bestand und der Entwicklung der Geosysteme und ihrer Komponenten und mit der Regionalentwicklung Sibiriens. Von 1994 bis 1998 wurde ein gemeinsames Projekt zwischen Deutschland und Russland "Ökologisch orientierte Landschaftsplanung in der Baikalsee-Region" durchgeführt. Auf der deutschen Seite waren das Bundesamt für Naturschutz, Universität Hannover und Universität Berlin und auf der russischen Seite die Geographischen Institute der Akademie der Wissenschaften in Moskau und Irkutsk beteiligt. Während der Exkursion besuchten wir das Geographie Institut und uns wurde das Projekt anhang zahlreicher Karten anschaulich vorgestellt. Bearbeitet wurden mehrere Region am Baikalsee. Zum Projekt sind detailierte Veröffentlichungen erschienen. Dazu gehört auch das Kleine Meer und Olchon. Die Veröffentlichung enthält viele Daten, Planungsgrundlagen und Entwicklungsziele. Hier einige Beispiele.

Karte der landschaftsplanerischen Modellregionen in der Baikalsee-Region (Antipov,A.N.; Semenov,Yu.M. 2004: The russian school of landscape planning. In: Geography of Siberia. Irkutsk)

Ökologische Zonierung der Baikalsee-Region (Antipov,A.N.; Semenov,Yu.M. 2004: The russian school of landscape planning. In: Geography of Siberia. Irkutsk)

Entwicklungsziele für Arten und Biotope (Antipov, A.N. 2004: ökologisch orientierte Landnutzung in der Baikalsee-Region -Olchon Bezirk -, Irkutsk russisch)

Baikalbahn

Direkt entlang des Baikalufer zwischen Sljudanka und Port Baikal führt die Strecke der Baikalbahn (Krugobaikalskaja zheleznaja doroga). Dieser ursprünglich zur Transsibirischen Eisenbahn gehörende Bahnabschnitt ist für den Transportverkehr stillgelegt worden und wird heute hauptsächlich touristisch und für den Güterverkehr genutzt. Im Mai 1891 begann der Bau der Transsibirischen Eisenbahn, die heute Moskau und Vladivostok verbindet. An mehreren Teilstrecken wurde zeitgleich gebaut. 1896 wurde der Teilabschnitt von Irkutsk nach Port Baikal entlang des linken Angara-Ufers gebaut und 1898 in Betrieb genommen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Baikals am Ostufer ging die Bahnstrecke von der Station Mysovaja weiter Richtung Osten. Um diese Lücke in der Strecke über den See zu überbrücken wurden bis zur Entscheidung über eine Streckenführung, die um den Baikal herum führen sollte, die Züge auf Fähren verladen. Zwei Fährschiffe kamen dabei zum Einsatz. Die erste der zwei in England produzierten und in Listvjanka zusammengebauten Fähren, die "Baikal", brannte während der Zeit der Revolution aus. Das zweite Fährschiff, die "Angara" ist heute in Irkutsk noch als Museum zu bewundern. 4 Stunden dauerte der Transport der Wagons und der Lok über den Baikal. Im Winter wurden die Züge bei geschlossener Eisdecke erst mit Schlitten gezogen und während des russisch-japanischen Krieges 1904/05, als der Transport zur Versorgung der Front schneller gehen musste, wurden die Schienen über das Eis verlegt und die Waggons wurden, allerdings ohne die zu schwere Lokomotive, einzeln von Pferden gezogen. Dabei brach auch ein Zug durch das Eis und versank in den Tiefen des Baikals. Noch bis 1917 kamen die Fährschiffe gelegentlich zum Einsatz, wenn die Strecke um die Südspitze des Baikals aufgrund einer Entgleisung vorrübergehend unbenutzbar war. 1901 wurde nach langen Planungen entschieden, die Bahn direkt entlang der Steilküste zu bauen. Obwohl damit große technische Schwierigkeiten verbunden waren, schien das damals die einzige Lösung des problematischen Streckenabschnittes zu sein. Die Alternative, den Zug über das Olcha-Plateau im Vorland des Primorski-Gebirge südwestlich von Irkutsk zu führen, war aufgrund der starken Steigung und den damals noch schwachen Lokomotiven nicht durchführbar. 1902 wurde von Sljudanka aus mit dem Bau der 84 km langen Strecke bis Port Baikal begonnen. Der Bau am felsigen Ufer aus Granit, Gneis Gabbro stellte eine große Herausforderung dar, derer sich Ingenieure aus Russland, Polen und England und zwischen 2700 und 15000 Arbeiter, stellten. Unter schwersten Arbeitsbedingungen wurden Sprengarbeiten durchgeführt und 352 Brücken, über 40 in den Fels gehauene Tunnels, 77 Stützmauern und 18 Galerien (entlang von Felsen führende Tunnels) gebaut. Dieser Streckenabschnitt wurde die "Goldene Schnalle" der Transsibirischen Eisenbahn genannt, nicht nur, weil sie eine Meisterleistung der Ingenieurskunst zu dieser Zeit darstellte sondern auch, weil es der teuerste Streckenabschnitt der Transsibirischen Eisenbahn war. 1905 wurde die Strecke zunächst einspurig in Betrieb genommen, bis zwischen 1911 und 1914 auch eine zweite Spur gelegt wurde. Während des Baus und auch nach Inbetriebnahme des Verkehrs kam es derart häufig zu Unfällen durch Steinschlag und Rutschungen, dass bereits in den 1920iger Jahren diese Bahnstrecke nur noch als Übergangslösung bis zur heutigen Strecke betrachtet wurde.

Die Fahrt mit der historischen Baikalbahn

Die heutige Verbindung zum Baikal führt jetzt von Irkutsk über Boljshoj Lug auf dem Olcha-Plateau nach Kultuk. Mit der Aufstauung der Angara und dem Bau des Wasserkraftwerkes konnte die Strecke zwischen Irkutsk und Port Baikal nicht mehr befahren werden und die Schienen wurden abgebaut. Damit war auch der Bahnabschnitt von Port Baikal bis Kultuk überflüssig geworden und der Betrieb wurde 1956 eingestellt. Nach einer Überflutung 1962 sind Teile der Schienen zerstört worden. Der jetzt "historische Strecke" genannte Abschnitt zwischen Kilometer 72 und 141 km (Die Zählung beginnt entlang der alten Strecke ab Irkutsk) wurde nach Neuverlegungen und Versetzungen der Gleise weiter landeinwärts im Jahr 1982 als touristische Attraktion wieder in Betrieb genommen und versorgt die wenigen Siedlungen an diesem Uferabschnitt. Die Passagiere können während der Fahrt den Blick auf den Baikal genießen, an vielen Stationen aussteigen und die Umgebung erkunden, wobei sogar Zeit für einen Strandbesuch bleibt. Mit etwas Charme und Geld, lässt einen der Lokführer auch für eine Weile auf der Lok mitfahren. Angekommen in Port Baikal muss man die Fähre über die Angara nehmen um wieder Richtung Irkutsk fahren zu können.

Neutrinoforschung

Seit 1993 läuft im Baikal ein Forschungsprojekt zur Detektion von hochenergetischen Elementarteilchen 3,6 km vom Ufer entfernt in 1,1 km Tiefe unter Wasser. Mittels senkrecht in Reihen aufgehängten Tcherenkoff-Detektoren sollen Neutrinos nachgewiesen werden. Neutrinos sind die einzigen Signale aus weiter Entfernung aus dem All und bieten die Möglichkeit, Super-Novas nachzuweisen. Zur Erforschung hochenergetischer Teilchen im All sind Neutrinos deshalb geeignet, weil sie sehr schwache Wechselwirkungen zeigen, und Materie durchfliegen. Mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit stoßen sie auf andere, meist geladene, Teilchen. Die angestoßenen Sekundär-Teilchen, in der Regel ein Myon oder ein Proton bewegen sich in gleicher Richtung weiter. Dadurch behalten sie die Ursprungsrichtung des Neutrinos bei und weisen dadurch auf dessen Emissionsursprung hin. Innerhalb von Materie bewegt sich dieses Sekundärteilchen mit Überlichtgeschwindigkeit und bildet vergleichbar einem Flugzeug mit Überschallgeschwindigkeit einen Machkegel. Über die Öffnung dieses Kegels lässt sich auf die Geschwindigkeit des Teilchens schließen. Die Detektion der Sekundärteilchen erfolgt deshalb unter Wasser, weil nur Myonenströme, die von unten nach oben gerichtet sind, nachgewiesen werden sollen und unter Wasser der Strom von Myonen, die von oben kommen, gebremst werden. Der Baikal bietet die besonderen Bedingungen, dass es ein großer Süßwasserkörper ist, womit die Korrosion in Salzwasser vermieden wird und, anders als im Meer, gibt es im Baikal kaum Strömung, die eine Rekonstruktion des Weges der Sekundär-Teilchen erschwert. Außerdem haben Aufzeichnungen im Meer einen höheren Untergrund, weil die Biolumineszenz der Tiere von den Detektoren erfasst wird. 1980 wurde mit dem Bau des Baikal Neutrino Teleskop begonnen. 1987 wurden die ersten Test durchgeführt und seit 1993 werden Daten aufgezeichnet. Quelle: http://baikalweb.jinr.ru http://www-zeuthen.desy.de http://www.k-meyl.de/

Pribaikalskij Nationalpark

Der 1986 gegründete Pribaikalskij Nationalpark reicht von Kultuk an der Südwestspitze bis zum Kocherikovsky Kap und schliesst das Olkhoner Plateau, die Osthänge des Primorski-Gebirges und die gesamte Insel Olkhon und die Felsinseln vor dem Maloe More ein. Die Fläche umfasst 418.000 ha. Innerhalb des Parkes gibt es 54 Naturdenkmäler: 22 geologische, 2 botanische, 10 zoologische, 8 aquatische und 12 komplexe Objekte. Zu den zoologischen Denkmälern zählt das Brutgebiet der Silbermöwe auf den Felsinseln am Maloe More in der Nähe der Biologischen Station der Irkutsker Pädagogischen Universität. Der Nationalpark liegt an einer wichtigen Zugstrecke für Vögel und so sind hier rund 300 Vogelarten beobachtet worden. Die Reliefunterschiede im Gebiet des Nationalparks sind sehr groß: von 456 m bis auf 1542m Höhe. Die Kernzone des Pribaikalskij Nationalparks ist auch ohne Erlaubnis zugänglich, denn das Dorf Sarma, das in der streng geschützten Kernzone liegt, existierte bereits schon vor Einrichtung des Parkes. Dagegen ist das Betreten der Kernzone auf Olkhon, ebenfalls im Pribaikalskij Nationalpark, ohne Genehmigung verboten.

