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Kamtschatka - Land der Vulkane und Bären

 

Einleitung

Der Name Kamtschatka leitet sich wahrscheinlich von Iwan Kamtschat einem russischen Entdeckungsreisenden des 17. Jahrhunderst ab (Hintzsche, W. Nickol, T. Hrsg. 1996: Die Grosse Nordische Expedition. Gotha).

Der Kamtschatka-Krai umfasst eine Fläche von 472,3 km². Das südliche Ende befindet sich bei etwa 51° und der nördlichste Punkt bei etwa 65° nördlicher Breite. Von Nord nach Süd beträgt die Entfernung rund 1600 km und die engste Stelle beträgt etwa 80 km und die breiteste Stelle rund 450 km. Die Komandeurinseln gehören ebenfalls zu Kamtschatka. Aufgrund der Entfernung von über 8.000 km von Deutschland beträgt der Zeitunterschied +11h zur Mitteleuropäischen Zeit.

Kamchatka ist mit etwa 340.000 Einwohnern sehr dünn von Menschen besiedelt. Die mittlere Bevölkerungsdichte beträgt 0,7 Personen/km². Dabei ist die Bevölkerung auch noch sehr ungleichmäßig verteilt. Etwa 60 % leben allein in Petropavlovsk-Kamchatsky. In den nördlichen Regionen beträgt die Bevölkerungsdichte unter 0,1 Personen/km². Große Teile Kamchatkas sind vom Menschen unbesiedelt und schwer zugänglich. Etwa 83 % der Bevölkerung sind Russen, indigene Völker erreichen nur 1,37 % (Evenen, Itelmenen, Korjaken, Kamchadali, Namylany, Chukchi und Aleuten). Wärend der sowjetischen Zeit wurden die indigenen Völker seßhaft gemacht, dadurch haben sie ihre ehemalige Kultur weitgehend verloren. Nur sehr wenige sprechen noch ihre eigene Sprache. Seit einige Jahren wird die traditionelle Lebensweise wieder belebt, da das Leben in den entlegenen Regionen auch keine andere Lebensweise zuläßt. In Esso (Naturpark Bistrinski) werden mit internationaler Unterstützung im Rahmen eines UNDP-Projektes neue Renntierherden aufgebaut und das nomadische Leben wieder praktiziert (www. unkam.ru).

Relief

Das Relief wird im Wesentlichen von den Mittleren und Östlichen Vulkangürteln und den Küstenlandschaften bestimmt. Als Teil des Pazifischen "Feuerringes" sind hier 30 Vulkane aktiv und es kommt immer wieder zu Vulkanausbrüchen und Erdbeben. Es sind aber noch über 2500 Vulkankegel und über 300 erloschene und zerstörte Vulkane vorhanden. Der höchste Vulkan - Kljychevskaja Sopka - erreicht 4750 m. Die Westküste ist eine sumpfige Niederung mit einer geraden Uferlinie, die von hunderten von Flüssen zerschnitten ist. Die Ostküste ist dagegen steil, felsig mit zahlreichen Buchten und Halbinseln. Der Fluß Kamchatka bildet ein breites Tal zwischen dem mittleren und östlichen Vulkangürtel.