Maloe More und Sarma

Die Sarma ist der größte Zufluss zum "Maloe More" - der von der Insel Olkhon eingeschlossenen Bucht im Baikal. Im Unterlauf folgt sie einer Verwerfung, die senkrecht zur Nordost - Südwest-Lage des Baikals verläuft und schneidet sich damit durch das Primorski-Gebirge, welches parallel zur Baikalküste verläuft. So fließt die Sarma durch eine Schlucht, bevor sie an ihrem weiten Delta in den Baikal mündet. Da das Delta für den vergleichsweise kleinen Fluss so weit ist, nimmt man an, dass früher mehr Zuflüsse in diesem Delta in den Baikal flossen. Aus derselben Richtung weht auch der gleichnamige Wind, der Geschwindigkeiten bis zu 40 km/h erreichen kann. Durch den starken Wind ist das Delta im Winter schneefrei und wird als Winterweide genutzt. Durch die fehlende Schneebedeckung fehlt auch eine Isolation, sodass der Boden so weit zufriert, dass bei der Schneeschmelze in den Bergen des Primorkskij Gebirges nicht eindringen kann und zu Überschwemmungen des Deltas führt, die bei Frost zu ausgedehnten Eisflächen werden. Dem Felsen am Eingang zur Schlucht sagt man nach, Ähnlichkeit mit einer alten Burjatin zu haben. Nach burjatischem Glauben war es früher Frauen im fruchtbaren Alter verboten, die Schlucht zu betreten. Als Strafe für eine Nichtbefolgung wehte der eben genannte Wind. Der Eintritt in die Schlucht wurde mit einer großen, steinernen Opferstelle und einer Mauer markiert. Einer Legende nach soll früher die Sarma der einzige Zufluss zum Baikal gewesen sein und soll auch der Weg gewesen sein, über den die Baikalrobbe vom Meer in den See gekommen ist. Eine weitere Legende besagt, dass im Bett der Sarma früher die Lena, die heute keine Verbindung zum Baikal hat, hier aus dem Baikal floss. Am Granatfelsen am Ufer der Sarma in der Schlucht des Flusses steht an der Oberfläche Granat-Glimmerschiefer an. Dabei handelt es sich um ein metamorphes Gestein. Metamorphe Gesteine entstehen aus Sedimentgesteinen oder magmatischen Gesteinen unter Einfluss von erhöhtem Druck und Temperatur. Bei einer bestimmten Kombination der Intensität von Druck und Temperatur und eventuell noch einer gerichteten Bewegung bilden sich neue Minerale, anhand derer die Entstehungsbedingungen des Gesteins hergeleitet werden können. Die Erhöhung der Temperatur kann durch die Nähe des Ausgangsgesteins zu einem Pluton erfolgen, wobei der Druck hier kaum eine Rolle spielt. Eine Zunahme der Temperatur und des Drucks kommt bei einer Versenkung des Ausgangsgesteines in die Erdkruste vor, etwa bei einer Gebirgsbildung. Beim Abtauchen einer ozeanischen Kruste unter eine kontinentale spielt dagegen die Druckzunahme eine größere Rolle als die Temperaturerhöhung. Der Granat-Glimmerschiefer entsteht unter einer von Temperatur- und Druckerhöhung gleichermaßen betroffenen Metamorphose unter mittlerer Temperatur (550-650°C) und einem Druck zwischen 6 und 8 bar (entspricht einer Tiefe von 20-25 km) aus einem Tonstein als Ausgangsgestein. Granat bezeichnet eine ganze Gruppe von Silikat-Mineralen, deren chemische Zusammensetzung sich durch XII3YIII2(SiO4)3 bezeichnen lässt. XII steht dabei für eines der zweiwertigen Metall-Kationen Kalzium, Magnesium, Eisen(II) oder Mangan, YIII für eines der dreiwertigen Metall-Kationen wie Aluminium, Eisen(III), Titan, Vanadium oder Chrom. Strukturell sind Granate Inselsilikate. Sie kristallisieren im kubischen Kristallsystem, ihre Härte liegt je nach Zusammensetzung bei 6 bis 7,5. Die Farbe ist sehr variabel, häufig aber rotbraun, gelbgrün oder schwarz, nie jedoch blau, während die Strichfarbe weiß ist. Folgende Minerale und ihre Varietäten (mit nachstehend chemischer Formel) zählen zur Granatgruppe: · Almandin - Fe3Al2Si3O12 · Andradit - Ca3Fe2Si3O12 · Demantoid · Melanit · Grossular - Ca3Al2Si3O12 · Hessonit · Tsavorit · Pyrop - Mg3Al2Si3O12 · Spessartin - Mn3Al2Si3O12 · Uwarovit - Ca3Cr2Si3O12 Granate kommen in massiver Form oder körnig, häufig aber auch als makroskopische Kristalle vor, die bis zu 700 kg schwer werden können. Die genaue chemische Zusammensetzung steht immer mit jener des umgebenden Gesteins im Zusammenhang: So kommt z. B. der magnesiumreiche Pyrop häufig in Peridotiten und Serpentiniten vor, während grüner Uvarovit vor allem in chromhaltigem Serpentinitgestein auftritt. Die meisten natürlich gefundenen Schmuckstein-Granate stammen heute aus den USA und aus Südafrika. Neben seinem Wert als Schmuckstein wird insbesondere künstlich hergestellter Granat wegen seiner Härte auch als Schleifmittel und in feinmechanischen Instrumenten eingesetzt. Yttrium-Aluminiumgranat (YAG) mit etwa einem Prozent Neodym3+-Ionen dient als Laserkristall (Nd:YAG-Laser). Yttrium-Eisen-Granat (YIG) und Verwandte werden als Mikrowellenferrit in der Hochfrequenztechnik eingesetzt. Schon in der Antike wurden Granate als Schmucksteine genutzt; im Mittelalter waren sie unter dem Namen Karfunkel bekannt - die meisten stammten damals aus Indien. Besonders populär waren sie aber im 19. Jahrhundert, als böhmische Pyrope so begehrt waren, dass sie bis nach Amerika verschifft wurden (http://de.wikipedia.org/wiki/Granat). Fotogalerie

Sarma-Fluß in der Sarma-Schlucht
Granateinschlüsse in Glimmer

Biologische Station der Pädagogischen Universität Irkutsk in Sarma

Am Sarma-Delta liegt die biologische Station, die 1976 von der Pädagogischen Universität Irkutsk gegründet wurde. Seit 1980 werden hier ornithologische Studien vor allem zum Vogelzug betrieben. Im Besonderen wird der Zug von Larus argentatus untersucht, der Silbermöwe, die auf den Felsinseln gegenüber dem Sarma-Delta sommers in einer Kolonie brüten und zum überwintern nach Südostasien fliegen. Neben den Ornithologen nutzen auch Botaniker diese Station als Forschungsquartier und des weiteren finden Untersuchungen zum Omul und seiner Nahrungsgrundlage statt. Weiteres Untersuchungsgebiet der Pädagogischen Universität sind die Seen der Tazheranskaja Steppe, in welchen neue Wirbellosenarten beschrieben worden sind. Forschungsschwerpunkt der Station am Sarma-Delta bildet die Beobachtung der Silbermöwe. Ihre Zugroute soll durch Beringung und Auswertung der von anderen Stationen über die zentrale Stelle in Moskau zurückgesendeten Ringe dokumentiert werden. Interessant an der Silbermöwe sind die vielen Populationen, die untereinander kaum im Austausch stehen, obwohl sie größtenteils nicht räumlich voneinander getrennt sind. Deshalb wird die Art in Unterarten eingeteilt, die zusammenfassend als "Larus-argentatus-Komplex" bezeichnet wird. Es gibt auch Auffassungen, diesen Komplex wegen ihrer teilweise geographischen Isolation voneinander in drei Arten aufzuteilen. Anfang Juli werden die Küken und auch die adulten Möwen beringt. Enten werden auch mit Halsbändern markiert, was die Beobachtung mit dem Fernglas ermöglicht und nur so eine Aussage darüber erlaubt, mit welcher Häufigkeit derselbe Nistplatz aufgesucht wird. Auf dem Gelände der Station befand sich eine Fischvermehrungsanlage, die 1962 gebaut wurde. Die Gründe, weshalb die Fischaufzucht in den Anlagen stattfand, war zum einen der Rückgang des Omuls in den 1950iger Jahren nachdem es wegen Umstieg auf Fischerei mit Motorbooten zur Überfischung kam und zum anderen war es wegen der Aufstauung der Angara beim Bau des Irkutsker Kraftwerkes zu einem Anstieg des Wasserspiegels des Baikals gekommen, wodurch der Uferbereich zerstört wurde, an dem Futterfische für die Raubfische ihr Habitat haben. Die Nahrungsgrundlage für diese Raubfische nahm ab und in Folge dessen auch die Raubfischpopulation. Durch die Aufzucht der Fischeier wollte man diesen Rückgang kompensieren.

Olkhon

Die Insel Olkhon liegt im mittleren der drei Becken des Baikals, wo der See am breitesten ist. Der Name "Olkhon" stammt aus dem burjatischen und wird übersetzt mit "Kleiner Wald". Sie ist mit 72 km Länge und bis zu 15 km Breite die größte der insgesamt 22 Inseln des Baikals. Ihre Fläche beträgt 730 km2, was der Größe der Insel Madeira entspricht. Mit ihrer Längsseite schließt sie zusammen mit der Westküste des Baikals die Bucht "Maloe More" ab - das kleine Meer. Hier ist das Wasser nur zwischen 50 und 100 m tief und kann deshalb im Sommer Temperaturen bis zu 23°C erreichen. Aufgrund der hohen organischen Produktion zählt das Maloe More zu den Hauptfischfanggebieten. Die Insel ist in den Sommermonaten mit der Fähre zu erreichen und im Winter bei fester Eisdecke kann die Entfernung zum Festland mit Fahrzeugen überbrückt werden. In den Monaten der Eisbildung und Eisschmelze ist die Insel allerdings abgesehen vom Verkehr mit Hubschraubern und Flugzeugen vom Festland abgeschnitten.

Entstehung, Relief und Geologie

Die Insel Olkhon hat sich als Folge der tektonischer Aktivität im Baikal gebildet. Olkhon ist der nördliche Teil der sog. Tazheransker Scholle und ist vom Festland durch die Nord-Ost gerichtete Primorskij-Verwerfung getrennt. Insgesamt ist die Insel nach Nordwest geneigt und ein Teil des Olkhon-Blockes ist unter Wasser. Das ist der Grund, weswegen das Maloe More eine geringe Tief hat.

Die Inselfläche steigt nach Osten hin an und endet mit einer Steilküste auf der Ostseite, die entlang einer weiteren Verwerfungslinie, der Morskij -Verwerfung, verläuft und im 45° Winkel in den Baikal abtaucht. Hier ist der höchste Punkt der Insel, der Berg Zhima mit 1276 m und wenige Kilometer vom Ufer entfernt befindet sich mit 1642 m der tiefste Punkt des Sees. Das Relief der Insel wird durch parallel verlaufende Wälle aus kambrischen Gneisen und Graniten geprägt. Zwischen den Graniten und Gneisen ist Kalkstein gelagert, der wegen seiner relativ geringeren Härte herausgewittert ist und jetzt Vertiefungen zwischen den Rücken bildet. Diese Rücken sind deutlich bei der Überfahrt mit der Fähre nach Olkhon zu erkennen. Aus dem Kalkstein-Dolomit sind die heiligen Stellen des Olkhons, der Burchan-Felsen und der Fels am Kap Khoboi gebildet.

Klima

Die vorherrschende Windrichtung in der Baikalregion ist Nordwest. Der Baikal und die umliegenden Gebirge sind senkrecht zu dieser Windrichtung nach Nordost ausgerichtet. Das führt zu einer starken Ungleichverteilung der Niederschläge im Luv- und Leebereich von Gebirgen. Am Luv der Gebirge ist der Niederschlag hoch für die kontinentale Region, bis zu 1200 mm und im Bereich des Baikalbeckens, welches in Lee des Baikalgebirge liegt, sehr niedrig. Die Luftfeuchtigkeit regnet sich beim Aufstieg der Luftmassen über dem Primorskij - Gebirge am Westrand des Baikals bereits ab, weshalb es auf Olkhon extrem niederschlagsarm ist: die Jahremittel liegen auf der Insel um die 200 mm. (zum Vergleich Süddeutschland: hier liegt der Niederschlag bei 800mm). Die Maxima entfallen auf die Sommermonate, in den Monaten Oktober bis März fällt zusammengenommen weniger Niederschlag als im August. Die geringe Luftfeuchtigkeit bedeutet auch geringer Bewölkungsgrad, weshalb auf Olkhon mehr Sonnenstunden im Jahr gezählt werden als am Schwarzen Meer, welches als Mekka der sonnendurstigen russischen Urlauber gilt. Einer der häufigen Winde auf Olkhon ist nach dem Fluss am gegenüberliegenden Westufer benannt: Sarma. Er kommt als Fallwind vom Baikalgebirge und weht durch das Sarma-Tal über den Baikal mit einer Windstärke bis zu 40m/s.

Böden

Die Verbreitung und Genese der Böden auf Olchon und Umgebung ist vom Relief, der Vegetation, den Gesteinen und Klimabedingungen abhängig. Unter Wald haben sich Rasen-Podsole (FAO: Podzoluvisols) gebildet, in der Waldsteppe sind es graue Waldböden (FAO: Greyzems) und in der Steppe verschiedene Kastanienböden (FAO: Kastanozems). In feuchten Senken haben sich Moor- und Wiesenböden (FAO: Gleysols, Mollic) entwickelt. Unter trockenen Klimabedingungen steigt das oberflächennahe Wasser an die Bodenoberfläche und verdunstet und es bilden sich lokal Salzböden (FAO: Solonchaks).

Böden am Westufer des Baikalsees (Bodenkarte der Irkutsker Oblast, 1988. Maßstab 1:500 000, vergrößert)

Vegetation

Die Trockenheit und die starken Winde sind wichtigere Faktoren für die Erhaltung der Steppenvegetation, die prägend für das Landschaftsbild Olkhons ist. Neben Steppen gibt es an Vegetationstypen noch verschiedene Wälder, Wiesen und lokal Moore. Wald kommt in höheren Lagen und an der Nordost-Seite Olkhons vor. Auf der Westseite wachsen Kiefern, die aber durch den Windeinfluß besonderen Wuchs zeigen. Die Hauptnadelbaumarten des Waldes sind Pinus sylvestris und Larix sibirica. Die Laubbaumarten sind Betula pendula, Betula pubescens, Hybride beider, Populus tremula, verschiedene Salix-Arten. Es dominiert die helle Taiga, nur auf einer kleinen, ca 340ha großen Fläche im NO der Insel findet sich dunkle Taiga auf periodisch tauendem Dauerfrostboden. Hier kommt noch Pinus obovata als Baumart dazu. Oberhalb der Steppen und unterhalb der Bergtaiga, an der Bergfußzone, findet sich Subtaiga-Vegetation. In trockeneren Lagen dominieren Kiefernwälder an kühleren Standorten dominiert dagegen die Lärche. An Kieferwäldern gibt es auf Olkhon drei Typen: den Rhododendron daurica -Kiefernwald, den unterwuchsfreien Kiefernwald und den Vaccinium vitis-idea - Kiefernwald. Oberhalb von 800m trifft man auf geschlossene Bergtaiga mit Kiefern, Lärchen, Birken und Pappel.

40% der Fläche auf Olkhon wird von Steppe eingenommen. Sie ist, wie auch die Steppe auf dem Festland westlich der Insel, ein Relikt aus dem Tertiär. Diese Steppe nimmt nur noch einen Teil ihrer früheren Verbreitung über die Angara- und Lenaregion ein und war früher mit den mongolischen und transbaikalischen Steppen verbunden die dort aufgrund des Einflusses der trockenen asiatischen Luftmassen zonale Verbreitung haben. Als Relikt wird die Steppe in Pribaikal deswegen bezeichnet, weil sie sich unter den damaligen Umweltbedingungen gebildet hat und sich unter heutigen Bedingungen nicht mehr bilden würde, da die Julimitteltemperatur, die als Anzeiger für Klima bei dem sich Steppen bilden können, gesunken ist. Während der Eiszeiten wurden die Steppen des Pribaikals von den mongolischen und transbaikalischen Steppen getrennt. Es werden je nach Untergrund folgende Steppentypen unterschieden: Petrophytensteppe auf felsigem Untergrund, Lithophytensteppe auf sehr skelettreichem Untergrund und schließlich Psammophytensteppe auf Sand. Aufgrund des Artenbestandes lassen sich unterscheiden: echte Steppe, Wiesensteppe, Steinsteppe und Wüstensteppe. Die echten Steppen sind sehr artenreich. Hier finden sich Arten der Gattung Artemisia, Stipa, Koeleria und Festuca. Auf Wiesensteppen wachsen mit zunehmender Feuchte mesophile Arten. Am Uferbereich finden sich Steinsteppen, die durch Beweidung und Tritt gestört werden können. Potentilla acaulis und Thymus baikalensis zeigen Störungen an und sie verdrängen die typischen Artemisia-Arten. Im Südwesten der Insel kommen auch Steppen auf Salzstandorten vor, was durch Achnateron splendens angezeigt wird.

Khuschir

Die größte Ansiedlung ist der 1939 gegründete Ort Khuzhir (burj.: Salzerde). Hier wohnt der Größtteil der olkhoner Bevölkerung: 1999 lebten von den 1500 Bewohnern Olkhons 1200 in Khuzhir. Es ist das infrastrukturelle Zentrum der Insel mit einer Poliklinik, Läden, Polizei und einer Bibliothek. Sehenswert ist das Heimatmuseum in der Schule, das vom Geographie-Lehrer Revyakin begründet wurde und jetzt von seinen Töchtern weitergeführt wird. Er sammelte zusammen mit seinen Schülern jahrelang Ausstellungsgegenstände zur Geschichte Olkhons. Unter anderem hat er eine alte burjatische Siedlung mit Steinwerkzeugen gefunden.

Wanderdüne

20 km nordöstlich von Khuzhir liegt die Ortschaft Pestchanja am Fuß der 6 km langen Wanderdüne. Hier bestand in den 1950iger Jahren ein Straflager, deren Sträflinge in der großen Fischfabrik des Ortes arbeiten mussten. Zwischen 1950 und 1970 wurde der Ort nach und nach von der Wanderdüne zugeweht und die Siedlung musste bis auf ein paar Häuser aufgegeben werden. Die Reste der Fischfabrik sind heute noch zu sehen. Die Düne beherbergt eine besondere Flora u.a. die endemische Art Oxytropis olchonesis.

Kap Khoboi

Am nördlichsten Rand der Insel befindet sich die heilige Stätte Kap Khoboi (burj. "Reißzahn"). Abgetrennt von der Insel ragt ein Felsen aus dem Wasser, der dem Kap den Namen gegeben hat. Vom Wasser aus gesehen, soll es allerdings einer Frau ähneln. Seit 1981 ist dieser Felsen ein Naturdenkmal. Am Kap steht ein Holzpfahl als Kultstätte, die allgemein Obo genannt werden, an der zu einem Wunsch oder Gebet Bänder befestigt werden oder kleine Opfer abgelegt werden. Daneben stehen viele kleine Steinpyramiden, wobei für jede Sünde ein Stein auf den anderen gelegt worden sind. Eine Besonderheit des Kap Khoboi ist die Möglichkeit Nerpas zu entdecken. Gelegentlich halten sie sich am Kap auf und mit etwas Geduld und gutem Fernglas kann man sie auftauchen sehen.

Schamanenfelsen

Nördlich von Khuzhir liegt am Kap Burchan (burj. Gott ) der Schamanenfelsen aus Kalkstein. Er ist eine Kultstätte für die Burjaten, denn er gilt als Ruhestätte des höchsten Burchanen. Früher wurden den Pferden die Hufe umwickelt, um den Gott nicht zu stören und auch heute soll man sich an diesem Ort gut verhalten und an nichts Böses denken. Der Zugang war nur Schamanen vorbehalten. Im Felsen sind drei Höhlen, davon sind zwei verbunden, was den Schamanen die Möglichkeit für mystisches Verschwinden und Wiedererscheinen an anderem Ort gab. Der Schamanenfelsen ist schon seit der Bronzezeit eine Opferstelle, wie die Felszeichnungen in den Wänden der Höhle bezeugen. Meist wurde ein Pferd, ein Schaf oder eine Ziege geopfert. Sollte das Opfer für die Frau des obersten Burchanen sein, dann wurde ein Hase oder ein Schaf geopfert. Dem Sohn des Burchanen wurden Vögel geopfert. Neben lebendigen Tieren wurden auch Tierfiguren aus Holz als Opfer gebracht. Einer Legende nach soll die Frau des obersten Burchanen auf diesem Felsen Fischern bei dichtem Nebel den Weg geleuchtet haben.