Klima

Die Besonderheiten des Klimas sind durch die Lage zwischen dem Pazifischen Ozean und dem Ochotsker Meer, dem Relief und der großen Ausdehnung von Nord nach Süd und durch den Einfluß von Zyklonen bedingt. Die großen umgebenden Wassermassen bedingen ein maritimes Klima. In den Küstengebieten wird es selten im Winter kälter als -10 °C und im Sommer selten wärmer als 15 °C. Nur in den zentralen Teilen Kamtschatkas, insbesondere in der Niederung des Flußes Kamtschatka herrscht ein kontinentales Klima mit sehr niedrigen Temperaturen im Winter (bis unter -40 °C) und warmen Temperaturen im Sommer von über 20 °C. Außerdem treten häufig starke Winde auf. Besonders windig ist es im Süden der Halbinsel am Kap Lopatka. Typisch sind auch die hohen Niederschläge, die mit den Zyklonen zusammen hängen. Sie sind aber auch ungleichmäßig jahreszeitlich und regional verteilt. Im Norden und im zentralen Längstal ist es relativ trocken mit unter 500 mm Niederschlag und im Süden mit über 1000 mm feucht. Am Westufer und im Süden tritt häufig dichter Nebel auf. Am Kap Lopatka können im Sommer über 100 Nebeltage auftreten. Die Winter sind kalt und schneereich. Im Mutnovskigebiet können mehrere Meter Schnee fallen und bis Ende Juli liegen bleiben. Im August und September liegen die Tagestemperaturen bei 10 bis 20 °C , nachts können aber insbesondere im Gebirge Temperaturen bis -5 °C auftreten. Mit Regen und starken Winden ist insbesondere in den Bergen zu rechnen. In Esso ist das Klima deutlich trockener als an der Küste in Petropavlovsk, nachts kann es dagegen bei wolkenlosem Himmel kalt werden. Für die Reise sind unbedingt warme Kleidung, Regenschutz und ein warmer Schlafsack (bis -5 °C) notwendig.

Einige Klimadaten sind in der folgenden Tabellen zusammengefasst (http://www.kamchatsky-krai.ru).

 

 

Geologie

Kamtschatka ist der nördlichste Abschnitt des Kurilen-Kamtschatka-Inselbogens. Mit 30 aktiven Vulkanen ist Kamtschatka der aktivster Teil des sogenannten Pazifischen Feuerrings (die Anzahl der aktiven Vulkanen variirt je nach Auffassung der Wissenschaftler zwischen 19 und 39). Dieser etwa 3500 km lange Teil des zirkumpazifischen „ring of fire„ wird im Westen durch das Ochotskische Meer und im Osten durch den NW-Pazifik und das Beringmeer begrenzt. Kamtschatka ist auf einem kristallinen, polymetamorphen Sockel kretazischen Alters aufgebaut, welcher in der zentralen Gebirgskette und in der Ganalsky Range in Westkamtschatka aufgeschlossen ist. Charakteristisch ist ein extrem starker aktiver Vulkanismus, der sich in zwei NW-streichenden vulkanischen Bögen manifestiert. Der ältere, westliche Gürtel etablierte sich im Oligozän und ist heute nahezu inaktiv. Er findet seine Fortsetzung im nördlichen Koriak-Gürtel. Der östliche Vulkangürtel ist pliozänen Alters und bis heute eine der aktivsten vulkanischen Zonen der Erde. Der östliche Bogen setzt sich im südlich anschließenden Kurilenbogen fort. Die beiden Bögen sind durch die Zentrale Kamtschatka Depression morphologisch und strukturell voneinander getrennt. Die Zentrale Depression teilt die Halbinsel in West- und Ost-Kamtschatka (vgl. Freitag, R. 2002: Inselbogenentwicklung im Kamchatka-Aleuten Kreuzungsbereich. Diss.).

Kamtschatka ist reich an unterschiedlichsten Gesteinen und man findet selten auch Fossilien (Fotos aus dem Museum des Instituts für Vulkanologie und Naturkundemuseums in Elisovo)

 

Böden

Die Böden Kamtschatkas bilden sich häufig auf vulkanischen Ausgangsgesteinen, die gewöhnlich reich an alkalischen Bestandteilen sind und deshalb ein fruchtbares Bodensubstrat liefern. Unter Waldwiesen und Birkenlichtwäldern sind Rasenwiesenböden entwickelt, unter deren dunkelgrauem oder dunkelzimtfarbenem Rasenhorizont der gewöhnlich 15 bis 20 cm mächtige Humushorizont liegt. Unter schattenreichen Birkenwäldern sowie unter Fichten-Lärchenwäldern kommen schwachpodsolierte Böden, die den Rasenwiesenböden nahestehen, vor. In Zentralkamtschatka bilden sich unter den Nadelwäldern podsolierte Böden, deren Horizonte deutlich voneinander getrennt sind. Alle diese Böden sind ohne Melioration für den Ackerbau verwendbar. Große Flächen insbesondere an der Westküste werden von Moorböden eingenommen. Alluvialböden kommen in den Flußtälern vor. Am fruchtbarsten sind die Rasenwiesenböden, die auf den älteren Flußablagerungen der zweiten und dritten Terrasse entwickelt sind (Nr. 44 in Karte). Die Böden sind mit Wiesen und Lichtwäldern aus japanischer Birke bedeckt (aus Berg, L. S. 1959: Die Geographischen Zonen der Sowjetunion Bd. 2. Leipzig).

 

Vegetation

Kamtschatka befindet sich in der Borealen Waldzone. Die Vegetation ist überwiegend aufgrund der Höhenlage differenziert. Die Flora ist vergleichsweise artenarm und viele Arten sind selten. Nach Yakubov (2007: Plants of Kamchatka. Moskau) besteht die Flora Kamtschatkas aus 89 Familien, 411 Gattungen und 1170 Arten. Die letzte Vereisung vernichtete die Nadelwälder bis auf einen kleinen Rest im zentralen Bereich. Auch andere Arten sind verschwunden und noch nicht wieder eingewandert. Da Kamtschatka nur im Norden eine Verbindung zum asiatischen Kontinent hat ist die Einwanderung über die Tundrazone und große Sumpfgebiete schwierig. Deshalb ist Kamtschatka wie eine Insel. Komarov unterschied drei floristische Typen: Arten der West- und Ostküsten, Arten des Kamtschatka-Tales und arktische Arten des Nordens. Man findet Arten aus verschiedenen Arealen: Circumpolare Arten, ochotsker Arten, ochotsko-manschurische Arten, sibirische Arten und Endemiten Kamtschatkas. Charakteristische Vegetationstypen sind: Wälder, Gebirgstundra, Moore, Auenwälder, Küstenvegetation, Sonderstandorte der Thermalquellen, alpine Wiesen, Hochstaudenfluren, Pioniervegetation. Seit 2007 gibt es eine Rote Liste der Pflanzen für Kamtschatka. Darin werden 11 Arten Meeresalgen, 7 Pilzarten, 57 Moosarten, 36 Flechtenarten und 142 Gefäßpflanzen aufgeführt (http://www.kamchatsky-krai.ru/redbook2/vvedenie.htm).

Der weitverbreitete aktive Vulkanismus vernichtet immer wieder Vegetationsbestände und langsam werden die Aschefelder, Lavaströme und -felder neu besiedelt. Vertikal kann man die Vegetationsstufen grob folgendermaßen abgrenzen.

- An den Küsten sind Küstenwiesen verbreitet. Es ist eine Hochgebirgsvegetation, da die kalten Wassermassen des Pazifik und Ochotsker Meeres auch im Sommer nur niedrige Temperaturen zulassen.

- Teilweise von der Küste bis 800 (1000) ü. NN wachsen Steinbirkenwälder.

- Ab 800 m ü. NN bis 1200 m ü. NN, ausnahmsweise bis 1400 m ü. NN befindet sich die Krumholzstufe aus Pinus pumila und Alnus fruticosa.

- Oberhalb folgt die alpine Stufe mit der Bergtundra bis zur Vegetationsgrenze.

Landschaftstypen Kamtschatkas in Bildern

Küsten

Steilküstenformen dominieren an der Ostseite Kamtschatkas, die Westseite wird vom flachen Küstensaum bestimmt.

 

 

Wälder

Die Flüsse werden von Auenwäldern aus mehreren Gehölzarten (z.B. Alnus hirsuta, Salix sachalinensis, Populus suaveolens und Chosenia arbutifolia ) begleitet. Die Krautschicht wird häufig von Hochstaudenfluren gebildet.

Steinbirkenwälder aus der Betula ermanii sind die häufigsten Wälder auf Kamtschatka. Im südosten Kamtschatkas kommen die Steinbirkenwälder fast vom Meeresufer bis etwa 800 m ü. NN vor. Oberhalb von 800 m werden sie vom Stlanik aus Pinus pumila und Alnus fruticosa abgelöst. In der Krautschicht wachsen zahlreiche Krautarten. Selten kommen Weißbirkenwälder aus Betula platyphylla vor.