Salzsee Zhara-Nur

Auf Olkhon gibt es einige ephemere Seen, aber nur einen See, der nicht während des Jahresganges austrocknet - der Salzse Zharanur ("Zhara" burj.: Schwarz) Auch die anderen fünf Seen sind salzig und wie auch der Zharanur-See liegen sie alle über dem Baikalwasserspiegel und stehen in keiner Verbindung zum Grundwasser, welches in 30-40 m Tiefe ansteht. Das Bodenprofil des Zharanur-Sees zeigt, dass er auch Phasen der Austrocknung hatte. Über die Entstehung und Entwicklung gibt es zwei Theorien. Die eine erklärt den See als tektonische Entstehung. Das Wasser soll demnach über Klüfte zwischen verstellten wasserdurchlässigen und wasserundurchlässigen Schichten aufsteigen. Der anderen Annahme nach sammelt sich Niederschlag und Zuzugswasser aus höheren Bereichen in den Senken und wird durch wasserundurchlässige Schichten gestaut. Das Wasser des Salzsees hat einen ph-Wert von 8,2-9,0 und ist reich an Natriumhydrocarbonaten und Sulfathydrocarbonaten, wodurch sich das Wasser seifig anfühlt. Der Schwefelgehalt hinterlässt nach Austrocknung des Sees seinen charakteristischen Geruch. Der Boden am Zharanur-See ist reich an leicht löslichen Salzen, die sich im Verlauf des Jahres vertikal verlagern. Im Herbst und Frühjahr liegt die oberste Grenze des Salzspiegels aufgrund des höheren Niederschlags tiefer als im trockenen Sommer, in dem die Bodenwässer mit den Salzen durch die Verdunstung aufsteigen. Die Salzeinfuhr wird über mineralische Quellen und über den Salzgehalt des anstehenden Gesteins aus Karbonaten und Kali-Natriumfeldspäten erklärt, aus denen sich bei Verwitterung Ka+ und Na+ bilden.

 

Moor-Wiesen Solonchak vom Schara-Nur See auf Olchon (Lopatovskaja, O. G., Mehring, M. Kondratjeva G.V. 2005: Bodenversalzung in der Tascheran Steppe. In: Ökologie und Biologie der Böden. Materialien der internationalen wissenschaftlichen Konferenz in Rostov-na-Donu 2005)

Tazheran-Steppe

Die Tazheran - Steppe liegt südwestlich von Olkhon am Westufer des Baikals und erstreckt sich von der Stadt Elanzy am Fluss Anga bis zur Siedlung Sachjurta an Olkhonskije Vorota (Olchon Tor), dort wo die Insel von der Küste getrennt ist. Sie ist wie auch die Steppe auf der Insel Olkhon eine Reliktsteppe und steht unter gleichem klimatischen Einfluss wie Olkhon (sh.dort). Die Strasse von Irkutsk nach Olkhon führt durch diese Steppe zwischen zwei von einigen Salzseen. Diese Seen sind abflußlos und entstehen über drei verschiedene Prozesse: ausschließliche Speisung durch Niederschlag, über Speisung durch tektonische Quellen und über hängende Aquifere (Wasserleiter). Die Erforschung der Fauna der Seen und der Böden der Steppe bilden einen Forschungsschwerpunkt der Pädagogischen Universität Irkutsk. Bei der Untersuchung der Fauna ist eine neue Invertebraten - Art beschrieben worden. Am Seeufer haben sich typische Salzböden (Solonchake) gebildet. Unter dem 40 cm mächtigen Moor-Wiesen Solonchak vom Giski-Nur See lagern dichte Kiesablarungen. Auf den Salzbodenstandorten haben sich auch typische Salzwiesenpflanzengesellschaften mit Aster tripolium (Strandaster) und Glaux maritima angesiedelt.

Steppensee
Steppe
Salzböden

 

Solonchak-Bodenprofil aus der Tasheran-Steppe

Moor-Wiesen Solonchak Profile 1 und 2, Profil 3 ist Wiesen-Solonchak am Giski-Nur See (Profil 1, 2 und 3 aus: Lopatovskaja, O. G., Mehring, M. Kondratjeva G.V. 2005: Bodenversalzung in der Tascheran Steppe. In: Ökologie und Biologie der Böden. Materialien der internationalen wissenschaftlichen Konferenz in Rostov-na-Donu 2005)

Weitere Besonderheiten der Tazheran - Steppe sind die vier Höhlen aus der Eisenzeit in der Gegend um Sachjurta, die Karsthöhlen am Steilufer zum Baikal und die Felszeichnungen der Schamenen an der Küste in der Nähe des Flusses Anga. Sie sind aber schwer zu finden und nur schwer zugänglich. Unter Geologen ist diese Gegend berühmt für ihre seltenen Mineralien, besonders am Kap Ulan-Nur. Anfang

Autonomer Kreis Ust-Ordynskij

Autonomer Kreis Ust-Ordynskij (Ust-Ordynski Burjatski avtonomny okrug) liegt als Enklave innerhalb der Irkutsker Oblast östlich der Angara. Der Kreis hat die Fläche von 22.100 km2 und 134.574 Einwohner. Hauptstadt ist Ust-Ordynsk. Wie auch in der Republik Burjatien stellen die Burjaten selbst eine Minderheit gegenüber den Russen dar.

Stadt Bajandai
Schwarzerde-Steppe, ehemalige Ackerflächen

Das Sajan-Gebirge

Das Sajan-Gebirge liegt zwischen dem Altai-Gebirge im Westen und dem Pribaikalgebiet im Osten. Süd-östlich des Sajans liegt durch den Tunka-Grabenbruch getrennt, eines der Gebirgszüge der Transbaikal-Region, das Khamar-Daban-Gebirge ("Khamar" burj.: Nase; "Daban" burj.: Gebirge). Das Sajan-Gebirge teilt sich in einen West- und einen Ost-Teil. Beide Teile formen ein umgedrehtes Y und treffen sich an der Stelle des Ursprung des Flusses Jenisei. Geologisch besteht das Sajan-Gebirge vor allem aus Präkambrischem und Paläozoischem Gestein. Der Sajan wurde durch die Kaledonische Faltung und einer Hebung im Ordoviz-Silur geformt. Schließlich erfuhr der inzwischen zum Rumpfgebirge erodierte Sajan in der alpidischen Gebirgsbildungsphase eine weitere Formung und Hebung, die bis heute anhält. Kleinere Gletscher prägten mit ihren glazialen Formen das Oberflächenrelief. Die höchste Erhebung ist mit 3.492m der Munku Sardyk (burj.: ewiger, weißer Golez), der direkt auf der mongolischen Grenze liegt (Ein "Golez" ist ein Berg mit vegetationslosem Gipfel. Dei Bezeichnung kommt vom russischen Wort "goly" für nackt. Die Mehrzahl lautet "Golzi"). Fotogalerie

Der Ost-Sajan

Der östliche Teil des Sajans gehört zur Autonomen Republik Burjatien. Der in Nordost-Richtung verlaufender Gebirgszug hat seine nördliche Begrenzung im Zentralsibirischen Tiefland. Im Südwesten des Ost-Sajans liegt das Becken des mongolischen Sees Khubsugul, das Tuva-Becken und der Selenga-Graben. Im Osten trifft der Nordwest-Südost verlaufende Ost-Sajan senkrecht auf den Tunka-Graben. Der Gebirgszug bildet die Wasserscheide zwischen der Angara und den Flüssen, die den oberen Jenissei speisen.

Nach der kaledonischen Gebirgsbildungsphase folgte eine Zeit hoher vulkanischer Aktivität im Devon, die weite Basaltflächen hinterließ. Während der alpidischen Orogenese wurde vor allem der Ostteil gehoben und die Verformung der alten Rumpffläche ging unter Bruchbildung vor sich. Entlang dieser Brüche kam es zu erneuten Basaltextrusionen. Diese letzten Hebungen fanden besonders im Tunkiskij-Gebirge in großem Maß statt. Diese in West-Ost-Richtung verlaufenden Tunkiskie Golzi liegen im Südosten des Ost-Sajan, begrenzt durch die Täler des Kitoi im Norden und durch Tunka Tal im Süden. Obwohl geologisch aus zwei Teilen bestehend, bildet Ost-Sajan vom Relief her eine Einheit. Allgemein sind die Nordosthänge des Ost-Sajans weniger steil als die Hänge im Südwesten. Im Gegensatz zum eher abgerundeten Gesamtaspekt des Khamar-Daban und anderen Gebirgen des Transbaikals ist das Profil des Ost-Sajan, vor allem im Kitoi- und Tunkinskij-Gebirgszug schroff, spitz und durch glaziale Prozesse alpinen Charakters geprägt. Im Quartär haben mindestens zwei Vergletscherungsphasen stattgefunden und so ist im Relief des Ost-Sajans der gesamte glaziale Formenschatz zu finden. Fast alle Gipfel sind auf gleicher Höhe, da sie sich aus einer alten, gehobenen und durch Erosion und Vereisungen überprägten Rumpffläche gebildet hat, die sich durch die Basaltdecken erhalten hat. In den Tunkinski-Golzi ist allerdings aufgrund der intensiven Hebung und damit einhergehenden intensiven Verwitterung wenig von der Oberfläche der Rumpffläche erhalten. Die Vegetation des Ost-Sajans ist im Gegensatz zur der im Khamar - Daban kontinentaler geprägt und die Steppe der Täler ist von der mongolischen Steppe beeinflusst. Diese Steppenarten ziehen sich bis in Höhen, wo sich Steppeninseln bei lokal begünstigende Faktoren, wie Südexposition und sandige Böden erhalten. 65% des inneren Sajans sind vegetationslos. Nach Malyshof (in Suslov 1961) können in der vertikalen Höhenzonierung im Ost-Sajan fünf Vegetationsgürtel unterschieden werden:

· Waldsteppe, Wiesensteppe: im Bereich zwischen 700 und 1500 m. In Nordexposition auch bis 1200m. Steppenarten, Übergang von Steppe im Tal.

 

· Bergtaiga: von 1600 - 1900 m, an feuchten Stellen und in Nordexposition auch tiefer. Im Osten von ariderem Charakter. Von Pinus sibirica (russ: "Kedr") bestimmt, auch Pinus sylvestris. Auf Dauerfrostboden und vermoorten Flächen auch Larix sibirica. Abies sibirica vereinzelt, meist als Strauchform.

 

· Sub-golzi-Gürtel: Diese Zone bildet den Übergang zwischen Wald und der waldfreien Zone. Abhängig von der Feuchte ein zwischen 40 und 200 m breiter Gürtel. Bäume sind niedrig wüchsig und krumm. Vorkommen von Rhododendron areum, Betula rotundifolia und Ledum palustre. Subalpine Wiesen in kleinen Tälern. Höhe der Sträucher abhängig von der Schneehöhe, das Triebe überhalb der Schneedecke durch Windschliff am Wachstum behindert werden.

 

· Subalpine Gürtel: Vaccinium-Arten, Empetrum nigrum. Artenreiche alpine Wiesen mit Trollius altaica und Trollius asiatica, Aquilegia altaica, Saussurea amara. Gebirgstundra, darüber Steintundra, an Bächen Salix glauca, Salix lanata, Alnus fruticosa (= Duschekia fruticosa). Flechten v.a. der Gattung Cladonia haben große Bedeutung.

 

· Nivale bzw. alpine Gürtel: 2500 m an feuchten Stellen, 2800 an trockenen Stellen. 400-700m Breite. Gerine Entwicklung von Kräutern und Gräsern. Papaver pseudocanens, Saxifraga nivalis, Potentilla elegans.

 

 

· Oberhalb von 3300m: immer schneebedeckt.

 

 

Autonome Republik Burjatien

Burjaten

Das Volk der Burjaten stellt, nach den Russen, den größten Teil der Bevölkerung im südlichen Baikalgebiet. Sie haben drei eigene Verwaltungseinheiten innerhalb der Russischen Föderation. Die Größte davon ist die Autonome Republik Burjatien. Sie erstreckt sich vom Nordufer über das Ostufer des Baikals bis in das Khamar-Daban-Gebirge, das Tunka-Tal und das Ost-Sajan Gebirge. Die südliche Begrenzung der Republik stellt die Grenze zur Mongolei dar, östlich schließt sich der Oblastj Chita an, westlich die Autonome Republik Tuwa und nördlich der Baikal und die Irkutsker Oblast. Die Hauptstadt der Republik ist Ulan-Ude mit 365 500 Einwohnern (Stand 2004). Die Größe der Republik entspricht mit 351 300 km2 in etwa der Deutschlands und sie hat eine Bevölkerungsdichte von 0,5 - 8 Einwohnern / km². Weitere große Städte sind Severobaikalsk im Norden und Babushkin am Ostufer des Baikals. Die anderen zwei kleineren Verwaltungseinheiten sind der Autonome Kreis der Aginer Burjaten, eine Enklave im Oblastj Chita östlich der Republik Burjatien und der Autonome Kreis der Ust-Ordinsker Burjaten, ebensfalls eine Enklave, innerhalb der Irkutsker Oblast.

Geschichte

Vor dem 13 Jhdt. siedelten direkt am Baikal das Volk der Kurykanen und im Gebiet des heutigen Burjatien in der Selenga-Region die verschiedene Stämme der Barguten, Chora, Echiriten, Chongodoren, Bilagaten, Tabunuten u.a. Bei der Ausdehnung dieser Stämme Richtung Norden lebten sie zusammen mit den Kurykanen in loser Gemeinschaft in nomadischer Lebensweise. Im 13.Jhrdt rückte Dschingis Khan vor und die Baikalregion geriet unter mongolische Herrschaft. Aus dieser Zeit stammen die einzigen Quellen zu den Vorfahren der heutigen Burjaten und bis zur Eroberung des Gebietes durch die Russen gibt es keine weiteren schriftlichen Zeugnisse zur Geschichte der Burjaten. Ab Anfang des 17.Jhrdts drängten die Russen in die Baikal-Region vor. Sie erwähnen in ihren Quellen die Bewohner als "Bratskije Ljudi" ("Ljudi" russ.: Leute) Die Gemeinschaft der Stämme selbst nannten sich "Buraad". Im Westen vom Baikal war der Widerstand gegen die Russen groß, da die damaligen Burjaten die benachbarten Waldvölker der Ewenken, Tofalaren und Sojoten tributpflichtig gemacht hatten und nun um ihren Einfluss in dieser Region fürchteten. Die Bewohner des Ostens waren fortwährend unter wechselnder Herrschaft von China und der Mongolei, sodass ihnen die Ansiedlung der Russen eine vorteilhafte Alternative schien. Ab den 1630iger Jahren siedelten die ersten russischen Kosaken, Händler und Bauern im burjatischen Gebiet. 1631 wurde die Festung bei Bratsk gegründet und der Osten des Baikalgebietes wurde vom Nordwesten aus etwas später und, aufgrund der naturräumlich-klimatischen Bedingungen, dünner besiedelt. 1666 wurde die heutige Hauptstadt der burjatischen Republik Ulan-Ude unter dem damaligen Name Verchneudinsk gegründet. Burjatien wurde sowohl von China als auch von Russland beansprucht, fiel 1727 aber nach Vertragsverhandlungen schließlich Russland zu. Die Ansiedelung der Russen veränderte das Leben der Burjaten: sie wurden in ihrer nomadischen Lebensweise behindert und mussten der zaristischen Herrschaft Tribut in Form von Vieh und Fellen entrichten. Nach und nach übernahmen die Burjaten die Lebensweise der Russen: sie gingen zur Sesshaftigkeit über, übten Ackerbau aus und wohnten statt bis dahin in Jurten aus Filz nun in achteckigen Holz-Jurten oder in Blockhäusern. 1897 lebten bereits 48% der Burjaten vom Ackerbau. Allerdings ließ sich bezüglich dieses Wandels der Lebensweise eine Teilung in West- und Ostburjaten feststellen. Die Burjaten im westlichen Teil des Gebietes hatten früher Kontakt zu Russen und es siedelten weit mehr Russen in diesem Gebiet. Deshalb gingen sie hier früher zu einer nichtnomadischem Lebensweise über als die Burjaten im Osten, die wegen der weniger fruchtbaren Böden im Osten nicht im gleichen Maße von der Ansiedlung der Russen betroffen waren. Dort waren in den Jahren 1928/29 nur 9,8% sesshaft. Die Kollektivierung und die Einführung der Kolchosen beendete schließlich diese traditionelle Lebensweise. Zur Zeit des Russischen Bürgerkrieges bestand als Folge von Auseinandersetzungen mit Japan 1920-1922 die "Fernöstliche Republik", deren Grenze zur RSFSR (Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik) durch Burjatien verlief und es so in zwei Republiken teilte. Nach dem Sieg über die Japaner wurde 1923 schließlich die Burjatisch- Mongolische ASSR (Autonome Sozialistische Sowjetrepublik) gegründet, die 1958 in "Burjatische ASSR" umbenannt wurde. Bis in die 30iger Jahre gehörten auch die Gebiete an der Westküste des Baikals, die von Burjaten bewohnt werden, wie der Rajon Olkhon und der heutige Autonome Kreis der Ust-Ordynsker Burjaten zur Burjatischen Republik. Um jedoch den Einfluss von nationalen Strömungen zu schwächen wurde 1937 das Gebiet der Burjaten aufgeteilt in die Republik Burjatien, in den Autonomen Kreis Ust- und den Autonomen Kreis der Aginsker Burjaten. Die Insel Olkhon mit den vielen für Burjaten heiligen Stätten wurde bewusst aus dem Verwaltungsbereich der Burjaten herausgenommen. 1990 proklamierte Burjatien seine Souveränität und seit März 1992 ist Burjatien eine autonome Republik innerhalb der Russischen Föderation Die Burjaten sind in ihrer Republik mit etwa 30% gegenüber etwa 65% Russen in der Minderheit. Der Rest der Bevölkerung zählt zu den Ukrainer, Tataren, Weißrussen und Sojoten (Im Tunka-Tal). Im Ust-Ordinskij Kreis sind 35% und im Aginski Kreis 55 % der Einwohner burjatisch. Außer in Russland leben auch noch in der Mongolei sowie in China Burjaten. 5.2.3 Wirtschaft Burjatien ist reich an Bodenschätzen, wie Braunkohle, Eisenerz, Zink (48% des gesamtrussischen Vorkommens), Blei, Gold, Wolfram, Graphit und Halbedelsteine. Diese Vorkommen führten zum Aufbau der Industrie, die mit dem Bau der Transibirischen Eisenbahn ausgebaut wurde. Wichtige Wirtschaftszweige sind der Maschinenbau und Metallverarbeitung, der Bergbau, die Holzindustrie, die Celluloseproduktion, die Pelzindustrie und die Landwirtschaft.

Burjatische Sprache

Die Burjatische Sprache (burjatisch "Buriad Chele") wird dem Sprachbund der Altai-Sprachen zugeordnet. Mit diesem Begriff werden die Turksprachen, die mandschu-tungusischen Sprachen und die mongolischen Sprachen zusammengefasst. Der gemeinsamer Ursprung dieser Sprachgruppen wird zwar diskutiert, scheint aber wenig wahrscheinlich. Trotzdem ist eine Zusammenfassung zu einem Sprachbund aufgrund ihrer Ähnlichkeit infolge langen Kontaktes gerechtfertigt. Zur Gruppe der mongolischen Sprachen oder genauer der ostmongolischen Sprachen, zählt Burjatisch. In der autonomern Republik Burjatien ist Burjatisch neben Russisch die Amtssprache. Ursprünglich wurde die vertikale Schrift der Mongolen verwendet, doch mit den im 19 Jhrdt entstehenden Schulen wurde die kyrillische Schrift eingeführt. 1931 wurde diese durch lateinische Buchstaben ersetzt, bis schließlich kurz darauf unter Ergänzung durch 3 zusätzlichen Zeichen wieder Kyrillisch zur Widergabe des Burjatischen verwendet wurde.