Die Nadelwälder bestehen aus Larix cajanderi (sin. daurica) und Picea ajanensis und sind in Zentralkamtschatka von Milkovo bis zum Fluß Elovka bis 300 m ü. NN und nur ausnahmsweise höher verbreitet.

Auenwälder
Steinbirkenwälder
Nadelwälder
Hochstauden

Gebirge

Kamtschatka ist ein gebirgiges Land. Im subalpinen Vegetationsgürtel dominiert der Stlanik aus Pinus pumila und Alnus fruticosa. Oberhalt des Stlanik kommt die Gebirgstundra mit alpinen Krautarten, Moosen und Flechten bis zur Vegetationsgrenze.

Krumholzzone (Stlanik)
Bergtundra
Gletscher

 

Feuchtgebiete

Große Teile Kamtschatkas werden von unterschiedlichen Feuchtgebieten eingenommen.

Gebirgsbäche
Bäche
Flüsse
Mineralquellen
Thermalquellen
Thermalvegetation
Wasserfall
Wasserfall
Gebirgssee
Sumpf an Mineralquelle
Gebirgsmoor
Moore der Westküste

 

Die Tierwelt Kamtschatkas

Die Tierwelt Kamtschatkas ist sehr vielfältig und weist aufgrund ihrer Isolation vom "Festland" zahlreiche eigene Unterarten auf. Das kalte Wasser des Pazifischen Ozeans und des Ochotsker Meeres ist sehr fruchtbar und bietet hohe Fänge für die Fischerei. Neben den Meerestieren und -großalgen (Fische und Kraben) stellen die Lachse eine große wirtschaftliche Bedeutung dar. Auf Kamtschatka vermehren sich 6 Lachsarten. Diese Artenvielfalt ist einmalig. Eine künstliche Vermehrung in Fischzuchtanstalten ist gering nur im Flußgebiet des Flusses Avacha bei Petropavlovsk-Kamchatsky vorhanden. Neben seiner hohen wirtschaftlichen Bedeutung spielt der Lachs auch eine zentrale Bedeutung im Ökosystem Kamtschatkas. Viele Tiere sind direkt oder indirekt von den Lachsen im Narungsnetz abhängig. Besonders deutlich sieht man das am Braunbären, der im Sommer und Herbst an den Flüssen vor allem von den zum Laichen wandernden Lachsen lebt.

Der Katalog der Wirbeltiere Kamtschatkas und angrenzender Gebiete (2000) weist 505 Fischarten, 2 Amphibienarten, 1 Reptilienart (Leder-Meeresschildkröte Dermochelys coriaca), 322 Vogelarten und 88 Säugetierarten auf. Die Erforschung der Wirbeltiere ist sehr lückenhaft und erfolgte überwiegend nur in den Schutzgebieten und zeitlich sehr begrenzt. Da große Gebiete nur schwer zugänglich sind und hohen technischen und finanziellen Aufwand erfordern sind viele Taxonomische- und Verbreitungsfragen noch nicht geklärt, die Daten sind oft veraltet, neue Bestandszahlen fehlen. Eine Bestandsüberwachung erfolgt weitgehend nur bei wirtschaftlich bedeutenden Tierarten wie z.B. bei den Lachsarten. Über Kleinsäugetiere gibt es z.B. kaum Informationen. Seit 2006 gibt es für Kamtschatka eine Rote Liste der Tiere. Darin werden 31 Fischarten, 60 Vogelarten, 23 Säugetiere, 12 Insektenarten und 1 Molluskenart, die Kamtschatka-Flußperlmuschel Dahurinaia middendorffi, aufgeführt (ADMINISTRATION OF KAMCHATKA REGION, ADMINISTRATION OF KORYAKSKY AUTONOMOUS COUNTY, KAMCHATKA BRANCH OF PACIFIC INSTITUTE OF GEOGRAPHY FAR EASTERN BRANCH OF RUSSIAN ACADEMY OF SCIENCES: RED DATA BOOK OF KAMCHATKA Vol. 1 ANIMALS PETROPAVLOVSK-KAMCHATSKY. KAMCHATSKY PECHATNY DVOR PUBLISHING HOUSE 2006).