Glaube

Insgesamt ist der Animismus, Schamanismus, und der tibetischen Buddhismus, der auch als Lamaismus bezeichnet wird, verbreitet und verschiedene Mischformen aus Elementen aller, wobei die Burjaten im Westen des Baikalgebietes weniger vom Lamaismus als mehr vom Schamanismus beeinflusst ist und die Burjaten im Osten mehr dem Lamaismus anhängen. Im Animismus herrschte die Vorstellung, dass in der Natur alles von Göttern bewohnt ist, z.B. Bäume, Berge, Flüsse und die Elemente Feuer, Wasser, Luft usw. Um diese Götter gut zu stimmen, muss ihnen der Mensch Opfer bringen. Mit Schamanismus wird keine Religion im Sinne von einem Glaube an bestimmte Götter bezeichnet, sondern die Ausübung von rituellen Handlungen, besonders im Zusammenhang mit Trancezuständen, bei denen der Schamane die zentrale Rolle spielt. Er gilt als Vermittler zwischen der Welt der Geister und Götter und der des Irdischen. Durch Tanz, Trommeln oder verschiedenen psychedelisch oder zumindest berauschend wirkenden Mitteln, auch Vodka, versetzt sich der Schamane in Trance. Er ist dann, so wird geglaubt, in der Lage Kranke zu heilen, böse Geister abzuhalten, Voraussagungen zu machen, Verwünschungen zu entkräften, das Wetter vorherzusagen und zu bestimmen und bei der Jagd zu helfen. Jeder Schamane hat einen oder mehrere Geister, Ongon genannt, die ihm helfen. Der Schamane hat in der Gemeinschaft nicht nur religiöse Bedeutung, sondern galt besonders früher auch in allen anderen Bereichen als Autorität. Sein Einfluss auf die gläubigen Bewohner war so groß dass Schamanen in den 1930iger Jahren unter Stalin systematisch verfolgt wurden. Ein wichtiges Symbol im burjatischen Schamenenglauben ist der Baum. Der Weltenbaum Toroo steht als Achse zwischen den drei Welten Himmel, Erde und Unterwelt und gilt so als Zentrum der Welt. Besonders große oder ungewöhnliche Bäume stehen stellvertretend für diesen Weltenbaum und von ihnen wird angenommen, dass in ihnen Geister wohnen, wie etwa die Hilfsgeister der Schamanen. An solche Bäume werden Bänder an die Zweige gebunden zur Erfüllung eines bestimmten Wunsches oder in Angedenken eines Toten. Diese Bäume werden "barisaa", Gebetsbaum, genannt oder "Ongonmodon", Wohnstätte der Geister. Ebenfalls mit Bändern behängt werden die "Serge": ein oder mehrere Holzpfähle, die ursprünglich vor Jurten standen um an ihnen die Pferde anzubinden, werden an heiligen Orten aufgestellt und dienen als Opferstelle. Opferstellen werden allgemein als "Obo" bezeichnet und an ihnen werden kleine Opfergabe abgelegt oder sie werden eben mit Bändern umwickelt. Die Russen haben diesen Brauch übernommen und auch sie würdigen an Obos die dortigen Götter. Bei am Wegesrand stehende Obos wird im Vorbeifahren etwas Kleingeld aus dem Fenster geworfenes oder etwas Vodka geopfert. Gelegentlich besteht das magere Opfer nur aus etwas Müll, welches man trotzdem nicht wegnehmen sollte, denn es ist nicht erlaubt, etwas von der Opferstelle zu entfernen. Auch außergewöhnliche Steine und Felsen sind unter Burjaten heilig, denn sie berühren Himmel und Erde. Beispiele dafür sind die heiligen Stätten der Insel Olkhon (sh. dort) und der Schamanenstein in der Angara. Der Buddhismus, der in Burjatien verbreitet ist, gehört zur Schule des tibetischen Buddhismus, der wegen der wichtigen Funktion des Lehrmeisters, des Lama, auch Lamaismus genannt wird. Im 17 Jhdt wanderte diese Glaubensrichtung in die Baikalregion ein, die sich zuvor in der Mongolei verbreitet hatte und dort den Schamanenglauben teils integrierte, teil aber auch gewaltsam unterdrückte. In Burjatien verbreitete sich dieser Glaube sehr schnell und die Zahl der Lamas stieg schnell an, vor allem auch deshalb, weil diese von der Abgabepflicht befreit waren. Auch in Burjatien wurde der Schamanismus erst von den Lamaisten bekämpft, doch die Schamanen konnten sich in die Gebiete westlich des Baikals flüchten, wo der Buddhismus bis heute keine große Verbreitung fand. Religiöses Zentrum des Lamaismus bilden die Datsane, Klöster mit Wohn-, Arbeits- und Gebetsstätte für die Lamas und ihre Schüler. 1916 gab es im burjatischen Gebiet 34 Klöster mit 15.000 Lamas. Unter Stalin wurden in den 1930iger Jahren alle buddhistische Klöster in Burjatien geschlossen und viele auch zerstört. Die Lamas und Mönche wurden verfolgt und in Lagern interniert oder umgebracht. Heute gibt es regionale Mischformen aus Schamanismus und Lamaismus, wie im Tunka-Tal, das zwischen dem lamaistisch geprägten Osten und dem schamanistisch geprägten Westen liegt. Der Lama tritt dabei an die Stelle der Schamanen als Wahrsager und Heiler aus beiden Glaubensrichtungen wurden Elemente übernommen.

Tunka-Tal

Das Tunka-Tal liegt in West-Ost-Erstreckung in der Verlängerung zur Baikal-Riftzone, und ist, ebenso wie das Baikalbecken, eine Senke die durch einen Grabenbruch entstanden ist. Allerdings liegt das Tunka-Tal auf höherem Geländeniveau als das Baikalbecken und ist vom Baikal durch einen kleinen Bergrücken getrennt. Das Tal endet im Westen an der Russisch-Mongolischen Grenze. Das Tal ist in voller Ausdehnung Gebiet des Tunkiskij National Parks (sh. dort) Eingefasst wird das Tal vom Gebirgszug der Tunkiskie Golzi des Ost-Sajans im Norden und vom Khamar-Daban-Gebirge im Süden. Einer Legende nach sind 33 gute Geister vom Himmel auf die Erde gekommen, um böse Geister zu vertreiben und diese 33 Geister blieben auf der Erde und bilden jetzt die Berge in diesem Gebiet. Auf der tiefsten Ebene des Tales fließt der Fluss Irkut (burj.: komm zu mir), der im Sajangebirge entspringt und in Irkutsk in die Angara mündet. Die ursprüngliche Bevölkerung in dieser Gegend waren Burjaten und Sojoten, ein Waldvolk, das später fast ganz in den Burjaten aufgegengen ist. Nur noch wenige bezeichnen sich selbst als Sojoten. Man sagt, die Burjaten im Tunka-Tal seien hellhäutiger als die übrigen Burjaten, was durch ihren angeblichen Ursprung aus Vasallen Dschingis Khans erklärt wird, die eine höhere Position inne hatten, als die restlichen Untertanen und sich deshalb von diesen separierten. Die erste russische Festung war die heutige Siedlung Tunka die von Kosaken gegründet wurde. Die heutige Bevölkerung lebt fast ausschließlich von der Land- und Forstwirtschaft und von der Jagd.

 

Mineralquellen

Von den Mineralquellen in der Baikal-Rift-Zone sind im Tunka-Tal einige als Heilquellen bekannt geworden. Die Orte Arshan und Nilova Pustin waren zu Sowjetzeiten viel besuchte Kurorte und auch die Zhemchug-Quelle mit ihrem heißen Wasser wird inzwischen viel von Touristen besucht. Die Zhemchug-Quelle ("Zhemchug" russ.: Perle) wurde in den 1950iger Jahren bei Ölbohrungen entdeckt und wird erst seit 2003 zu Heilzwecken genutzt. Sie gehört zum Tunka-Quelltyp der methanhaltigen Quellen. Das Wasser ist Strontium und Lithium-haltig, es enthält Hydrogencarbonat und hat einen nur geringen Salzgehalt. Das Wasser eignet sich zur inneren und äußeren Anwendung und soll gegen Magen-Darmbeschwerden, Gelenkserkrankungen und bei Hautproblemen helfen.

Erdbeben

Ein Zeugnis der anhaltenden tektonischen Prozesse in dieser Region des Ost-Sajan ist die seismische Aktvität. Jeden Tag finden Beben statt, allerdings meist unter der Stärke 2. Die stärksten Beben in dieser Region seit Beginn der Aufzeichnungen dazu im 19 Jhrdt. waren 1814 bei Kyren (Stärke 9), 1829 in Tunka (Stärke 6,5), 1850 im Tunka Tal mit der Stärke 8 und in Irkutsk mit der Stärke 5 und 1995 in Sun-Murino mit der Stärke 7 und in Irkutsk mit der Stärke 5. Bei diesem Beben sind viele Häuser zerstört worden und ein Teil des Kyngarga-Tales ist abgestürzt und hinterließ eine Staubwolke, die sich zwei Wochen lang hielt. Das letzte größere Erdbeben war im Jahr 2000 und hatte die Stärke 6-7.

Vulkane

Im Tunkinski Tal sind noch Reste von 9 Vulkankratern zu sehen. Sie waren hier im Miozän bis ins Pleistozän aktiv. Die Krater sind zwischen 4 und 150 m hoch. Einige ragen aus Moorflächen heraus, einige sind bewaldet oder stehen frei im Tal. Der bekannteste davon ist das Naturdenkmal Khuraj-Khobok. Dies war ein Vulkan mit gasreichen Schlacken, der porösen Basalt-Tuff und Aschebomben hinterlassen hat. Am Krater ist an einer Seite Tuff abgebaut worden, der als Isolationsmittel für den Hausbau und für den Straßenbau verwendet wurde. Die einzelnen Schichten des Vulkans die sich bei verschiedenen Auswürfen von Schlacke und Aschebomben abgelagert haben, sind an dieser Stelle gut zu sehen. Auch die Auswaschung von Natrium und Calcium sieht man hier gut an den weißen Überzügen der Schichten. Das Residuum ist dadurch angereichert mit Eisen und Kieselsäure. Die Böden an den ehemaligen Vulkanen unterscheiden sich in chemischer Zusammensetzung, Korngröße und Bodenporen vom übrigen zonalen Böden der Region. Sie sind sehr wasser- und luftdurchlässig und fruchtbar.

 

Tunkinskij National Park

Der 1991 eingerichtete Tunkiskij National Park liegt entlang des Tunka -Tales bis zu den Hängen des Sajan-Gebirges und des Khamar-Daban-Gebirges. Es umfasst die gesamte Verwaltungseinheit der Tunkiskij Region und gehört mit einer Fläche von ca. 1200 000 ha zu Russlands größten Nationalparks. Im Tal findet sich Steppe, an den Südhängen des Sajan-Gebirges eine trockene und an den Nordhängen des Khamar-Daban eine feuchte Ausprägung von Gebirgsökosystemen. Die Verwaltung des Parkes liegt im Ort Kyren im Tunka-Tal. Die Aufgaben des Parkes werden in den vier Abteilungen Waldschutz, Erholung, Naturschutz und Wirtschaft bearbeitet. Im Moment wird an der Inventarisierung des Naturbestandes gearbeitet, die innerhalb der nächsten 15 Jahre beendet sein soll. Ein weiteres Projekt widmet sich der Wiedereinführung der traditionellen Haustiere Schaf, Ziege, Kamel und Pferd. In nächster Zukunft sollen spezielle Schutzgebiet für den Jungfernkranich (Grus virgo) ausgewiesen werden. Die Probleme des Nationalparkes sind, wie auch in anderen Schutzgebieten: unkontrollierte Jagd und illegaler Holzschlag. Die Naturparkverwaltung versucht das Problem der unkontrollierten Jagd einzuschränken, indem sie Jagdtouristen an Jäger vermittelt, die gegen Entgelt eine Jagd auf ausgesuchte Arten an ausgesuchten Plätzen organisieren. So soll vermieden werden, dass Tiere geringer Abundanz bejagt werden. Doch im Gegensatz zum Pribaikalskij Nationalpark führt diese Idee im Tunkiskij Nationalpark noch nicht zum erwünschten Resultat. Organisationen aus Ulan-Ude sind bislang erfolgreicher im Anwerben von Jägern. Der von der IUCN als gefährdet eingestufte Moschushirsch ist im Gebiet des Nationalparkes zahlreich, ebenso auch Unterarten des Rothirsches (Cervus elaphus). Auch der selten und gefährdete Schneeleopard ist im Sajan zu finden. 99% der Brände sind anthropogen verursacht. Es wird nicht versucht sie zu löschen, sondern nur sie durch Legen von Schneisen und Gegenbränden an der Ausbreitung zu hindern.

Die Kurorte Arshan und Nilova Pustin

Der Kurort Arshan liegt im Tunka-Tal am Fuß der Tunkinskij Golzi. Der Name heißt auf Burjatisch "Mineralquelle" oder "heilendes Wasser" und erklärt damit die Berühmtheit dieses Kurortes. Das Wasser wurde schon früh von der einheimischen Bevölkerung zu Heilzwecken genutzt, aber erst zu Beginn des 20 Jh wurde die Siedlung Arshan gegründet. 1920 wurde die erste Kureinrichtung gebaut und der Ort entwickelte sich zu einem gut besuchten Kurort. Von 1974 bis 1985 wurde für den Bau eines Sanatoriums eine Strafkolonie angesiedelt. Zur Sowjetzeit wurden Kuraufenthalte staatlich zugeteilt und so konnte sich Arshan über Besuch von Kurgäste sicher sein. Nach dem Ende des Kommunismus ist die Bedeutung als Kurort zurückgegangen, aber touristischer Anziehungspunkt ist Arshan geblieben. Das Wasser der Arshan-Quellen ist schwefel- und kohlensäurehaltig, hat Temperaturen zwischen 12°C und 44°C und soll gegen Verdauungs- und Stoffwechselstörungen, Herz- und Kreislaufbeschwerden helfen. Das Wasser wird auch in Flaschen abgefällt und in der weiteren Region verkauft. 3 Mio Flaschen jährlich. Durch Arshan fließt der Fluss Kyngyrga, der in den Tunkinski-Bergen entspringt, entlang der Kyngyrga-Verwerfung fließt und direkt vor Arshan einen 5-6 m hohen Wasserfall hinab ins Tal stürzt. Aus diesem Fluss bezieht die Bevölkerung Arshans ihr Wasser. Wie auch Arshan war Nilova Pustin zu Sowjetzeiten ein berühmter Kurort, der jetzt nur noch von regionaler Bedeutung ist. Die Quellen gehören zum Kohlesäure-Typ und ihr Wasser hat eine Temperatur von 42°C. Die Heilwirkung des Wassers, das nur zur äußeren Anwendung bestimmt ist, ist schon seit 1830 bekannt und soll vor allem vom Radon ausgehen. Das Radon hat einen aufweichenden Effekt auf die Knochen, weswegen nach der Kur zwei bis drei Monate keine körperlich schweren Arbeit verrichtet werden soll. Die Knochen könnten der Last nicht mehr standhalten. Während dieser Ruhepause erholt und regeneriert sich der Körper und dann tritt die Heilwirkung ein. Die Kur soll bei Arthritis und allgemein bei entzündlichen Erkrankungen helfen und es soll die Blutzirkulation der Haut und des Gewebe fördern.

 

Chamar-Daban-Gebirge

Das Chamar-Daban-Gebirge am Süd-Ost Ufer des Baikal zählt zu der östlichen Erhebung der Baikal-Riftzone. Dem gegenüber steht das Sajan-Gebirge am Süd-West Ufer. Die beiden Gebirgsrücken werden gewissermaßen durch die südliche Fortführung des Baikalgrabens, das Tunka-Tal voneinander getrennt. Das Chamar-Daban-Gebirge ist in mehrere kleine Gebirge unterteilt. Der Südhang grenzt an die Mongolei und ist auf Grund geringerer Niederschläge im Vergleich zum Nordhang durch das Vorkommen von ausgedehnten Steppen geprägt. Der Nordhang des Gebirges zählt zu den 39 feuchtesten Hängen im Baikalgebiet. Die Winde aus Nord-westlicher Richtung bringen viel Feuchtigkeit mit und regnen sich an dem Gebirge ab (mittlere Jahresniederschlag: 1200-1400 mm). Der Großteil der Niederschläge fällt im Sommer und im Winter, was einen feuchten Sommer und schneereichen Winter, der die Vegetation vor Frost schützt, zur Folge hat. Die Nähe zum Baikal bedingt außerdem eine hohe Luftfeuchtigkeit, was sich wiederum in einer besonderen Vegetation niederschlägt. Auf Grund der Höhenlage (vergleichbar mit Deutschland) wäre ein Laubwaldtyp zu erwarten. Tatsächlich ist der dominante Baumtyp aber Nadelwald und Laubwald ist nur inselhaft vorhanden. Das extreme kontinentale Klima können Laubbäume nur schlecht vertragen. Außerdem liegt die Waldgrenze mit 1100m im Vergleich zu anderen Gebirgen (Bargusin: 1600-1800 m) relativ weit unten, da auf Grund der hohen Luftfeuchtigkeit Kälte weniger gut von den Pflanzen vertragen wird. Am Ostufer, in der Nähe des Ortes Murino, befindet sich ein Pappelwald (Populus suaveolens). Hier befindet sich die Westgrenze dieser Art. Pappeln gelten in der Nähe von Fluss-und Bachläufen als Pionierart. Außerdem sind an dieser Stelle viele Laubbaum-und Kräuter-Arten unserer Mittelbreiten anzutreffen. Waldstenia ternata als Charakterart beispielsweise ist in westlichen Laubwäldern (Karpaten), im fernen Osten und im ChamarDaban- Gebirge vorzufinden. Außerdem sind an diesem Standort Reliktarten, wie z.B. der Seidelbast Daphne mezereum L., vorhanden. Diese Art ist ein Relikt aus dem Tertiär, als das Klima noch wärmer war und kann in dem heutigen kontinentalen Klima noch überleben. Oberhalb der Waldgrenze findet man im Chamar-Daban Pinus pumila-Matten, die hier ihre westliche Grenze der Verbreitung finden. Im Sajan-Gebirge sind sie bereits nicht mehr vorhanden. Fotogalerie

 

Ulan-Ude

Ulan-Ude (burjatisch: rote Uda), die heutige Hauptstadt der Republik Burjatien liegt an der Mündung der Uda in die Selenga, etwa 140 km (ca. 70 km Luftlinie) östlich des Baikal. Die Stadt zählt circa 370 000 Einwohner, davon knapp ein Viertel Burjaten. 1666 wurde die Stadt erstmals unter dem Namen Udinsk erwähnt, als die ostwärts strebenden russischen Kosaken, unter dem Hauptmann Gavril Lovzov, ihr Winterlager aufschlugen. Im Jahre 1677 machte der russische Gesandte Nikolaj Spafarij auf dem Weg nach China hier Rast und empfahl auf Grund der strategisch günstigen Lage die Errichtung eines Ostrogs, einer Festung. In zwei Etappen (1680, 1688) wurde die Befestigung soweit ausgebaut, dass der nun Verchneudinsk (bedeutet so viel wie Ober-Udinsk) genannte Ort zwei Jahre später den Status einer Festung erhielt. Die Festung zog viele Siedler an, so dass die Stadt im Jahre 1783 Recht und Wappen erhielt. Ab 1768 fanden in der Stadt regelmäßig, zweimal im Jahr, im August und Januar, große Handelsmessen auf dem Marktplatz statt. Damals lebten circa 3000 Einwohner in der Stadt. 1803 beschloss die Kaufmannschaft den Bau eines riesigen, quadratischen Handelshofes. Mit diesem Vorhaben hatte man sich jedoch übernommen, was zur Folge hatte, dass das Bauwerk, mit einigen Umbauten, erst in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts fertig gestellt wurde und auch noch heute das Zentrum der Altstadt bildet. 1822 wurde die erste Brücke über die Uda gebaut. Fast zur gleichen Zeit wie Irkutsk, wurde auch Verchneudinsk am 10.7.1878 von einem Großbrand heimgesucht. Über die Hälfte der Stadt wurde dabei zerstört, und der Neuaufbau vorwiegend in der Steinbauweise vollzogen. 1899 erhielt die Stadt Anschluss an die Transsibirische Eisenbahn und die Industrie begann sich zu entwickeln. Im Februar 1918 kam die Oktoberrevolution nach Transbaikalien. Es folgte ein Bürgerkrieg, bis sich die Sowjetmacht im Februar 1920 etablierte. Bis 1923 gehörte die Stadt aber noch zur Fernöstlichen Republik. Dieses Staatssystem war als Pufferstaat zwischen Japan und 40 Sowjetrussland ausgehandelt worden. Nach Anschluss an die Sowjetunion wurde Verchneudinsk Hauptstadt der burjatisch-mongolischen, autonomen, sozialistischen Sowjetrepublik Burjatien. 1934 erhielt die Stadt ihren heutigen Namen Ulan-Ude. Nach der Wende erhielt Burjatien den Status einer Republik innerhalb der russischen Föderation. Heute ist die Stadt ein bedeutender Industriestandort (Eisenbahnwerkstätte, Hubschrauberfabrik, Bauwirtschaft, Lebensmittel verarbeitende Industrie). Touristisch ist die Stadt weitestgehend unbekannt. Viele Sehenswürdigkeiten (230 denkmalgeschützte Gebäude), die landschaftliche Schönheit und die Bindung zum Buddhismus (1949 gegründete Lamakloster Ivolginsk) und zur Mongolei machen einen Besuch in Ulan-Ude jedoch lohnenswert. Das buddhistische Kloster Ivolginsk, 40 km westlich von Ulan-Ude entfernt, zählt als das zentrale Heiligtum des Buddhismus in Russland. Nachdem unter Stalin in den 30er Jahren alle buddhistischen Tempel zerstört wurden, erlaubte er, im Zuge einer Lockerung in Religionsfragen, außerhalb der Stadt Ulan-Ude einen Tempel und ein Kloster zu errichten. Hier hat seitdem der Hambo-Lama, der oberste Lama für ganz Russland, seinen Sitz. Seit 1995 hat Damba Ajuschejev, als 25. Hambo-Lama, dieses Amt inne. 1991 und 1993 besuchte der Dalai-Lama das Kloster Ivolginsk. Seitdem ist es ihm auf Grund chinesischer Aktionen verwehrt geblieben. Die chinesische Regierung hat einen großen Einfluss auf die Republik Burjatien. Derzeit leben und arbeiten viele Chinesen in dieser Region. Die meisten Mönche erhielten ihre Ausbildung in der Mongolei. Dank der allgemeinen Öffnung in Russland konnten die Beziehungen zu anderen Buddhisten, besonders in Tibet, wieder aufgenommen werden und somit auch die Mönche im Kloster Ivolginsk seit 1991 wieder selbst ausgebildet werden. Im Herbst 2002 machte das Kloster weltweit Schlagzeilen. Der 12. Hambo-Lama Dorscho Itigilov lebte 1852 bis 1927 in dem Kloster. Seinem Wunsch gemäß wurde er in der Lotus- Pose begraben und nach 30 Jahren wieder ausgegraben. Man fand den Leichnam voll konserviert in der Lotus-Pose vor. Aus Angst vor der politischen Obrigkeit betteten die Mönche den Leichnam in einen mit Salz gefüllten Sarg. Zum 75. Todestag, 2002, aus Anlass eines Traumes eines anderen Lamas, öffnete man den Sarg und fand keine Spuren der Verwesung. Derzeit wird der Leichnam, der das Nirwana erreicht hat, nur ausgewählten Delegationen zur Besichtigung freigegeben. Das Klostergelände steht der öffentlichen Besichtigung zur Verfügung. Aus Respekt vor der praktizierten Religion, sollte man sich an die dort herrschenden Regeln halten, und beispielsweise das Gelände nur im Uhrzeigersinn durchlaufen.