Keta-Lachs
Laichende Keta-Lachse im Fluß Avacha
Murmeltier
See-Löwe in der Avacha-Bucht
Riesen-Seeadler
Braunbären

Der Braunbär auf Kamtschatka

Neben den aktiven Vulkanen ist Kamtschatka für seine zahlreichen Braunbären bekannt. Es wird geschätzt, dass auf Kamtschatka etwa 10 000 bis 12 000 Braunbären leben. Auf Kamtschaka kommt der Braunbär in zwei Unterarten vor, im nördlichen Teil der Halbinsel als Ursus arctos jeniseensis Ognev , 1924 und südlicher Ursus arctos piscator Pucheran, 1855 (Katalog der Wirbeltiere Kamtschatkas 2000). Neben den nordamerikanischen Unterarten gehört der Kamtschatka-Braunbär zu den größten Unterarten. Die größten Individuen erreichen bis zu 600 kg. Seine bevorzugten Lebensräume sind der Zwergkiefernwald und der Erlenwald. Hier findet er gute Versteckmöglichkeiten und insbesondere im Herbst reichlich Nahrung (Beeren und Kiefernnüsse). Während des Lachslaichzuges sind Braunbären an den Flüssen zu finden. Hier fangen sie die zum Laichen ziehenden Lachse bzw. die sterbenden Lachse nach dem Laichen. Die Laichsaison der verschiedenen Lachsarten beginnt Ende Juni und endet im Winter. Als Allesfresser wechselt der Braunbär je nach Nahrungsangebot seinen Lebensraum im Laufe des Jahres. Eine allgemeine Übersicht der Phänologie zeigt die folgende Abbildung.

Dem Menschen geht der Braunbär normalerweise aus dem Weg. Gefährliche Situationen können entstehen, wenn der Braunbär im Gebüsch überrascht wird und nicht rechtzeitig flüchten kann. Dann darf man auf keinen Fall flüchten, da der Braunbär schneller als der Mensch laufen kann, sondern vorsichtig dem Braunbären eine Fluchtmöglichkeit bieten und ihm auf jedenfall den Fluchtweg freimachen. Die meisten Begegnungen mit dem Braunbären enden in seiner Flucht und für den Menschen mit dem Schrecken. Nur selten greift er an. Meistens ist aber auch der Mensch durch falsche Verhaltensweisen daran schuld. Von den gemeldeten gefährlichen Begegnungen endeten nur wenige mit Verletzungen bzw. dem Tod des Menschen.

 

Wie auch in anderen Regionen Russlands gehört der Braunbär auf Kamtschatka zu den jagdbaren Tierarten der Berufs- und Sportjäger. Die Jagd wird aber von staatlichen Jagdbehörden kontrolliert und darf nur mit Lizensen erfolgen. Es werden jedes Jahr Abschußquoten festgelegt und dann Jagdlizensen vergeben. Beim Braunbären werden Lizensen für den Abschluß von 10 % der Population festgesetzt. Wie die folgende Graphik zeigt, erreicht die Nachfrage nach Lizensen nicht die mögliche Quote. Es wird aber nach Umfragen unter Jägern geschätzt, dass etwa die gleiche Anzahl von Bären illegal erlegt werden. Seit einigen Jahren geht die Jagd aufgrund von gefallenen Preisen für die Galenblase stark zurück. Die Galenblase des Bären wird in der chinesischen Medizin verwendet und brachte in den 1990ger Jahren hohe Preise. Inzwischen sind die Preise gesunken bzw. durch die hohen Lebenshaltungskosten auf Kamtschatka ist der Gewinn zu gering geworden.

Fische Kamtschatkas

Die Region Kamtschatka mit der Beringsee und dem Ochotsker Meer ist eines der produktivsten Fischgewässer weltweit. Hier erfolgen etwa 80 % der russischen Fischfänge. Der Katalog der Wirbeltiere Kamtschatkas (2000) führt 505 Arten und Unterarten aus den drei Klassen Cephalaspidomorphi - Rundmäuler (Neunaugen), Chondrichthyes - Knorpelfische, Osteichthyes - Knochenfische, 27 Ordnungen, 85 Familien und 261 Gattungen auf. Während ihrer langen Entwicklungsgeschichte kam es zu Austauschprozessen zwischen der Fischfauna unterschiedlicher Regionen, so dass die Fischfauna Kamtschatkas gegenwärtig aus unterschiedlichen zoogeographischen Regionen stammt.

 

Auch regional sind die Fischarten unterschiedlich verbreitet wie es die folgende Tabelle zeigt. Die Fischfauna wird mit über 90 % von Meeresfischen dominiert, es kommen nur 37 Süßwasserfische vor. Diese Artenarmut ist auf die Vergletscherung während der Eiszeit zurückzuführen.

Zu den Wanderfischen gehören z. B. das pazifische Neunauge Lethenteron camtschaticum (Tilesius, 1811), der Stör, die 6 Lachsarten, Saiblinge und Dreistachliger Stichling. Insgesamt ist die Süßwasserfischfauna Kamtschatkas artenarm. Dafür kommen 6 Lachsarten auf Kamtschatka in die Flüsse und Seen zum Laichen. Die pazifischen Lachsarten der Gattung Oncorhynchus gehören zu den monozyklischen Arten, die nach dem Laichen sterben. Die Kamtschatka Semga Parasalmo penshinensis (Pallas, [1814]) stirb dagegen nach dem ersten Laichen nicht sondern kehrt ins Meer wieder zurück um noch mehrmals zum Laichen in die Binnengewässer zurückzukehren. Die Lachse schlüpfen in Binnengewässern und verbringen hier je nach Art unterschiedlich lange Zeit und wandern dann ins Meer um dort aufzuwachsen und nach 2 bis 10 Jahren zum Laichen in die Binnengewässer zu wandern. Das sogenante homing, das Zurückkehren in die Schlüpfgewässer ist bei Lachsen sehr stark ausgeprägt und kann bisher noch nicht vollständig erklärt werden. Beim Eintritt ins Süßwasser nehmen die Lachse keine Nahrung mehr auf und der Körper verändert sich. Es bilden sich z. B. Buckel und/oder Hackenkiefer. Es finden auch starke innere Veränderungen der Lachse statt: sie verlieren stark an Gewicht, es bilden sich Geschlechtsorgane, verlieren fast das gesamte Fett, der Verdauungsapparat verändert sich stark wie auch die Leber. Die Veränderungen sind irreversibel und führen nach dem Laichen zum Tod der Lachse. Bis zu den Laichplätzen müssen die Lachse verschiedene Gefahren überwinden z. B. Räuber wie Braunbär und Fischotter. Deshalb wandern die Lachse insbesondere bei Flut in die Flüsse ein und dann abends und nachts ziehen sie weiter zu den Laichplätzen. Nach dem Laichen sind die Laichplätze voll mit toten Fischen, es stinkt nach verwesendem Fisch. Auch der tote Fisch ist eine beliebte Nahrungsquelle für vielen Tierarten wie z. B. Möwen.

 

Die Laichperioden der Lachsarten sind unterschiedlich, können sich aber auch überlagern. Die Laichplätze liegen auf Kiesflächen und sind je nach Art getrennt. Am Laichplatz legen die Lachse Laichgruben an, in die das Weibchen die Eier ablegt und das Männchen sie besamt. Danach wird die Laichgrube mit Sediment bedeckt und es entstehen kleine Hügel. Nach 2 bis 3 Monaten schlüpfen die Fischlarven, sie bleiben noch in der Laichgrube bis der Dottersack aufgebraucht ist, was ebenfalls mehrere Monate dauern kann. Die Lebenszeit im Süßwasser ist je nach Art unterschiedlich. Beim Buckellachs (O. gorbuscha) beginnt die Abwanderung ins Meer im ersten Frühjahr, beim Kisuch (O. kisuch, Silberlachs) können die Junglachse bis zu 4 Jahre im Fluß verbleiben und erst danach ins Meer abwandern.