 

Bargusintal

Das Bargusintal liegt am Nord-Ost Ufer parallel zum Baikal und wird von dem gleichnamigen Fluss Bargusin durchflossen, der etwa auf der Höhe der Halbinsel Svjatoi Nos in den Baikal mündet. Das Bargusintal ist ein Modell der tektonischen Bruchtäler des Baikal. Der Baikal selbst besteht, wie schon erwähnt aus drei solchen Tälern (nördliches, mittleres, südliches). Die Sedimenthöhe im Baikal beträgt etwa 6 km, im Bargusintal dagegen circa 2 km. Das 42 Baikalseebecken ist das älteste, aber auch das tiefste, weswegen es im Gegensatz zu den meisten Nebenbecken noch nicht verlandet ist. Weitere solche Becken befinden sich im Norden und Süden des Baikal. Der Boden dieser Becken sinkt derzeit nach Westen ab. Aus diesem Grund fließen die meisten Flüsse in diesen Tälern am westlichen Gebirgsrand. Im Bargusintal selbst sind zwei verschiedene Zonen zu unterscheiden. Im Osten steigt das Grundwasser an die Oberfläche, transportiert dabei Salz mit und führt zu einer Genese von Salzböden. Im Westen dagegen wird das Salz im Boden auf Grund der höheren Niederschläge ausgewaschen. Je nach Exposition dominiert die Vegetation Wald oder Steppe. Am Südhang auf Grund geringerer Niederschläge sind Steppen weit verbreitet und am Nordhang auf Grund höherer Niederschläge Wald. Dazu kommt der Einfluss des Menschen durch Beweidung, der in diesem Tal schon sehr lang anzutreffen ist. Fotogalerie

 

Svjatoi nos

Die Halbinsel Svjatoi Nos (russisch; Heilige Nase) ist Nationalparkgebiet. Die Halbinsel selbst hängt mit dem unterirdischen Akademiker-Gebirgsrücken zusammen, der das nördliche Becken vom mittleren trennt. Südlich der Insel mündet der Fluss Bargusin in den Baikal. Durch ufernahe Strömungen wird Feinsediment am Ufer entlang transportiert so dass schließlich die Verbindung zwischen Festland und Insel entstand. Unter Wasser fällt das Sediment nach Westen sehr schnell sehr steil ab. 43 Der Wasserstand im Baikal unterliegt klimatisch bedingt natürlichen Schwankungen. Ein hoher Wasserstand verursacht mehr Ablagerung am Ufer. Diese Periodizität führt zur Wallbildung, was besonders gut an der Verbindungsstelle zwischen Festland und der Insel Svjatoi Nos zu erkennen ist. Vor circa 10000 Jahren begann die Wallbildung aus verschiedenen Seiten einzusetzen, so dass in der Mitte schließlich der See Arangatui entstanden ist. Insgesamt sind 6 Perioden abgrenzbar, von denen jede einzelne zwischen 1500 und 1800 Jahre andauerte. Verstärkt wird dieser Vorgang durch die tektonische Besonderheit, dass sich der See senkt und das umliegende Gebirge hebt. Der scharfe Wechsel zwischen Wall und Mulde ist auch an der Vegetation erkennbar. Der trockenere Standort Wall ist mit Kiefer und Unterwuchs bestockt, während sich in den Mulden, bedingt durch größere Feuchtigkeit, Seggenmoore ausbilden. Insgesamt ist der Standort auf Grund des Sandes sehr nährstoffarm. Fotogalerie

 

Mineralquellen

Das Gebiet des Baikal, und im besonderen Burjatien steht in Russland an zweiter Stelle der Mineralquellen-Vorkommen. An erster Stelle steht der Kaukasus. Die Riftzone Baikal ist auch heute noch sehr aktiv (bis zu 3000 Erdbeben pro Jahr), das bedeutet, dass immer wieder neue Mineralquellen entstehen und vernichtet werden. Insgesamt gibt es in Burjatien über 400 Mineralquellen, wovon aber nur 3 als Kurstandorte genutzt werden. Ein weiterer sehr bekannter Kurort ist der Ort Arschan im Sajan-Gebirge. Am Ostufer von Svjatoi Nos, in der so genannten Schlangenbucht befinden sich ebenfalls Mineralquellen, die auch öffentlich genutzt werden. Mineralquellen kommen in vulkanisch aktiven Regionen vor, wo die Erdkruste sehr dünn ist. Das Grundwasser kann in die Spalten eindringen, erwärmt sich und wird mit großem Druck wieder ausgetrieben. Die Quellen am Baikal sind oft reich an N2 oder H2S. Sie werden auch zu medizinischen Zwecken genutzt und wirken sich positiv auf Haut und Knochen aus. Kohlensäurehaltige Quellen kommen meist in den Bergen vor. Diese sind häufig auch radioaktiv (Radon). Mit 200 Eman überschreiten sie oftmals den Strahlungsgrenzwert von 20 Eman. Reine CO2-Quellen, also Gasaustritt ohne Wasser, gibt es ebenfalls am Baikal und werden auch zur Heilkunde verwendet. Durch den Bau des Staudammes der Angara in Irkutsk in den 50-60er Jahren ist der Wasserspiegel um ca. 1 m gestiegen, was zum Ertrinken einiger Mineralquellen im Uferbereich geführt hat. Allgemein zum Baden in Mineralquellen ist zu sagen, dass ein Aufenthalt über 20 min. nicht ratsam ist und man auch nur bis etwa zum Bauchnabel im Wasser sitzen sollte, da es sonst angeblich negative Auswirkungen auf das Herz haben kann.

Selenga und Selenga-Delta

Der Fluss Selenga ist der größte Zufluss in den Baikal und bildet ebenso das größte Flussdelta aus. Er mündet am Süd-Ost Ufer ein. Das Alter des Deltas wird auf ungefähr 0,5 Mio. Jahre geschätzt. Die Tiefe um das Delta herum ist mit circa 70 m, im Vergleich zur Umgebung mit einer Tiefe von 700 m, recht flach. Der Fluss transportiert eine große Menge an Feinmaterial (117 kg/s oder 3,5 Mio.t/a), das in dem See verteilt wird. Uferparallele Strömungen im Baikal sind dafür verantwortlich. Die Vegetation (Gräser) verhindern eine Verteilung des Deltas selbst. Beim seitlichen Abtransport des Materials entstehen typische Formen, wie Bare (unter Wasser), Nehrungen (über Wasser) und Lagunen (2-3 m Tiefe). Die Lagunen verfüllen sich nicht vollständig, da sich der See in einem tektonischen Senkungsbereich befindet. Nördlich des Deltas (Saliv Proval) kam es 1861 nach einem Erdbeben zu einem plötzlichen Absinken der Lagune. Dabei rutschte der Boden mit samt den Dörfern in den Baikal ab. Es gibt Berechnungen, dass dieser abgesackte Bereich, wenn es zu keiner weiteren tektonischen Senkung kommt, in circa 70 Jahren verlandet und sich ein Moor bildet. Der bereits schon öfter erwähnte Bau des Staudammes führte zu Überflutungen im nördlichen Bereich und zur Abrasion der Sandflächen des Deltas. Fotogalerie

Moore

Während der Exkursion wurden einige Moorgebiete besucht: Murino, Svjatoi Nos (Muldenmoor, Moor in der Nähe des Sees Arangatui). In dem Moorgebiet bei Arangatui ist ein Schwingrasen vorhanden. Der häufigste Moortyp am Baikal ist das Seggenmoor. Grundsätzlich kann man zwischen Nieder-und Hochmoor unterscheiden. Niedermoore werden vom Grundwasser gespeist und sind daher im Vergleich zu Hochmooren relativ nährstoffreich. Ein Niedermoor kann sich im Laufe der Zeit zu einem Hochmoor entwickeln. Hochmoore haben keinen Anschluss mehr zum Grundwasser und werden nur durch das Regenwasser gespeist, was der Grund für ihre Nährstoffarmut ist. Daher findet man in Mooren nur hoch spezialisierte Pflanzen. Eine von diesen Pflanzen sind die Torfmoose (Sphagnum). Sie können viel Wasser speichern und wachsen quasi unendlich von unten nach oben. Mit der Zeit sterben sie unten ab und bilden Torf. Sie können Säuren abgeben und schaffen somit ihr eigenes saures Habitat (Artenliste Hochmoor bei Murino). Bei der Bodenansprache werden nicht verschiedene A-, B-und C-Horizonte unterschieden, sondern T1, T2 und T3 nach der Farbe und dem Zersetzungsgrad. Sie zählen zu der Klasse der Histosole. Bei starkem Zersetzungsgrad ist das Wasser auf Grund des hohen Huminstoffanteils dunkler gefärbt, als bei schwachem Zersetzungsgrad. Die Torfneubildung beträgt etwa 0,5 mm pro Jahr. Eine absolute Datierung kann mit Hilfe der C14-Datierung der untersten Torfschicht gemacht werden. Auf Grund des feuchten, sauren und kalten Milieus im Torf findet keine Mineralisation statt. Des weiteren ist kein Sand, Lehm oder Ton vorhanden. Diese beiden Faktoren sind für die Nährstoffarmut des Standortes verantwortlich und machen eine landwirtschaftliche Nutzung als Ackerland, neben anderen Faktoren, unmöglich. Die einzige Nutzung fand durch den Torfabbau statt. Trockener Torf kann viel Feuchtigkeit aufnehmen und wurde daher als Einstreu im Stall verwendet und nachher auf die Felder als Düngemittel ausgebracht. In medizinischer Hinsicht wird er als Antiseptikum verwendet. Der flächenhafte Torfabbau (nicht am Baikalsee) führt aber zu einem Verlust eines einzigartigen und empfindlichen Ökosystems. Das Moor kann sich mit seinem langsamen Wachstum nicht in dem Maße regenerieren, wie es vom Menschen zerstört wird. In Deutschland führte dies fast zu einem Aussterben vieler Moorpflanzen (Bsp. Blasenbinse), weshalb nun die noch übrig gebliebenen Moorgebiete unter strengem Naturschutz stehen. In Russland ist in dieser Hinsicht noch Handlungsbedarf nötig.

 

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