 

Naturschutz

Auf Kamtschatka sind verschiedene Schutzgebietstypen ausgewiesen: Zapovedniki, Zakasniki, Meeresschutzgebiete, Feuchtgebiete internationaler Bedeutung, Fischschutzgebiete, Naturparke und Naturdenkmale. Die Zapovednike Kronotzki und Komandeurinseln sind auch als Biosphärenreservate anerkannt.

Die Biodiversität Kamchatskas ist einmalig. Dabei spielt nicht nur die Artenzahl eine hoher Bedeutung sondern insbesondere die vielen seltenen Arten in hohen Populationsdichten, aber auch weitgehend natürliche Prozesse innerhalb der Ökosysteme. Z. B. beträgt die Population des Braunbären auf Kamtschatka über 10.000 Exemplare. Vom Riesen-Seeadler leben über 4500 Tiere auf Kamtschatka, das sind über 60 % der Weltpopulation. Über 27 % der Fläche befinden sich in Schutzgebieten unterschiedlichen Ranges. 6 der Schutzgebiete wurden als Weltnaturerbe von der UNESCO ausgewiesen. Dazu gehören auch die Naturparke Nalychevo, Yuzhno-Kamchatsky, Bystrinsky und Klyuchevskoy! Der WWF Deutschland fördert seit 1994 die Weltnaturerbe-Schutzgebiete auf Kamtschatka (http://www.wwf.de/regionen/kamtschatka/ +/WWF-KARTE Kamtschatka).

Der Naturpark Nalychevo wurde 1995 gegründet. Die Fläche beträgt etwa 286.000 ha. Der Naturpark ist durch das Tal des Flußes Nalychevo und die umgebenden z.T. aktive Vulkane gekennzeichnet. Man findet hier auf kleinstem Raum verschiedenste geologische Erscheinungen (vulkanische Tätigkeit, Avachinski Vulkan brach 1991 und 2001das letzte mal aus, unterschiedliche heiße und kalte Mineralquellen, Kargletscher). Es sind aber auch Gebirgs-, Tundra- und Meereslandschaften vorhanden, in denen eine reiche Pflanzen- und Tierwelt anzutreffen ist. Man kann hier die Vegetationssukkzession auf frischen Lavefeldern studieren oder Braunbären beobachten. In den Flüssen laichen 5 Lachsarten und in den Bergen leben Schneeschafe. Auf dem Gebiet des Naturparks wurden 145 Vogelarten gezählt, darunter auch mehrere Horste des Riesen-Seeadlers. Im Park wurden Wanderwege angelegt und Unterkünfte geschaffen. Im Umweltbildungszentrum können Seminare durchgeführt werden und geführte Wanderungen zu den Vulkanen und die Wälder bieten unterschiedlichste Möglichkeiten die verschiedenen Landschaften selber zu erleben. Im Naturpark Nalychevo befindet sich der Avacha-Vulkan, der zum Stratovulkantyp gehört. Im Jahre 2001 bildetet sich eine tiefe Spalte im Krater. Der Gipfel erreicht 2741 m. Seit dem mittleren bis späten Pleistozän begann sich der Avacha zu bilden. Im Südosten grenzt an ihn der Vulkan Kozelsky mit einem großen Krater. Der Avacha hat einen großen Krater, der im Jahre 1991 von Lava aufgefüllt wurde.

 

Avacha-Vulkan, im Vordergrund in 2007 entstandener Canyon
Krater des Avacha-Vulkans
Avacha-Vulkan im Winter
Thermalquelle, Badebecken
Wasserfall an der Schumnaja, dahinter Korjakski-Vulkan
Maar in Nalychevo

Der Naturpark Bystrinsky wurde 1995 gegründet. Er ist mit 1 325 000 ha das größte Schutzgebiet auf Kamtschatka. Er umfasst zahlreiche erloschene Vulkane, aber auch den noch aktiven Ichinski Vulkan mit einer Höhe von 3 607 m. Der auch vergletscher ist. Der Naturparkt befindet sich im wesentlichen in der Wald und Bergzone des zentralen Vulkangürtels. Die Vulkangipfel sind mit Schneefeldern und Gletschern bedeckt. Die Vegetation besteht aus Birkenwäldern (Betula ermanii), Fichten und Lärchenwäldern, Kieferngebüschen (Pinus pumila) und Gebirgstundra. Die zahlreichen Bergflüsse stellen wichtige Laichgebiete für mehrere Lachsarten, Charius und Saibling dar. Der Schutzzweck des Naturparks umfasst insbesondere die Erhaltung der Renntierweiden und die Förderung einer traditionellen Landnutzung der indigenen Völker. Dazu läuft ein internationales Projekt der UNDP, das die traditionelle Lebensweise der Evenen unterstützt. Es geht dabei um eine dauerhafte Nutzung und Vermaktung von Naturprodukten (Tee, Renntiererzeugnisse) und Handwerk. Es finden Ausbildungen in traditionellen Handwerken statt (Renntierhaltung, Holzarbeiten). Der Ort Esso wurde im Jahre 1932 zur Seßhaftmachung der indigenen Völker gegründet. Heiße Mineralquellen und trockeneres kontinentales Klima bieten neuerdings gute touristische Bedingungen.

     

Der Naturpark Klyuchevskoy wurde am 14.12.1999 mit einer Fläche von 375 981 ha errichtet. Er umfasst insbesondere die Vulkane der Kljuchevskaya Gruppe, zu der der höchste Vulkan Eurasiens, Kljuchevskaya Sopka, gehört und sehr aktiven Vulkanismus aufweist (http://www.volcanodiscovery.com/volcano-tours/volcanoes/kamchatka/klyuchevsy/). In den Jahren 1975-1976 fand hier der Große Tolbachinskoye Vulkanausbruch statt bei dem neue Vulkankegel entstanden sind und große Landflächen mit Vulkanasche bedeckt wurden (http://www.volcano.si.edu/world/volcano.cfm?vnum=1000-24=).

Kljuchevskaja Sopka, der höchste Vulkan Eurasiens
Tolbachik, neue Vulkane entstanden 1975-76
Tolbachik, beim Ausbruch 1975-76 vernichtetet Wald

 

Teile des Mutnovsky-Vulkangebietes befinden sich im Naturpark Yuzhno-Kamchatsky. Der Naturpark wurd 1996 gegründet und umfasst eine Fläche von 488 676 ha. Das Mutnovsky-Vulkangebiet wird von 4 Stratovulkanen gebildet und wird als komplexes Vulgangebiet bezeichnet. Es ist ein aktives Vulkangebiet, die letzte Eruption fand im Jahre 2000 statt. Der höchster Gipfel erreicht 2322 m. Der Mutnovsky IV Vulkan begann im Holozän zu wachsen. Im Jahre 1904 gab es eine explosive Eruption.

       

Das Gorely Vulkangebiet gehört ebenfalls zu den aktive Vulkanen Kamtschatkas. Seine letzte Eruption fand 1984 statt. Der höchster Gipfel erreicht 1829 m. Es gehört zum Caldera Vulkantyp, da es aus 5 kleinen Stratovulkanen gebildet wird, die sich in einer alten 9 x 13,5 m großen Caldera befinden. Die Caldera wurde vor etwa 40.000 Jahren durch eine Eruption von über 100 km ³ Gestein gebildet. Insgesamt besteht das Vulkangebiet aus 11 Gipfeln und 30 Seitenkratern, einige enthalten Süsswasser- oder Säureseen und drei Bruchzonen kreuzen das Gebiet. Zahlreiche kleinere Eruptionen mit Lavaaustritten haben die Caldera mit Lava aufgefüllt.

Gorely-Vulkan
Säuresee auf dem Gorely-Vulkan
Lava-Höhle in der Gorely-Caldera

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